07.02.2008, 18:46 Uhr | AFP
Gazprom-Gebäude in Moskau (dpa) Der russische Energiekonzern Gazprom hat der Ukraine mit einem Stopp der Gaslieferungen ab kommender Woche gedroht. Die Ukraine habe bei Gazprom noch Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) zu begleichen, erklärte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow in Moskau zur Begründung. Über die Ukraine fließt auch ein großer Teil des russischen Gases nach Deutschland. Russland hatte vor rund zwei Jahren der Ukraine den Gashahn zwischenzeitlich zugedreht. Damals waren auch die Lieferungen nach Deutschland eingeschränkt worden. Die Ukraine fordert von Russland derzeit ihrerseits mehr Geld für den Transit des Erdgases nach Westen.
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Gazprom stellt Ultimatum bis Montag
"Wenn die ukrainische Seite bis Montag das Problem nicht löst, wird Gazprom gezwungen sein, die russische Gasversorgung für die Ukraine zu unterbrechen", erklärte der Gazprom-Sprecher. Die russische Drohung erfolgt wenige Tage vor dem Besuch des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko in Moskau am Dienstag.
Streit um Höhe von Transit-Preis nach Westeuropa
Die Ukraine argumentiert wiederum, sie zahle für russisches Erdgas dreieinhalb Mal mehr als noch 2006. Die Einnahmen aus dem Transit von russischem Gas seien jedoch praktisch unverändert geblieben. Laut ukrainischen Zeitungsberichten peilen die Behörden in Kiew deshalb eine Erhöhung der Transitgebühren auf bis zu 9,32 Dollar (rund 6,30 Euro) je 1000 Kubikmeter Erdgas und je 100 Kilometer genutzte Pipeline an. Derzeit berechnet die Ukraine dafür etwa 1,70 Dollar. Im vergangenen Jahr lag der Tarif bei 1,60 Dollar.
Ukraine wichtig für Deutschland
Schon Anfang 2006 hatte es einen erbitterten Streit zwischen Russland und der Ukraine um Gaspreis und Transitgebühren gegeben. Nach dem vorübergehenden Lieferstopp hatte die Ukraine damals einer Erhöhung des Gaspreises zugestimmt. Deutschland bezieht mehr als ein Drittel seines Erdgases aus Russland. Rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa laufen durch die Ukraine. Mit dem Bau einer Pipeline durch die Ostsee wollen Deutschland und Russland derzeit unabhängiger von den Landtrassen durch Osteuropa werden.
Baltischen Staaten und Polen gegen Ostsee-Pipeline
Russland lehnte eine von Polen vorgeschlagene Alternative zur Ostsee-Gaspipeline ab. Das Alternativ-Projekt sei "sehr schwierig und sehr viel teurer", sagte der russische Präsidentenberater Sergej Prichodko laut Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Polens Ministerpräsident Donald Tusk wird in Moskau erwartet, wo er das Projekt vorstellen wollte.
Der polnische Vorschlag sieht vor, die Pipeline über die baltischen Staaten und Polen verlaufen zu lassen. Polen, Estland, Lettland und Litauen lehnen die Ostsee-Pipeline, an der auch die deutschen Konzerne BASF und Eon beteiligt sind, vehement ab. Die Staaten fürchten vor allem, Gazprom könnte nach Fertigstellung der Pipeline die Gaslieferungen an sie einstellen, ohne dass davon gleichzeitig auch die westeuropäischen Länder betroffen wären.
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Quelle: t-online.de
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