07.02.2008, 13:20 Uhr | AFP, dpa-AFX/ T-Online
Pflegepersonal bei einer Besprechung (Foto: ddp) Ungeachtet der politischen Reformbemühungen droht den Krankenhäusern in Deutschland ein Defizit in Milliardenhöhe. Den rund 2100 Kliniken droht binnen zwei Jahren ein Finanzloch von drei Milliarden Euro. Tausende Arbeitsplätze könnten im ungünstigsten Fall bedroht sein.
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Lohnrunden mit katastrophale Auswirkungen
Allein 2008 würden 2,2 Milliarden Euro fehlen, wenn sich die Gewerkschaften Marburger Bund und Ver.di in den gegenwärtigen Lohnrunden mit ihren Forderungen durchsetzen, heißt es in einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Nachdem bereits das Jahr 2007 mit einem Milliardendefizit für die Krankenhäuser zu Ende ging, baue sich für viele Einrichtungen jetzt eine fast ausweglose Situation auf, so die Studie weiter.
Existenzbedrohende Situation für viele Kliniken
Der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG), Georg Baum, warnte vor einer existenzvernichtenden Situation für viele Häuser. Das Defizit entspreche im ungünstigsten Fall dem Finanzbedarf von 40.000 Klinikärzten oder 66.000 Pflegekräften. Alleine im letzten Jahr seien über 15.000 Arbeitsplätze in deutschen Kliniken abgebaut worden, berichtete die DKG. Besonders in der Pflege sei ein starker Rückgang erkennbar. Auch für 2008 drohen weitere Entlassungen, berechnet die Gesellschaft.
Problem: Weitergabe der Kostensteigerung
Gänzlich unverständlich sei die Forderung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt nach höheren Löhnen für Schwestern und Pfleger. Die Bundesregierung selbst entziehe den Krankenhäusern mit der Sanierungsabgabe rund 300 Millionen Euro, die den Mitarbeitern nicht mehr zur Verfügung gestellt werden können. Während und nach den Tarifverhandlungen der Deutschen Bahn – einem Staatsunternehmen – hat es selbstverständlich Ankündigungen zu Erhöhungen der Fahrpreise gegeben. Die Krankenhäuser fordern, dass sie wie andere Wirtschaftszweige Kostensteigerungen in ihre Vergütungen weiter geben können. Dies ist angesichts einer gesetzlich begrenzten Preiserhöhung nicht einmal ansatzweise möglich. Selbst ohne Tariferhöhungen bewegt sich diese Steigerungsrate weit unter der Inflationsrate in Deutschland.
AFP, dpa-AFX/ T-Online
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