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Geschäftsidee in Berlin: Wie ein Mann die Mauer zu Geld macht

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Wie ein Mann die Mauer zu Geld macht

29.12.2010, 15:21 Uhr | Spiegel Online, Martin U. Müller

Verkauf von Berliner Mauer-Steinen in einem Souvenirshop. (Foto: imago)

Verkauf von Berliner Mauer-Steinen in einem Souvenirshop. (Foto: imago)

Volker Pawlowski verdient mit Beton ein kleines Vermögen - der ehemalige Bauarbeiter beherrscht das Geschäft mit Resten der Berliner Mauer. Als Quasi-Monopolist macht er gute Umsätze, auch wenn er seine Kunden nicht wirklich versteht: "Keine Ahnung, weshalb die Menschen sich das kaufen."

Mauerteile für Souvenir-Shops in Berlin

Vielen hat die Berliner Mauer zu Zeiten der DDR die Zukunft verbaut. Volker Pawlowski verdankt ihr dagegen seine eigene, denn der 53-Jährige lebt gut von ihren brüchigen Resten. Inzwischen ist er so eine Art Mauer-Monopolist. Er handelt mit den L-förmigen Original-Betonelementen, zerkleinert Blöcke in Tausende von kleinen Brocken, klebt sie auf Kunstharz, tütet sie ein, und verkauft sie an die Souvenir-Shops der Stadt. Besonders stolz ist er auf sein Postkartenpatent: In einer kleinen Dose, die in die Ansichtskarte eingelassen ist, liegt ein buntes Bruchstück.

Pawlowski residiert in einem Büro in Berlin-Reinickendorf, unweit der Landebahn des Flughafens Tegel. Über seinen Flachbau donnern alle paar Minuten Flugzeuge, vor ihm auf dem Tisch liegen Fotos, die ihn auf Recycling-Höfen im Berliner Umland zeigen, neben Mauersegmenten des Typs "Stützwandelement UL 12.41", 3,60 Meter hoch, 1,20 Meter breit, knapp drei Tonnen schwer.

Mauerstücke mit dem Presslufthammer verkleinert

"Die Mauer ist damals abgerissen worden, und es hat sich keiner dafür interessiert, was dann damit passiert", sagt Pawlowski, dem dann eine geniale Idee kam. Er hatte beobachtet, wie Mauerspechte mit Hammer und Meißel, gelegentlich auch mit Schlagbohrmaschinen, den Beton abpickelten. Fliegende Händler machten in den Monaten nach dem Mauerfall ein riesiges Geschäft.

Irgendwann fragte er mal einen befreundeten Lastwagenfahrer, wohin er die Mauerteile eigentlich bringen würde - und fuhr hinterher auf einen Recyclinghof in Brandenburg. Pawlowski war nicht der einzige, der auf diese Idee kam. Aber er war der Einzige, der den Arbeitern ein Frühstück mitbrachte und ihre Sprache sprach. Daraufhin verwahrten sie ihm in einer abgelegenen Ecke Mauersegmente. Ein paar davon habe er noch vor Ort verkleinert. Mit einem Presslufthammer und "mit einiger Übung" dauere das rund eine Stunde pro Segment. Der Rest lagert seitdem auf einem Grundstück in Bernau.

Genug Mauer für die nächsten hundert Jahre

Schon kurze Zeit später begann der Handel mit den Mauerresten zu boomen. Pawlowski kündigte seinen Job auf dem Bau. Zu den meisten seiner Mauerstücke liefert er heute auch ein Echtheitszertifikat. Die haben zwar eher den Charme einer Phantasieurkunde. Aber er habe schließlich einen Ruf zu verlieren. "Warum sollte man Fälschungen in Umlauf bringen?" Rund 45.000 Mauerelemente wurden in Berlin verbaut. "Es gibt so viel Mauer. Das reicht für die nächsten hundert Jahre."

Steine werden nachgefärbt

Egal ob Brocken oder ganze Segmente, ob die Käufer aus den USA oder China kommen, die Mauer-Mode ist speziell: Bunt müssen die Stücke sein. Für die Farbe sorgt meist ein Freund von Pawlowskis Tochter Natascha, ein Beamter. "Als die Mauer noch stand, ist sie unzählige Male übersprüht worden. Niemand würde solche Stücke heute haben wollen, denn die Farbe bröckelt schlicht ab." Also wird nachgefärbt.

Eine Tüte Mini-Bruchstücke für 90 Cent

359 Ost-Mark musste einst die DDR-Regierung für ein Segment der Berliner Mauer ausgeben, später waren es über 800 Mark. Heute verlangt der Chef für so einen Koloss rund 4000 Euro, manchmal auch mehr. Eine Tüte mit Mini-Bruchstücken gibt's für 90 Cent. Pawlowski hat einen Porsche, trägt eine schicke Designertasche und beschäftigt mehrere Mitarbeiter. Selbst Berliner Luxushotels beliefert er mit Mauerstücken für die Minibar. Und manchmal verleiht er komplette Segmente für Partys des TV-Senders MTV oder für Filmproduktionen in Babelsberg.

"Das ist doch nur ein Staubfänger"

"Keine Ahnung, weshalb die Menschen sich das kaufen", wundert sich Pawlowski selbst. Der Verkauf der Mauerreste sei "ein Geschäft mit dem Augenblick" ohne "logischen Sinn". Er selbst hat kein einziges Stück zu Hause herumstehen. "Das ist doch nur ein Staubfänger."


Quelle: Spiegel Online

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