15.06.2011, 13:45 Uhr | t-online.de/business, sia
Eine schlechte Bezahlung kann Herzprobleme verursachen. (Foto: Archiv)
Wer glaubt, nicht ausreichend bezahlt zu werden, dessen Motivation, Leistung und Engagement sinken bekanntlich - oft ist "Dienst nach Vorschrift" die Folge. Jetzt aber hat eine Studie ergeben, dass ungerechte Löhne zudem der Gesundheit schaden, genauer: dem Herzen. Das fand eine Forschergruppe um den Bonner Ökonomen Armin Falk und den Soziologen Johannes Siegrist aus Düsseldorf heraus. Wir erklären Ihnen, was dahinter steckt.
„Menschen, die ihre Bezahlung als unfair empfinden, geraten schnell unter Stress“, erklärt Falk. „Außerdem leiden sie eher unter Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Depressionen“, betont der Experte. Der Ökonom hatte mit Hilfe eines Experiments untersucht, wie sich das Gefühl von Ungerechtigkeit auf die Gesundheit auswirkt.
Außerdem hatte Falk Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Für sein Experiment teilte er 80 Studierende in zweiköpfige Teams ein, die aus Chef und Arbeiter bestanden. Die Arbeiter erhielten Blätter mit Nullen und Einsen und die Aufgabe, 25 Minuten lang die Nullen zu zählen. Währenddessen durften sich die Chefs entspannen.
Je mehr Zahlen die Arbeiter addierten, desto mehr Geld erwirtschaftete das Team. Danach teilten die Chefs den Gewinn nach ihren eigenen Vorstellungen auf. In der Regel bedachten sie dabei die Arbeiter mit einem geringeren Gewinnanteil als die erwartet hatten.
Diese Ungerechtigkeit versetzte die Arbeiter in Stress, den die Wissenschaftler anhand der Herzfrequenz messen konnten: Je stärker die Bezahlung von der Summe abwich, die die Arbeiter als angemessenen Lohn ansahen, desto weniger variierte ihre Herzfrequenz. Die Herzfrequenzvariabilität gibt an, wie sehr die Dauer zwischen den Herzschlagintervallen schwankt.
Generell sprechen größere Schwankungen für eine höhere Fähigkeit des Organismus, sich zu regulieren und damit für eine stärkere Lebensenergie. „Wenn das Gefühl von Ungerechtigkeit die Varianz der Herzfrequenz auf Dauer beeinflusst, kann sich das negativ auf die Gesundheit auswirken“, erläutert Armin Falk. Eine verringerte Herzfrequenz sei zum Beispiel ein frühes Zeichen für Herzerkrankungen.
Die Auswertung der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) bestätigte Falks These. Die Befragten dieser Langzeitstudie, die ihr Einkommen als unfair empfanden, bewerteten ihren Gesundheitszustand schlechter als die anderen Studienteilnehmer. Außerdem litten sie deutlich häufiger unter Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Depressionen.
Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland und wird unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Angesiedelt ist das SOEP am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
Für das SOEP befragt das Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung jedes Jahr mehr als 20.000 Menschen in rund 11.000 Haushalten. Die so erhobenen Daten geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit.
Quelle: T-Online
Mucher schrieb:
am 11. August 2011 um 21:59:03
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Ungerechte Bezahlung macht krank
Das passt doch genau ins Konzept der deutschen Arbeitgeber. Mitarbeiter krank gearbeitet = entlassen und
neuen frischen "jungen" einstellen, auch wenn der keine Ahnung hat, egal wird schon irgendwie klappen. Armes Deutschland !!!
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