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Konzernchefs fürchten neue Finanzexzesse
21.12.2009, 09:33 Uhr | Financial Times Deutschland
Warnt vor neuer Finanzblase: Allianz-Chef Michael Diekmann (Quelle: dpa)Eine Blase an den Finanzmärkten ist gerade geplatzt - und die nächste baut sich auf, fürchten mehrere Vorstände von DAX-Unternehmen. Sie warnen vor Übertreibungen. Während ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz eine Blase an den Rohstoffmärkten kommen sieht, fürchtet Michael Diekmann, in gleicher Funktion bei der Allianz, angesichts der Geldschwemme neue Exzesse an den Finanzmärkten. Es sei sehr viel billiges Geld draußen, sagte Diekmann im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Die Investoren können dadurch höhere Risiken eingehen. Wir finanzieren gerade die nächste Finanzblase." #
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Risiko Finanzmarkt
Schulz, Vorstandschef von Deutschlands größtem Stahlkonzern, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", er sorge sich, dass nach der Immobilienblase jetzt eine Rohstoffblase entstehe. "Da sind schon wieder Spekulanten und Finanzjongleure unterwegs, die munter mit Derivaten handeln."
Banken sehen keine Blasenbildung
Die Äußerungen der Konzernchefs stehen in Kontrast zu den Einschätzungen der Finanzindustrie: Viele Kreditinstitute und Vermögensverwalter halten die Gefahren aus der Geldschwemme zumindest vorerst für vernachlässigbar und gehen in ihren Börsenausblicken für das kommende Jahr kaum auf die Entstehung neuer Blasen ein. Sie fürchten vielmehr, dass die Notenbanken die Leitzinsen so früh anheben, dass die Wirtschaftserholung abgewürgt wird.
Niedrige Zinsen lassen Risikobereitschaft wachsen
Weltweit haben Notenbanken auf die Krise mit Zinssenkungen reagiert. Die Leitzinsen in der Euro-Zone und den USA liegen derzeit bei einem Prozent und 0 bis 0,25 Prozent, was die Risikobereitschaft von Investoren - auch vieler Banken - wieder nach oben schnellen ließ. So haben im laufenden Jahr riskante Anlagen wie Aktien und Hochzinsanleihen enorm an Wert gewonnen.
Diekmann kritisiert Eigenhandel der Banken
Diekmann kritisierte das Verhalten der Kreditinstitute: "Die Banken sollten mehr Risiken im Kundengeschäft eingehen, anstatt mit dem billigen Geld Eigenhandel zu betreiben, der letzten Endes keinen Wert schafft." Er warnte zudem vor zu hohen Renditeerwartungen.
Finanzmärkte erneut Auslöser für eine Krise?
Die Warnungen von Diekmann und Schulz verdeutlichen, wie kritisch Unternehmen die Situation an den Finanzmärkten einschätzen. Die jüngste Krise hatte ihren Anfang in Exzessen am US-Häusermarkt genommen, zunächst den gesamten Finanzmarkt erfasst und schließlich die Weltwirtschaft an den Rand des Kollapses gebracht.
Interessengeleitete Chefs
Allerdings sind die Einschätzungen von Diekmann und Schulz auch im Zusammenhang mit ihren Konzernen zu sehen: Für ThyssenKrupp ist es schwierig, mit stark schwankenden Rohstoffpreisen umzugehen. Die Allianz kann in der Lebensversicherung kaum mit den zuletzt hohen Renditen riskanter Anlagen mithalten: Die Allianz Leben senkte kürzlich die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung.
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Quelle: Financial Times Deutschland