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Geldpolitik: China und Japan warnen vor neuem Crash in USA

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Asiaten warnen vor US-Superblase

16.11.2009, 15:48 Uhr | Financial Times Deutschland

Der Verfall des US-Dollars belastet die Weltwirtschaft (Foto: dpa) Der Verfall des US-Dollars belastet die Weltwirtschaft (Foto: dpa)Die Konjunktur läuft wieder, selbst Japan kommt stark aus der Krise. Das haben die USA gut gemacht, meinen viele und loben Regierung und Fed. Doch bei seinem Asien-Besuch bekommt Obama anderes zu hören: Dort herrscht Angst vor einem neuen Crash - ausgelöst vom scheinbaren Retter.

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Asiaten kritisieren US-Notenbank Federal Reserve

China und Japan haben Kritik an der laxen Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve geäußert. Zudem wiesen Vertreter der Volksrepublik den Wunsch der Amerikaner nach einem stärkeren Renminbi zurück. "Tiefe Leitzinsen und der Dollar-Verfall stellen für die Erholung der Weltwirtschaft neue, reale und unüberwindbare Hindernisse dar", sagte Liu Mingkang, Chinas oberster Bankaufseher. Ähnlich äußerte sich Japans Zentralbankgouverneur Masaaki Shirakawa: "Schwellenländer könnten überhitzen und finanzielle Turbulenzen erleben."



China will eigene Währung nicht aufwerten

Ablehnend äußerte sich China auch zur Forderung nach einem stärkeren Renminbi. Yai Jian, Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, bezeichnete es als "nicht fair", eine Aufwertung des Renminbi zu verlangen, wenn gleichzeitig der Dollar schwach tendiere. "Mit diesen und ähnlichen Äußerungen macht das Regime in Peking klar: Es will den Renminbi nicht aufwerten", schrieben die Währungsanalysten der Commerzbank. Der Renminbi ist an den Dollar gebunden. Der Greenback notiert momentan bei 6,83 Yuan.

Gleichgewicht des Schreckens

"Dieses Mal hat China bessere Karten als 2005 bis 2008. Denn dieses Mal sind die USA in einem Gleichgewicht des Schreckens gefangen. Zwar kann die US-Regierung mit Handelskrieg drohen, doch ist die Drohung des Pekinger Regimes, die Bestände an US-Staatsanleihen zu liquidieren, ebenso glaubhaft. Der Status quo, der Peg des Renminbi an den Dollar, scheint in dieser Situation der geeignete Kompromiss zu sein" schrieben die Commerzbank-Analysten. Unter Peg versteht man die Bindung einer Währung an eine andere.

Spannungen mit den USA

Die Kommentare der asiatischen Volkswirtschaften unterstreichen die Spannungen in den Beziehungen mit den USA. Gerade die Niedrigzinspolitik der Fed, die den Leitzins längerfristig auf dem historischen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent halten wird, wird zunehmend kritisch gesehen. Die Sorge: Die Fed verleitet die Investoren zu riskanten Carry Trades und sorgt für Vermögensblasen in Schwellenländern.

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Rasant steigende Immobilienpreise in Asien

Bei Carry Trades verschulden sich die Anleger in Niedrigzinswährungen wie dem Dollar und legen ihr Kapital höher verzinst im Ausland an - oder an den Aktienmärkten: Der MSCI-Index der Schwellenländer-Börsen legte seit Jahresbeginn um 71 Prozent zu. Asiatische Länder wie Singapur und Südkorea stemmen sich zudem gegen rasant anziehende Immobilienpreise. Investoren weltweit teilen die Einschätzung der Asiaten, was sich am Goldpreis ablesen lässt: Am Montag verteuerte sich das gelbe Edelmetall in London auf das Rekordhoch von 1130 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Gold wird als Inflationsschutz angesehen.

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Risiken bei Niedrigzinspolitik

Wenn tiefere Zinsen den Amerikanern auch helfen würden, ihre Schulden zu begleichen, so seien mit der Niedrigzinspolitik jedoch auch Risiken verbunden: "Die geldpolitische Lockerung in den Industriestaaten hat dazu geführt, dass sehr viel Kapital in Schwellenländer fließt", sagte Bank-of-Japan-Gouverneur Shirakawa. Eine Überhitzung, ein Platzen der Blase und eine darauf folgende Rezession seien die mögliche Konsequenz.

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Japaner in Angst

Solch ein Szenario ängstigt die Japaner, deren Wirtschaft selbst seit über einem Jahrzehnt in der Deflation gefangen ist. Momentan ist ein Aufschwung spürbar: Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal um auf das Jahr hochgerechnet 4,8 Prozent zu. Das ist das stärkste Plus seit mehr als zwei Jahren. Bereits im zweiten Quartal war das BIP um 2,7 Prozent gewachsen.

Weiterer Nachtragshaushalt in Japan

Verantwortlich dafür war der Exportsektor, der wiederum vom globalen Aufschwung profitiert. Allerdings spielten auch öffentliche Ausgaben eine Rolle. Die Regierung übte sich angesichts der Zahlen in Zurückhaltung. Japans Premierminister Yukio Hatoyama sagte, der Zustand der Wirtschaft gebe nach wie vor Grund zur Sorge. Ein zweiter Nachtragshaushalt sei womöglich nötig, um die Situation zu stabilisieren.

Licht und Schatten

Die Volkswirte der Dekabank sahen Licht und Schatten. "Das Wirtschaftswachstum stützt sich im dritten Quartal auf drei fast gleich starke Säulen: privater Konsum, Außenhandel und Lagerinvestitionen. Erfreulich ist, dass die Zunahme der privaten Konsumausgaben von einem Anstieg der Reallöhne begleitet wurde. Während die Anlageinvestitionen nochmals schrumpften, konnten zumindest die Gewerbeinvestitionen erstmals wieder ansteigen", schrieben sie in einem Researchbericht. Kritisch fügten sie an: "Im Gegensatz zu den meisten anderen Industrieländern dürfte der Lagerzyklus in Japan bereits weitgehend abgeschlossen sein, sodass hieraus kaum noch positive Wachstumseffekte kommen werden."


Ausfallrisiken Japans steigen

Die japanischen Regierung hat angesichts einer öffentlichen Verschuldung von knapp 200 Prozent des BIP nur begrenzt Spielraum, mit weiteren Konjunkturprogrammen den Aufschwung zu stützen. Schon jetzt sind die Investoren besorgt: Die Kosten, sich mit Kreditderivaten gegen einen Zahlungsausfall des Landes abzusichern, verdoppelten sich seit August. Japanische Staatsanleihen für 10 Millionen Dollar zu versichern, kostet momentan 76.160 Dollar im Jahr. Auch die Anleiherendite legte auf Sicht der vergangenen sechs Wochen zu. Kurse und Renditen bewegen sich bei Anleihen gegenläufig.

Regierung traut dem Aufschwung nicht

"Das Problem ist, dass man die öffentlichen Ausgaben nicht unbegrenzt ausweiten kann. Das Haushaltsdefizit gibt schon jetzt Grund zur Wachsamkeit", sagte Hiomichi Shirakawa, Chefvolkswirt Japan bei Credit Suisse. "Die Regierung traut dem Aufschwung nicht. Gleichzeitig aber achtet sie auf das schwellende Defizit."


Mehr Themen:
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Quelle: Financial Times Deutschland

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