24.05.2008, 09:28 Uhr | Financial Times Deutschland
Seifenblase: Gibt es auch eine Spekulationsblase beim Öl? (Foto: imago) Einst war die Welt für die Ölanalysten noch überschaubar. Sie beschränkte sich auf Angebot und Nachfrage, woraus sich Preisprognosen ableiten ließen. Doch seitdem der Ölpreis Rekord um Rekord bricht, muss sich die Zunft mit dem Einfluss der Finanzinvestoren auseinandersetzen - eine äußerst schwierige Aufgabe. #
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Wer hat Schuld an den hohen Ölpreisen
Michael Masters hatte diese Woche vor dem US-Senat seinen großen Auftritt. Der Gründer der Vermögensverwaltung Masters Capital Management legte seine Sicht der Dinge dar, wer Schuld an den hohen Ölpreisen hat: Spekulanten und besonders Indexinvestoren. Letztere bilden Rohstoffindizes wie den S&P GSCI nach und legen ihr Geld passiv in den Rohstoffmärkten an. Das heißt sie halten Kaufpositionen, die sie am Laufzeitende eines Kontrakts in den nächsten rollieren.
Kontrolle über riesige Mengen
"Im März 2008 belief sich deren Engagement auf 260 Milliarden US-Dollar. Das bedeutet, dass sie 1,1 Milliarden Fässer Öl kontrollieren. Das ist achtmal so viel als die Vereinigten Staaten in den vergangenen fünf Jahren in die strategischen Reserven geleitet haben", teilte Masters den verdutzten Senatoren mit. Masters' Forderung: Indexinvestments müssen regulatorisch begrenzt werden. Ein Vorschlag, den Senator Joseph Liebermann, einflussreicher Demokrat aus Connecticut, aufgriff und jetzt prüfen lässt.
Kampf der Denkschulen
Seitdem sich der Ölpreis auf Jahressicht mehr als verdoppelt hat und in der Spitze auf 135 Dollar gestiegen ist, findet unter den Experten ein Kampf statt: Ist die Rally fundamental gerechtfertigt oder stecken dahinter die Spekulanten? Die Beweisführung ist auf beiden Seiten schwierig: Vertreter der fundamentalen Angebots-und-Nachfrage-Theorie tun sich schwer damit zu erklären, warum vor dem Hintergrund sich eintrübender Wachstumsperspektiven der Weltwirtschaft und eines aktuell hohen Ölangebots die Preise von Rekord zu Rekord jagen. Vertreter der Blasentheorie wiederum haben ihrerseits Probleme. Einmal mit dem Datenmaterial - und dann mit dessen Interpretation.
Blasen-Theorie nur "Kult"?
Kevin Norrish, Ölexperte von Barclays Capital, ist überzeugt, dass die Rally gerechtfertigt ist. Er hält nicht viel von den Bubble-Apologeten und bezeichnet diese Denkschule als "Kult". "Früher haben sich die Analysten mit Angebot und Nachfrage beschäftigt. Jetzt wendet sich die Aufmerksamkeit der Analyse von spekulativen Zuflüssen in den Rohstoffsektor zu", sagt Norrish. "Je wilder und höher die Zahl, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Medien aufspringen und von Rohstoffen als die nächste große Blase sprechen."
Übersicht-
Schlechte Datenlage zur Rolle der Finanzinvestoren
Barclays Capital hat sich mit dem Vortrag von Masters vor dem Senat auseinandergesetzt. Der Tenor: Allein schon die Zahlen stimmen nicht. Dazu muss man wissen, dass es keine offizielle Zahl für die Höhe der Indexpositionen in allen Rohstoffen gibt. Die US-Terminbörsenaufsicht CFTC veröffentlicht diese Positionen bisher nur für den Agrarsektor. Viele Analysten rechnen die Daten auf Basis der Gewichtung in den Indizes auf den gesamten Rohstoffmarkt hoch. "Das ist eine Abkürzung, die aus unserer Sicht falsch ist", schreiben die Barclays-Capital-Experten in einer Studie.
Wie viel Milliarden sind wohin geflossen?
Die Aktivität in Agrarrohstoffen sei schwankend und könne leicht das Gesamtengagement der Indexinvestoren unter- und überschätzen. Momentan wirke es überzeichnend, so die Barclays-Capital-Experten. Sie kommen auf Indexpositionen im ersten Quartal von nur 122 Milliarden Dollar. Von großen Zuflüssen dürfe man nicht sprechen: Im ersten Quartal hätten die Indexpositionen nur um 13 Milliarden Dollar zugenommen. Davon sei der größte Teil nicht durch Zuflüsse erklärbar, sondern durch den Anstieg des Ölpreises, so Barclays Capital.
Weiter zu Teil 2 des Artikels.
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Quelle: Financial Times Deutschland
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Die 58-jährige Gina Rinehart ist Bergbau-Unternehmerin. zum Video