GM-Chef Fritz Henderson hält eine GM-Insolvenz für wahrscheinlich (Foto: imago) Die Anzeichen für ein schnelles Aus von General Motors häufen sich: Der neue Chef des taumelnden Opel-Mutterkonzerns, Fritz Henderson, hat eine Insolvenz des Autoherstellers als wahrscheinliche Option bezeichnet. Der Schritt sei sogar noch vor Ablauf der von der US-Regierung gesetzten 60-Tage-Frist möglich. Es sei nötig, General Motors neu zu erfinden. Sollte dies in der kurzen Zeit nicht gelingen, sei eine Insolvenz "wahrscheinlicher", sagte Henderson. Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, Washington plane bereits eine Blitz-Insolvenz und eine Zerschlagung von GM und Chrysler. Unterdessen klopfte GM bei der britischen Regierung wegen Staatshilfe an. Und auch bei der schwedischen Tochter Saab läuft die Zeit ab.
Wenn es nicht gelingen sollte, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, dann könne sein Konzern sogar noch vor Ablauf der von Washington gesetzten 60-Tage-Frist Gläubigerschutz beantragen, betonte Henderson vor Journalisten. "Das wird eine Entscheidung des Managements sein." Eine geordnete Insolvenz zur Sanierung von General Motors sei ein möglicher Weg, betonte Henderson in der Konzernzentrale. Klare Präferenz sei aber eine Sanierung ohne Insolvenz.
Warnung an Interessensgruppen
Über eine geordnete Insolvenz nach US-Konkursrecht unter Chapter 11 können US-Unternehmen für einen Neustart Ballast abwerfen. Arbeitnehmer, Zulieferer und Gläubiger müssen für diesen Fall noch weit größere Einschnitte befürchten als bisher gefordert. Die Androhung eines Insolvenzverfahrens durch US-Präsident Barack Obama und GM selbst gilt daher auch als Druckmittel in den Verhandlungen zur Disziplinierung der verschiedenen Interessensgruppen.
GM hat keine Zeit mehr
Die von US-Präsident Barack Obama geforderte Überarbeitung des Rettungskonzepts beinhalte klare Botschaften, sagte Henderson weiter. GM müsse "einschneidender, härter und schneller" vorgehen als bisher geplant. Henderson warnte zudem, weitere Werksschließungen über die bisher bereits geplanten seien möglich. An der Börse verlor die GM-Aktie in New York am Dienstag um 28 Prozent auf 1,94 Dollar. Am Vortag war sie bereits um sogar 25 Prozent abgestürzt.
Als letztes Mittel prüft die Regierung eine Insolvenz im Schnellverfahren ("quick-rinse-bankruptcy" – Bankrott in der Schnellwäsche), wie das "Wall Street Journal" berichtet. Dabei könnte dem Gericht ein schon fertiger, von der Regierung mitfinanzierter Plan vorgelegt werden, der das Verfahren drastisch abkürzen würde. Obama selbst hatte angekündigt, dass sich eine von der Regierung vorangetriebene Insolvenz der Autobauer nicht wie sonst oft über Monate oder gar Jahre hinziehen werde. Laut der Zeitung sollen GM und der ebenfalls notleidende Wettbewerber Chrysler notfalls in "gute" und "schlechte" Unternehmensteile zerschlagen werden.
GM bettelt in London
General Motors fordert laut einem Zeitungsbericht jetzt auch Hilfe von Großbritannien: Laut einem Artikel der "Financial Times" verlangt GM 600 Millionen Pfund (650 Millionen Euro), um die britische Opel-Schwester Vauxhall zu retten. Die "FT" beruft sich dabei auf einen führenden Gewerkschafter. "Wir haben mit der Regierung gesprochen", sagte ein Konzernvertreter der Zeitung. "Wir sind aber noch nicht an den Punkt gekommen, über Zahlen zu diskutieren." Vauxhall baut und vertreibt die Opel-Modelle auf der Insel. GM erhielt bislang in den USA 13,4 Milliarden Dollar Staatshilfen und will weitere 16,6 Milliarden Dollar von Washington haben.
Die Zeit für Saab läuft ab
Schwedens Regierung sieht derweil einen immer schärferen Zeitdruck für die Rettung der GM-Tochter Saab - das insolvente Unternehmen sucht einen Käufer. Wirtschaftsministerin Maud Olofsson sagte nach Gesprächen in Washington im Rundfunk, es sei "jetzt für alle sehr eilig". Das Unternehmen mit 4000 Beschäftigten verfügt nach eigenen Angaben noch über Finanzmittel für die Produktion bis Mai. Olofsson erklärte in der US-Hauptstadt, ein Käufer müsse spätestens zum Ende der von Präsident Barack Obama eingeräumten Frist von 60 Tagen für einen neuen GM-Sanierungsplan gefunden sein. Schwedens Regierung will Saab nur helfen, wenn neue Investoren einsteigen. Sie schließt eine staatliche Übernahme oder Beteiligung aus.