13.06.2008, 14:35 Uhr | dpa/ AFP/ T-Online
EZB warnt vor lang anhaltender Inflation (Foto: imago) Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt sich wegen der anhaltend hohen Teuerung im Euroraum zusehends alarmiert. Die Notenbank sei in einem Zustand "erhöhter Alarmiertheit", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Die EZB werde entschlossen und zeitnah handeln, um Preisstabilität im Währungsraum zu gewährleisten. Die Risiken für die Preisentwicklung im Euroraum hätten sich zuletzt erhöht und seien nach wie vor klar aufwärts gerichtet. Auch das Geldmengen- und Kreditwachstum im Euroraum sei nach wie vor kräftig. Die EZB werde alle Entwicklungen sehr genau beobachten. Der Aktienmarkt drehte nach den Äußerungen abwärts.
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Leitzins verbleibt zunächst bei 4,0 Prozent
Zuvor hatte die EZB den Leitzins wie von Experten erwartet unverändert bei 4,0 Prozent belassen. Zuletzt hatte die Notenbank den wichtigsten Kreditzins der Eurozone im Juni vergangenen Jahres auf das aktuelle Niveau angehoben. In der Folgezeit hatte die EZB ihren Zinserhöhungskurs aufgrund der Finanzmarktturbulenzen nicht fortgesetzt.
EZB deutet Zinserhöhung an
Eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung im Juli ist laut Trichet durchaus möglich. Die EZB könnte den Leitzins "in geringem Umfang" anheben. Gleichwohl betonte Trichet, dass eine Zinserhöhung nicht sicher sei. Allerdings hätten sich bereits auf der jüngsten Sitzung des EZB-Rats einige Ratsmitglieder für eine Zinserhöhung ausgesprochen.
Warnung vor weiter hohen Inflationsraten
Die Inflationsrate wird im weiteren Jahresverlauf laut Trichet deutlich erhöht bleiben. Erst im kommenden Jahr sei ein moderater Rückgang des Inflationsdrucks zu erwarten. "Die Inflationsraten werden vermutlich eine recht lange Zeit erhöht bleiben." Risiken für weiter steigende Inflationsraten seien insbesondere die Entwicklung der Öl- und Nahrungspreise.
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Zweitrunden-Effekte beachten
Darüber hinaus betonte Trichet erneut die Wichtigkeit zur Vermeidung so genannter Zweitrunden-Effekten infolge hoher Lohn- und Preissteigerungen. Derartige Effekte müssten in jedem Fall vermieden werden. Der Rat verfolge die Lohnverhandlungen im Euroraum mit besonderer Aufmerksamkeit. Alle Beteiligten im öffentlichen und privaten Sektor müssten sich ihrer Verantwortung bewusst sein.
Wirtschaftswachstum bleibt im Euro-Raum vorerst stabil
Mit Blick auf die realwirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum sprach Trichet von einem starken Wachstum im ersten Quartal 2008, dem jedoch vermutlich ein schwächeres zweites Quartal entgegenstehen werde. Die Wachstumsrisiken seien weiterhin nach unten gerichtet, vor allem wegen der anhaltenden Unsicherheit durch die Finanzmarktturbulenzen. Die Spannungen auf den Finanzmärkten könnten das Wirtschaftswachstum stärker dämpfen als bislang angenommen.
Der EZB-Stab erwartet trotz der Folgen der Finanzkrise, der wirtschaftlichen Abkühlung in den USA und des starken Euro in diesem Jahr 1,8 statt 1,7 Prozent Wachstum. 2009 werde sich der Zuwachs abschwächen auf 1,5 statt 1,8 Prozent. Eine schwächere Konjunktur spricht für eine Zinssenkung, weil sie Kredite für Unternehmen und Verbraucher verbilligt und den Konsum anschiebt.
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Quelle: t-online.de
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