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Gerüchteküche lässt Aktienkurse heftig schwanken

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Gerüchteküche lässt Aktienkurse heftig schwanken

19.03.2008, 18:02 Uhr | dpa/ T-Online - mmr

Chart-Tafel (Foto: Katja Lenz) Chart-Tafel (Foto: Katja Lenz) Trotz der starken Leitzinssenkung in den USA, die die Folgen der Finanzkrise abmildern soll, fallen die meisten Aktienkurse am Mittwoch wieder. Diverse Gerüchte verunsichern die Börsianer. So brechen die Aktien der größten britischen Hypothekenbank HBOS am Mittwoch nach Gerüchten über Liquiditätsprobleme ein, reißen andere Papiere mit. Der DAX verliert zeitweise mehr als ein Prozent, steigt wieder ins Plus, um am Ende dann doch mit Verlusten in den Feierabend zu gehen. Obwohl die Briten-Bank die Spekulationen nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA vehement zurückwies, erholte sich der Kurs von HBOS (Halifax Bank of Scotland) nicht wesentlich. Zeitweise betrugen die Verluste 20 Prozent.

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Sehr nervöser Börsenhandel
Händler verwiesen darauf, dass die Spekulationen die Nervosität um die negativen Auswirkungen der Finanzkrise wieder entfacht hätten. "Die Unsicherheit ist wieder hoch", sagte ein Börsianer. Am Mittag verbuchte die HBOS-Aktie beim Stand von 430 Pence ein Minus von 10,3 Prozent. Der Londoner Aktienindex FTSE 100 verlor gleichzeitig rund ein Prozent auf 5549 Punkte. Im Frankfurter Handel notierte der britische Blue Chip zeitweise bei 5,52 Euro - ein Minus zum Vortag von gut 12 Prozent, erholte sich später auf 5,79 Euro. "Jede schlechte Nachricht wird aufgebauscht, wenn die Märkte so stark fallen, und jeder springt auf das Trittbrett auf", sagte CMC-Markanalyst James Hughes.

Absage der Notenbank-Ferien dementiert
Zuvor war spekuliert worden, dass sich die Hypothekenbank bei der Bank of England frisches Geld besorgen wollte und dass Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der Englischen Notenbank ihre freien Tage deshalb über Ostern absagen hätten müssen. "Dieses Gerücht ist absoluter Blödsinn", sagte ein Sprecher der Notenbank.

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Bank dementiert Liquiditätsprobleme
HBOS sei eines der stärksten Finanzinstitute der Welt mit einer der stärksten Bilanzen, betonte ein HBOS-Sprecher. Die Bank habe Zugang zu Kundeneinlagen und sei eine der am meisten respektierten Banken im Großkundengeschäft.

Finanzaufsicht prüft Gerüchte
Nach dem Einbruch der Aktie von Großbritanniens größter Hypothekenbank will die britische Finanzaufsicht gegen möglicherweise absichtlich gestreute falsche Gerüchte vorgehen. Die Aufsicht werde nicht dulden, dass Händler Spekulationen streuten und somit die Krise am Finanzmarkt ausnutzten, warnte die Financial Services Authority (FSA) am Nachmittag in London. "Es gab in den vergangenen Tagen an der Londoner Börse eine Serie komplett unbegründeter Gerüchte über britische Finanzinstitute, von denen manche von Baisse-Spekulationen begleitet waren", sagte Sally Dewar, Vorstandsmitglied der FSA, ohne sich auf ein konkretes Institut zu beziehen.

Studie: Risiken bereits eingepreist
Zuvor hatte sich SG Securities in einer aktuellen Studie zu den britischen Banken geäußert. Darin hieß es, dass die Sorgen über die Situation in dem Sektor nach dem Kollaps der US-Investmentbank Bear Stearns zugenommen hätten. Mit Blick auf HBOS schrieben die Analysten allerdings, dass der Markt den Gegenwind, den die Bank zu spüren bekommen habe, bereits eingepreist seien. HBOS sei nicht so stark im Interbankenmarkt engagiert, wie manche Marktteilnehmer annähmen. Die Aktien seien zudem überverkauft.

Weitere Spekulationen: Island in Not
Die Börsengerüchte um HBOS sind nicht die einzigen. Andere Stimmen munkeln, dass für die Schweizer Großbank UBS ein Stützungspaket geschnürt werden muss. Die UBS-Aktie verteidigt unterdessen ihr Vortagsniveau. Und noch ein weiteres, exotisch anmutendes Gerücht - aber nicht undenkbar: In Island seien alle drei Großbanken in Not geraten und könnten den ganzen Staat in die Pleite ziehen. Bestätigt wurde keine der Mutmaßungen.

Riesige Volatilität bei Bank-Aktien
In den vergangenen Tagen sorgten wiederholt Meldungen über Liquiditätsprobleme für große Unruhe - und Börsenkurs-Bewegungen. Zunächst war Bear Stearns faktisch in die Pleite gerutscht und musste von J.P. Morgan übernommen werden. Dann sorgten Gerüchte um Lehman Brothers dafür, dass die US-Bank erst um fast 20 Prozent einbrach, um nach Vorlage der besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen um sagenhafte 45 Prozent wieder hochzuschnellen. Auch bei der weltgrößten Investment-Bank Goldman Sachs bestätigten sich die Horror-Gerüchte nicht, sorgten aber dennoch für riesige Kursschwankungen.

Große Nervosität
Ausdruck der aktuell hohen Nervosität an den Börsen war zu Wochenbeginn auch die Bewegung der Siemens-Aktie. Das neben E.ON größte DAX-Schwergewicht verlor an einem Tag zeitweise 17 Prozent an Wert, um tags darauf wieder um sechs Prozent zuzulegen.

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