Georg Funke sieht sich als Opfer (Foto: imago)Der ehemalige Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke hat Vorwürfe des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff als "Stammtischparolen" zurückweisen lassen. Funke werde zum Sündenbock gemacht, sei aber eher ein "Opfer der internationalen Finanzkrise", sagte Funkes Anwalt Wolfgang Kreuzer der "Süddeutschen Zeitung". Wulff hatte unter anderem den Einzug von Funkes Privatvermögen gefordert.
Wulff hatte Funke strafbares "Zockertum" vorgeworfen und die Justiz aufgefordert, sein Privatvermögen sicherzustellen und den Exmanagern Reisen zu verbieten. "Wir wehren uns gegen eine Vorverurteilung", sagte Funkes Anwalt. Der CDU-Politiker sei "weder sachlich noch juristisch auch nur ansatzweise informiert" und mische sich mit populistischen Forderungen in laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ein. Es fehle eigentlich nur noch der Ruf nach Folter, erläuterte Kreuzer.
Funke klagt - Staatsanwalt ermittelt
Der 55jährige Funke war im Oktober als Vorstandschef zurückgetreten und hat die HRE inzwischen auf Nachzahlung offenstehender Gehälter verklagt. Zugleich ermittelt die Münchner Justiz wegen Verdachts der Untreue und Falschinformation gegen Funke und andere ehemalige Spitzenmanager der Bank, die mit Finanzhilfen von bislang 102 Milliarden Euro vom Bund und anderen Banken vor der Pleite bewahrt wird.
Bund bereitet Verstaatlichung vor
Um die HRE und damit das deutsche Bankensystem zu retten, hat die Bundesregierung ein Enteignungsgesetz beschlossen. Dazu wird der Finanzausschuss des Bundestags am 18. März auch den HRE-Großaktionär Christopher Flowers anhören, wie der FDP-Abgeordnete Volker Wissing der "Financial Times Deutschland" sagte. Flowers habe zugesagt, neben Bundesverfassungsgerichts-Präsident Hans-Jürgen Papier an der Expertenanhörung teilzunehmen. Die Bundesregierung will ihre Hilfen mit Übernahme der Mehrheit an der Bank absichern und Flowers und die anderen Aktionäre notfalls auch enteignen. Flowers hat Klagen dagegen nicht ausgeschlossen.