
30.12.2010, 18:46 Uhr | Spiegel Online
Gazprom ist das größte Unternehmen Russlands - doch der deutsche Markt bleibt dem Energieriesen weitgehend verschlossen. Das behauptet zumindest Konzernchef Alexej Miller. Im "Spiegel" verspricht er: "Könnten wir direkt Gas an den Endkunden liefern, müssten die Deutschen weniger bezahlen."
Alexej Miller, der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Gasunternehmens Gazprom, hat sich über den schweren Zugang zum deutschen Energiemarkt beklagt. "Könnten wir Gas direkt an den Endkunden liefern, müssten die Deutschen weniger bezahlen. Das ist absolut sicher", sagte Miller dem "Spiegel".
Gazprom versucht seit Jahren, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen - bisher vergebens. Bereits 2005 kündigte der russische Energieriese an, in Deutschland Stadtwerke kaufen zu wollen, um so den Endkunden näher zu kommen. Doch bisher ist nichts daraus geworden. Außerdem wird immer wieder spekuliert, Gazprom könne beim deutschen Stromkonzern RWE einsteigen - allerdings kamen die Russen auch hier nie zum Zug. Zuletzt wurde gar gemunkelt, das Land Baden-Württemberg habe die Mehrheit am Energiekonzern EnBW vor allem deshalb übernommen, um einen Einstieg der Russen zu verhindern.
Aus Sicht Gazproms wäre es durchaus reizvoll, die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken - von der Gasförderung über den Transport bis hin zur Belieferung der Endkunden. Denn die dicken Margen winken vor allem im Endkundengeschäft, also in dem Segment, das bisher fest in deutscher Hand ist. Die eigentlichen Förder- und Transportkosten bis zur deutschen Grenze hingegen sind vergleichsweise gering. Im "Spiegel" betonte Miller, dass der Gazprom-Anteil am Endpreis "niemals höher als 50 Prozent ist".
Der größte deutsche Gasimporteur E.ON hatte monatelang mit Gazprom über eine Senkung des Einkaufspreises verhandelt. Dazu erklärte Miller: "Wir lieben und respektieren unsere Kunden. Aber es geht ihnen nicht um den Preis für den Endverbraucher, sondern um ihren eigenen Gewinn. Natürlich will keiner, dass die eigene Marge schrumpft."
Miller verteidigte außerdem die Bindung des Gaspreises an den Ölpreis. In langfristigen Verträgen hat Gazprom mit den deutschen Importeuren festgeschrieben, dass sich der Gaspreis stets parallel zum Ölpreis entwickeln soll. Wird Öl teurer, gilt dies auch für Gas. Im Fall eines sinkenden Ölpreises fällt auch der Gaspreis.
Letzteres Szenario ist allerdings eher unwahrscheinlich: Miller prognostizierte, dass der Gaspreis langfristig steigen werde. Grund sei die weltweit steigende Nachfrage: "Gas wird in der Zukunft weit stärker auch als synthetischer, flüssiger Treibstoff gebraucht werden", sagte Miller. Mit anderen Worten: Erdgas soll nicht mehr nur zum Heizen und zur Stromerzeugung verwendet werden, sondern auch zum Tanken in Erdgasfahrzeugen.
Russland ist mit einem Anteil von rund 40 Prozent der größte Erdgaslieferant Deutschlands. Das Monopol auf den Export russischen Gases hält Gazprom. Kritiker bemängeln, dass sich die Bundesrepublik zu sehr in die Abhängigkeit eines einzelnen Energielieferanten begeben habe.
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Quelle: Spiegel Online , t-online.de
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