Jean-Claude Trichet während einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main (Quelle: imago)Im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen für die Eurozone auf ein weiteres historisches Tief gesenkt. Die Währungshüter lockerten den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent, wie die EZB in Frankfurt am Main mitteilte. Der neue Schritt ist die siebte Zinssenkung seit Oktober. Finanzexperten hatten mit der Entscheidung gerechnet. #
Nach Einschätzung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, sind die Leitzinsen in der Eurozone "angemessen". "Das derzeitige Zinsniveau ist aber nicht unter allen Umständen das niedrigstmögliche Niveau", sagte Trichet in Frankfurt.
EZB will Kreditvergabe ankurbeln
Durch die niedrigen Zinsen will die EZB der kriselnden Wirtschaft neuen Schub geben. Ziel der Zinssenkung ist, dass sich Banken bei der Zentralbank günstiger mit Geld versorgen können und in Folge auch billigere Kredite an Unternehmen und Verbraucher vergeben.
Experten: Abwärtstrend wird weiter anhalten
Geldanlageexperten zufolge sind die Kreditzinsen in den vergangenen Monaten aber trotz vorheriger Zinssenkungen und Maßnahmen kaum gesunken. Sparer hingegen erleben seit Oktober eine regelrechte Talfahrt der Zinsen etwa für Tages- oder Festgeld. Nach dem neuen Zinsschritt wird sich den Experten zufolge dieser Abwärtstrend auch weiter fortsetzen.
Längere Laufzeit bei Refinanzierungsgeschäften
Trichet verkündete noch weitere außergewöhnliche Maßnahmen im Kampf gegen die Finanzkrise. Refinanzierungsgeschäfte mit den Geschäftsbanken sollen mit zwölf Monate Laufzeit zu fixen Raten in unbegrenzter Höhe ermöglicht werden. Bisher hatte die längste Laufzeit sechs Monate betragen. Auch damit soll die Kreditvergabe bei den Geschäftsbanken stimuliert werden. Die längere Laufzeit erhöht die mittelfristige Refinanzierungssicherheit der Banken und zerstreut ihre Sorgen, sich über den kurzfristigen Horizont hinaus keine Liquidität beschaffen zu können.
Zentralbank will Bonds in Euro aufkaufen
Außerdem habe sich der EZB-Rat im Prinzip auf die Möglichkeit geeinigt, Bonds in Euro aufzukaufen. Die Details sollen bei der Sitzung im Juni festgelegt werden. Der Umfang wurde mit bis zu 60 Milliarden Euro angegeben.
In Großbritannien bleibt Leitzins bei 0,5 Prozent
Die britische Zentralbank gab ebenfalls ihren Zinsentscheid bekannt. Sie beließ den Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent. Ein Programm zur Erhöhung der Geldmenge werde aber deutlich ausgebaut: Das Programm der sogenannten quantitativen Lockerung wird von 50 Milliarden Pfund (57 Milliarden Euro) auf 125 Milliarden Pfund (141 Milliarden Euro) mehr als verdoppelt, wie die Bank of England in London mitteilte. Die Weltwirtschaft befinde noch immer in einer "schweren Rezession", es gebe aber erste Zeichen für eine Verlangsamung des Abschwungs, erklärte die Notenbank.