22.02.2010, 14:43 Uhr | Christiane Raatz, dpa / t-online.de/business
Johannes Gerhardt ist Inhaber des kleinsten kommerziellen Kinos der Welt. (Foto: Ralf Hirschberger dpa/lsn)
Geschäftsideen müssen nicht immer groß sein, um Erfolg zu haben. Der Beweis: das "Palastkino" in Radebeul bei Dresden, das kleinste kommerzielle Filmtheater der Welt. Mit seinem Mini-Kino zum Mieten, in dem keine nervige Werbung den Filmspaß trübt, hat Johannes Gerhardt ins Schwarze getroffen. Und die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte ist noch für dieses Jahr geplant.
Ein schmaler dunkler Raum, neun Kinosessel und eine sechs Quadratmeter große Leinwand: So klein es ist - nachhaltigen Ruhm hat sich Gerhardts "Palastkino" bereits gesichert, und das ganz offiziell. "Seit 2006 sind wir im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet", sagt der stolze Betreiber des Mini-Lichtspielhauses. Damals hatte der gebürtige Radebeuler die Idee, sein eigenes Kino zu eröffnen und zog in den alten Bahnhof Radebeul-West, der schon seit langem leer stand, und nach und nach verfiel.
Eine reine "Spaßidee" sei es zunächst gewesen. "Ganz einfach weil mich am Kino immer das Große, Laute und vor allem die Werbung gestört hat", erzählt der 31-Jährige. Nach einiger Zeit kamen immer mehr Anfragen und so machte sich der Angestellte und Hobby-DJ selbstständig - mit Erfolg. Öffentliche Filmvorführungen gibt es aber nicht - wer das kleinste Kino der Welt besuchen möchte, muss es mieten. Das kostet für zwei Stunden 25 Euro, inklusive Wunschfilm und Lasershow. "Das ist doch wie in Hollywood, hier kann man sich sein Privatkino einfach mieten", erklärt Gerhardt.
Trotz der geringen Zahl der Plätze soll in Radebeul richtige Kino-Atmosphäre aufkommen. Beamer und Surround-System sind auf dem neuesten technischen Stand, auch 3D-Kino gibt es zu sehen. Mehr als 1500 Filme hat Johannes Gerhardt zur Auswahl, dabei achtet er auf "alte Werte", wie er sagt: Weniger Hollywood-Blockbuster, dafür mehr Doku- und Historienfilme. Auch DDR-Klassiker wie "Spur der Steine" oder Kinderfilme wie "Ronja Räubertochter" und "BMX-Bande" werden immer wieder nachgefragt. Vor allem für Kindergeburtstage wird das "Palastkino" gebucht.
Weil Gerhardt ein Rekord aber nicht genug ist, strebt er schon den nächsten Superlativ an - die größte Wodka-Bar der Welt. Die Anfrage beim Guinness-Buch läuft, derzeit prüft die Redaktion, ob die 1500 verschiedenen Wodka-Sorten und 500 verschiedene Whiskey-Sorten für einen Eintrag reichen. Inoffiziell habe er die Zusage schon, zeigt sich Gerhardt optimistisch. In der nächsten Ausgabe, die im März erscheint, soll seine Wodka-Bar auch offiziell die weltweit größte sein.
Das Kino-Konzept ist so erfolgreich, dass Gerhardt jetzt per Franchise-Modell expandieren will. 20 weitere Mini-Kinos sollen 2010 bundesweit eröffnet werden, Verträge für Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main sind bereits unterschrieben. Insgesamt hat der Sachse mehr als 2000 Anfragen von Kinofans aus der ganzen Welt bekommen. "Darunter sogar Post aus Neuseeland und von einem deutschen Geschäftsmann aus Tokio", erzählt Gerhardt. Meist seien es deutsche Auswanderer, die vom kleinsten Kino der Welt im Guinness-Buch gelesen oder von Bekannten gehört haben.
Ein Startkapital von rund 20.000 Euro müssen die Franchise-Nehmer allerdings mitbringen, um ein Mini-Kino nach Radebeuler Vorbild zu eröffnen. Noch wichtiger ist Johannes Gerhardt aber der Spaß am Filmschauen - und die Liebe zum Kino.
Christiane Raatz, dpa / t-online.de/business
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