19.05.2011, 11:25 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Mancher Praktikant muss sich mit einem geringen Verdienst zufriedengeben. (Foto: imago)
Kaffee holen, kopieren und protokollieren haben als klassische Praktikantentätigkeiten ausgedient. Uni-Absolventen erhalten im Praktikum eine echte Chance, in den Berufsalltag zu schnuppern, Projekte und Ideen zu entwickeln. Die Chefs bezahlen dafür aber nur wenig.
Die Gehälter machen in diesem Jahr in fast allen Branchen einen Sprung. Auch Berufsanfänger können sich auf gestiegene Einstiegsgehälter freuen. Wer sich allerdings erst mal mit einem Praktikum fit für den Job machen will, sollte eine Durstsstrecke einplanen. Bei den Finanzen zumindest. Denn: Entlohnt wird ein Praktikum in den meisten deutschen Unternehmen eher kärglich.
Und dies, obwohl die Bedeutung von Praktikanten in der Wirtschaft in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. So engagieren Unternehmen Praktikanten häufig für konkrete Projekte oder spezielle Randthemen. In manchen Firmen werden sie zudem als zeitweise oder permanente Unterstützung für die Stammbelegschaft eingesetzt. Der Hintergrund: Sparzwänge.
Die Nachfrage nach Praktikumsstellen blieb im vergangenen Jahr groß - nicht nur, weil viele Berufsabschlüsse und Uni-Zertifikate ein erfolgreiches Praktikum vorschreiben. Schließlich können Studenten und Absolventen hier alles über den Berufsalltag und einen anvisierten Job erfahren: Welche Aufgaben umfasst ein bestimmtes Berufsfeld? Gefällt mir diese Firma und ein Arbeitsplatz dieser Art? Wie arbeitet man im Team? Welche Fähigkeiten und Kompetenzen fehlen mir möglicherweise noch? Wo liegen meine Stärken?
Nur bei der Vergütung müssen die Praktikanten noch zurückstecken, denn mit einem Gehalt ist die Bezahlung nicht zu vergleichen. Im Durchschnitt werden in Deutschland rund 619 Euro brutto monatlich gezahlt. Wer eine Firma überzeugen kann, dass er seine Abschlussarbeit im Unternehmen schreibt, kann im Schnitt mit 687 Euro pro Monat rechnen, so die jüngste Gehaltsstudie des Karriereportals Alma Mater. Allerdings zahlen viele Firmen bei Abschlussarbeiten eher Erfolgsprämien anstatt Gehälter. Diese können bis zu 5000 Euro betragen - und bedeuten für die meisten Berufseinsteiger eine erhebliche Motivation.
Die Zahlen zeigen, die Vergütung von Praktika ist im Vergleich zu zurückliegenden Jahren leicht gestiegen. Allerdings nicht überall gleich stark. Abhängig ist die Entlohnung zum Beispiel von der Unternehmensgröße. In Familienbetrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern liegt das Praktikantenentgelt bei durchschnittlich 444 Euro. Wer in einem Konzern mit über 5000 Mitarbeitern einen Platz ergattert, kann mit rund 782 Euro pro Monat rechnen. Ähnlich stark sind die Schwankungen bei Abschlussarbeiten (635 Euro bis 903 Euro).
Dass Examenskandidaten fast überall mehr Geld erhalten als einfache Praktikanten, erklären die Studienautoren mit dem Gewinn auf der Unternehmensseite. Ein Student, der eine erfolgreiche Abschlussarbeit für ein Unternehmen schreibe, bringe diesem mehr als ein Praktikant. So spekulierten die Firmen darauf, bewährte Diplomanden als neue Mitarbeiter gewinnen zu können. Praktikanten hingegen brauchen nach Meinung der Alma-Mater-Fachleute häufig eine längere Einarbeitungszeit und intensivere Betreuung durch das Stamm-Team.
Auffällig ist: Tarifgebundene Unternehmen zahlen schlechter als tarifungebundene. Offenbar liegt das dran, dass Unternehmen, die sich bei der Praktikantenentlohnung nicht nach Tarifvereinbarungen richten müssen, flexibler auf die Arbeitsmarktsituation reagieren können. Der Fachkräftemangel hat zuletzt dafür gesorgt, dass viele Absolventen ihr Glück beim Berufseinstieg ohne Praktikumszeit versuchen. Den Rückgang bei den Bewerberzahlen können tariflich nicht gebundene Firmen besser ausgleichen - sie zahlen mehr. Bei Praktika sind es rund 15 Euro (607/622 Euro), bei Abschlussarbeiten im Schnitt 112 Euro (609/721 Euro) pro Monat.
Kräftige Unterschiede zeigt auch die Praktikanten-Gehaltsstatistik im Branchenvergleich. Am besten zahlt demnach die Chemie- und Pharmabranche - durchschnittlich 858 Euro im Monat. Auch bei Kfz-Zulieferern und EDV-Dienstleistern können Bewerber auf mehr als den deutschlandweit üblichen Betrag hoffen. Diplomanden in der Zeitarbeitsbranche haben ebenfalls gute Chancen auf überdurchschnittliche Bezahlung (813 Euro), obwohl die Branche bisher eher zu den schlechten Zahlern gehörte und auch in diesem Jahr bei den Einstiegsgehältern für Berufsanfänger noch knausert.
Am geringsten werden Praktikanten und Diplomanden in Tourismusunternehmen, bei öffentlichen Dienstleistern, bei NGOs und in der Medienbranche entlohnt. Hier liegen die Vergütungen zwischen 328 und 500 Euro. Bleibt als kleiner Trost: Was ein Praktikum an Wissensinput, Erfahrung und Einblick in eine Branche bringt, das ist in Geld selten aufzuwiegen.
Für die Erhebung "Gehaltsstudie 2011" befragte das Karriereportal Alma Mater 902 Unternehmen aller Branchen zu Einstiegsgehältern und Mitarbeiternachfrage. Bei den aufgeführten Summen handelt es sich um monatliche Bruttogehälter.
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Quelle: Financial Times Deutschland
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