Ein Überangebot an Erdgas wird in Zukunft die Gaspreise sinken lassen (Foto: dpa)Der Gasmarkt steht offenbar vor einem einschneidenden Wandel. Wie die "Financial Times" (FT) berichtet, rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) künftig mit fallenden Gaspreisen. Vor allem der Ausbau erneuerbarer Energien und der Atomkraft sowie die Erhöhung der Gaskapazitäten werde weltweit zu einem Überangebot an Erdgas führen, was die Preise drücke.
Die "FT" beruft sich in ihrem Bericht auf eine noch nicht autorisierte Studie, die die IEA am kommenden Dienstag vorstellen wolle. Dem Bericht zufolge werde neben dem Wandel auf dem Gasmarkt auch die Abhängigkeit Europas von Gaslieferungen aus Russland sinken.
Gasmarkt wird zu einem Käufermarkt
Schon jetzt hätten sich die Bedingungen geändert, zitiert das Blatt aus dem Papier: "Der Gasmarkt ist von einem Verkäufermarkt mit knappem Angebot und hoher Nachfrage in einen Käufermarkt mit wachsender Förderung und sinkender Nachfrage gedreht." Bis 2015 würden die Überkapazitäten von Pipelines und Flüssiggasterminals auf mindestens 250 Milliarden Kubikmeter anschwellen, viermal soviel wie 2007. Der geplante Ausbau regenerativer Energien und der Kernkraft sowie die Erhöhung von Energieeffizienz werde 2015 die Gasnachfrage um fünf Prozent senken, bis 2030 sogar um 17 Prozent.
Gazprom könnte unter Druck geraten
Der IEA-Ausblick ist ein herber Dämpfer für Gas-Exporteure wie Russland, Iran oder Katar. Dagegen dürften sich Länder wie Russland oder Bulgarien freuen. Vor allem osteuropäische Staaten litten besonders unter dem Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland im vergangenen Jahr, als es zu erheblichen Engpässen in der Gasversorgung kam. Dabei stellt das vorhergesagte Überangebot für die russische Gazprom einen herben Rückschlag dar. Das Unternehmen baut zur Zeit gemeinsam mit E.ON Ruhrgas und Wintershall für 15 Milliarden Euro die Ostsee-Pipeline Nord Stream. Die 1200 Kilometer lange Pipeline soll ab 2010 sibirisches Erdgas vom russischen Hafen Wyborg nach Greifswald führen und könnte so zu einem künftigen Überangebot von Gas in Europa beitragen.