
05.04.2011, 11:08 Uhr | Spiegel Online
Frankfurter Bankenviertel: Top-Manager können für Unternehmen teuer werden (Foto: AFP) (Quelle: AFP)
Deutschlands Top-Manager kennen bei ihren Gehältern kein Halten: Der Abstand zum Einkommen gewöhnlicher Arbeitnehmer wird immer größer. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Grund für die Bonusexzesse sind äußerst fragwürdige Machtverhältnisse.
Vor einigen Jahren erlaubte sich das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Fortune" einen netten Gag. In einer Geschichte über die Einkommen amerikanischer Top-Manager druckte das Blatt einen Absatz, in dem die Autoren beredt Klage führten über die Raffgier ihrer Wirtschaftsoberen. Im nächsten Absatz durfte der Leser dann erfahren: Den kritischen Text hatte die Redaktion wörtlich einem "Fortune"-Artikel entnommen, der fünfzehn Jahre zuvor erschienen war.
Sollte heißen: Nichts hatte sich in den anderthalb Jahrzehnten am Verhalten der Konzernführer geändert. Im Gegenteil, die Selbstbedienung hatte in der Zwischenzeit nur noch schlimmere Ausmaße angenommen. Die Kaste der Top-Manager in den USA schien und scheint immun gegen Kritik an ihrer skandalösen Vermögensmehrung.
Den Scherz der Kollegen von "Fortune" könnten wir uns hierzulande auch erlauben. Seit Jahren sind die Bezüge der angestellten Unternehmensfürsten ein Ärgernis, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. Die Einkommen der gewöhnlichen Arbeitnehmer sind in den vergangenen Jahren kaum gestiegen, netto und in Kaufkraft gemessen waren sie gar rückläufig. Die Überweisungen auf die Privatkonten der Top-Manager hingegen nahmen meist im zweistelligen Prozentbereich zu, hinauf in Dimensionen, die dieses Land bisher nicht kannte. Doch wie im kapitalistischen Mutterland USA zeigten sich die Unternehmenschefs von der öffentlichen Kritik gänzlich unbeeindruckt.
Also handelte der Gesetzgeber. 2009 verabschiedete der Bundestag ein "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung". Aber gebracht hat die Berliner Kraftanstrengung wenig. Heraus kam eine Ansammlung von unverbindlichen Soll-Vorgaben. Beispielsweise die Empfehlung, die Bezüge am "nachhaltigen Unternehmenserfolg" auszurichten, nicht also an kurzfristigen Ergebnissen.
Die Manager amüsierten sich, änderten die Regeln für die Bezahlung - beließen es aber bei der einmal erreichten Gesamthöhe. Das belegen die bisher veröffentlichten 21 Geschäftsberichte von DAX-Firmen: Sieben Konzernchefs streichen mehr als fünf Millionen Euro ein, angeführt von VW-Chef Martin Winterkorn mit 9,3 Millionen. Hinzurechnen muss man die Rückstellungen für die in der Regel üppig bemessenen Altersbezüge - die eigene Vorsorge wird in diesen Kreisen offenbar als Zumutung empfunden -, und für all die "Nebenleistungen", die das Unternehmen den Obersten zuteil werden lässt.
2,6% Zinsen p.a. auf Ihr Trading-Konto, Cash Back und keine Ordergebühren!
Jetzt informieren
Jetzt im Demokonto testen
Und wieder darf man staunen darüber, was in diesen Sphären als "angemessen" angesehen wird, um den Begriff aus dem Gesetz zu strapazieren. Die beiden Großversorger RWE und E.ON beispielsweise haben aus Sicht der Anteilseigner kein blendendes Jahr hinter sich. Dennoch bedient RWE seinen Konzernchef Jürgen Großmann mit 6,6 Millionen Euro. E.ON-Anführer Johannes Teyssen, erst seit Mai im Chefzimmer, bekommt 4,4 Millionen Euro, hochgerechnet also etwa so viel wie Großmann. Oder die Autobosse. Dieter Zetsche von Daimler darf sich über satte 8,7 Millionen Euro freuen; Norbert Reithofer von BMW, der mitnichten einen schlechteren Job gemacht hat als der Kollege in Stuttgart, muss sich mit halb so viel abfinden.
Nach den bisher veröffentlichten Berichten stiegen die Einkommen der Vorstandschefs 2010 um 16 Prozent. Das ist erneut ungleich mehr als der Zuwachs bei den gewöhnlichen Werktätigen. Deren Tarifverdienste legten um gerade mal 1,6 Prozent zu. Die Schere geht immer weiter auseinander. (Die zehn Topverdiener unter den DAX-Vorständen)
Thierry Cahez sammelt Pennies. Nun wollte er den Schatz versilbern, doch seine Bank stellte sich quer. Warum er das Geld aber braucht. zum Video
Was da seit Jahren in immer lichtere Höhen wächst, daran darf erinnert werden, ist Einkommen ohne jedwedes Risiko. Manager vergleichen sich und ihren Verdienst gern mit den Einkommen von Eigentümer-Unternehmern. Die Aufgaben mögen ähnlich sein. Doch Familienunternehmer setzen ihr Kapital ein, das im Fall des Misserfolgs weg ist. Vorstände von Kapitalgesellschaften hingegen arbeiten mit dem Geld anderer Leute, sie sind nur die ersten Angestellten des Unternehmens: Wenn sie versagen und gefeuert werden, verlieren sie nichts. Im Gegenteil - in der Regel bekommen sie sogar noch einen goldenen Handschlag.
Zum Trost für uns gewöhnliche Erdenbürger und zur Entlastung unserer heimischen Wirtschaftselite wollen wir auslassen, dass sich die heimischen Konzernlenker in bester internationaler Gesellschaft befinden. Nur die wie immer rätselhaften Japaner lassen sich deutlich schlechter bezahlen. Die Kollegen der großen europäischen Firmen, die im Euro-Stoxx gelistet sind, liegen knapp über dem deutschen Durchschnitt. Und die Chefs in den amerikanischen Unternehmen bedienen sich traditionell mit besonderer Hemmungslosigkeit.
Sie sind es auch, die die Standards gesetzt haben für die aus den Fugen geratene Bezahlung der Manager in Old Europe. In seinem höchst lesenswerten Buch "Markt und Macht" beschreibt der "Handelsblatt"-Journalist Norbert Häring, wie in Amerika die Bezüge der Konzernspitzen regelrecht explodierten.
Weiter zu Teil 2 des Artikels: Viele Spitzenmanager kosten mehr, als sie bringen
Die aktuellsten Meldungen rund ums Geld werktags in Ihr Postfach! Kostenlos abonnieren
Quelle: Spiegel Online
Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Entdecken Sie die neuen Kollektionen zu Top-Preisen: jetzt online bestellen! zu den Angeboten
Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Neuer Besitzer blätterte mehr als 70 Millionen Euro hin. zum Video