07.05.0943, 00:00 Uhr | dpa-AFX, dpa, AFP
Griechenland bekommt seine Verschuldung nicht in den Griff (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Die Kernländer der Eurozone haben bei einem unangekündigten Treffen in Luxemburg in der Nacht zum Samstag den Ausstieg Griechenland aus der Währungsunion oder eine Umschuldung des hochverschuldeten Landes ausgeschlossen. Der luxemburgische Finanzminister und Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, sagte nach dem Treffen, über einen Ausstieg des südeuropäischen Landes aus der Eurozone sei nicht diskutiert worden. Auch eine Umschuldung Griechenlands werde ausgeschlossen.
An dem Treffen in einem Schloss bei Luxemburg nahmen unter anderen die Finanzminister aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien teil. Weitere Teilnehmer waren der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, EU-Währungskommissar Olli Rehn und der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou.
Papakonstantinou wies erneut Berichte zurück, wonach Griechenland die Abschaffung des Euro und eine Rückkehr zu einer eigenen Währung erwägt. Das hatte "Spiegel Online" am Freitag Abend berichtet. Einige Medien hätten "in unverantwortlicher Weise und aus Gründen, die nur sie selbst kennen, Informationen dieser Art verbreitet", erklärte Griechenlands Finanzminister.
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Juncker bezeichnete einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone als "dumme Idee". Das wäre "ein Weg, den wir niemals gehen würden", sagte er. "Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert", fügte er hinzu.
Papakonstantinou versicherte abermals, dass Griechenland das mit der EU, dem Internationalem Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank vereinbarte Reform- und Sparprogramm in die Tat umsetzen werde. Griechenland erhält zur Abwendung einer Staatspleite Milliardenhilfen aus einem Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds und muss dafür einen harten Sparkurs fahren. Dennoch fielen die Kurse der griechischen Staatsanleihen in den vergangenen Wochen immer tiefer, was die Debatte über eine Umschuldung als weiteres drastisches Mittel zur Lösung der Krise befeuerte.
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An den Devisenmärkten sackte der Euro-Kurs durch die Spekulationen über einen möglichen Euro-Austritt der Griechen um knapp zwei Cent auf 1,43 Dollar ab und baute dadurch seine jüngsten Verluste im Vergleich zur US-Währung noch aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Freitag Mittag auf 1,4501 festgelegt, mehr als drei Cent weniger als am Donnerstag (1,4814 Dollar).
Hintergrund für die Nervosität an den Märkten sind auch Erwartungen, dass die Milliardenhilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) nicht ausreichen, um Griechenland dauerhaft vor einer Staatspleite zu bewahren. Im Mittelpunkt der laufenden Euro-Krisentreffen stehen daher Überlegungen, wie Griechenlands Schuldenlast verringert werden kann - etwa durch die Verlängerung von Rückzahlungsfristen. Griechische Zeitungen berichteten am Samstag vom einem "neuen SOS-Paket", das am 16. Mai bei der offiziellen Zusammenkunft der EU-Finanzminister beschlossen werden könnte.
Unter Finanzexperten ist derweil umstritten, ob ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone im Alleingang überhaupt möglich wäre. Selbst wenn dies rechtlich und technisch durchführbar ist, gilt die Euro-Abschaffung als hochriskant - riskanter als eine Umschuldung, die Brancheneinschätzungen zufolge ebenfalls unüberschaubare Folgen etwa für die involvierten Banken haben könnte.
Für Griechenland wäre eine im Vergleich zum Euro "günstige" eigene Währung eine Möglichkeit, die Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen. In der Zeit vor der Einführung der Gemeinschaftswährung hatten einige Länder aus genau diesem Grund ihre Währungen bewusst von Zeit zu Zeit abgewertet.
FDP-Finanzexperte Frank Schäffler hält einen Austritt der Hellenen aus der Euro-Zone für sinnvoll. "Wenn Griechenland den Austritt will, dann ist es die autonome Entscheidung Griechenlands, die wir positiv unterstützen sollten", sagte Schäffler dem "Focus". Er nannte angesichts der Probleme Griechenlands eine Umschuldung "unausweichlich", sie reiche jedoch nicht.
Quelle: AFP , dpa , dpa-AFX
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