26.08.2009, 17:06 Uhr | Sabine Maurer, dpa
Vor Freude in die Luft springen - auch im Alltag gibt es vieles, was glücklich machen kann. (Foto: Imago)
Freunde, ein Partner, soziale Anerkennung, genügend Bewegung, Schlaf und Gesundheit: Wer das alles hat, kann glücklich sein. Und fast die Hälfte aller Deutschen ist es auch. Das ergab jedenfalls eine im August veröffentlichte Umfrage des Marktforschungsinstituts gdp aus Hamburg. Als ihr schönstes Erlebnis nannten über ein Drittel der Befragten die Geburt ihres Kindes oder Enkelkindes. Auf Platz zwei der Glücksbringer folgten Freunde.
"Seit über 30 Jahren gibt es solche Studien, die Höhe des Anteils der glücklichen Deutschen ist immer der gleiche", sagt der Psychiater Prof. Manfred Spitzer von der Universitätsklinik in Ulm. Geändert hat sich jedoch die Wahrnehmung der Wissenschaftler. Seit den 90er Jahren beschäftigen sie sich erstmals intensiv mit positiven Gefühlen, zuvor standen eher Themen wie Wut, Angst und Depression im Fokus.
Langfristig glücklich machen eher die Dinge des Alltags, fanden sie heraus. Der Mensch ist gesellig, glücklich wird er vor allem durch andere Menschen. Ganz oben auf der Liste stehen Partner und Freunde, Kinder sind allerdings nicht unbedingt ein Glücksbringer. "Je mehr Kinder ein Paar hat, desto unglücklicher ist es", sagt die Soziologin Hilke Brockmann von der Jacobs University in Bremen. Ein Quell des Glücks ist die Religion - sie gibt Sinn und Vertrauen.
Gut geht es in der Regel den meisten Menschen im Jugend- und frühen Erwachsenenalter sowie den sogenannten jungen Alten. Von etwa 16 bis 29 Jahren haben die meisten zwar wenig Geld, aber dafür umso mehr Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten. Letzteres kommt im Rentenalter wieder - wer Glück hat, bekommt dazu auch noch eine gute Rente. In den Jahrzehnten zwischen Ausbildung und Rente kümmern sich die meisten um Job und Familie. Beides kann glücklich machen, aber auch der sichere Weg ins Unglück sein.
Wer seinen Job oder Partner nicht mag, tut sich im mittleren Lebensalter viel schwerer mit einem Umbruch als noch mit Mitte 20. Ein solcher Schritt ist dann hoch riskant, das ganze Leben gerät dabei ins Wanken. Insgesamt ist in dieser Lebensphase die Belastung am höchsten, ein gutes Gehalt tröstet dabei nicht. Denn Geld allein macht nicht glücklich, das wissen Volksmund und Wissenschaftler schon lang. Allerdings macht zu wenig Geld unglücklich, die Grundbedürfnisse müssen schon gedeckt sein. "Aber an ein gutes Gehalt gewöhnt man sich schnell", sagt Brockmann.
"Das" Glück gibt es nach Ansicht von Arzt und Bestseller-Autor Eckart von Hirschhausen ohnehin nicht. In seinem Buch "Glück kommt selten allein..." unterteilt der Arzt und Bestsellerautor gleich fünf Arten des Glücks: das Glück der Gemeinschaft, des Zufalls, des Moments, der Selbstüberwindung und der Fülle. Außerdem lautet sein Tipp: "Sich nicht so viel um sich selber kümmern." Menschen brauchen Menschen - ist der andere glücklich, geht es einem selbst auch gleich besser.
Genauso wenig gibt es von Wissenschaftlern das universelle Glücksrezept - jedoch viele kleine, eigentlich recht banale Tipps für den Alltag: ausreichend schlafen und sich bewegen, sich um andere Menschen kümmern, nicht nur körperlich, sondern auch geistig präsent sein. Außerdem sind Extrovertierte glücklicher als Introvertierte - wer selbstbewusst durchs Leben geht, hat mehr davon. Wer sich dagegen ständig mit scheinbar Besseren vergleicht, läuft schnurstracks in Richtung schlechtes Gefühl.
"Außerdem ist nicht derjenige am glücklichsten, der am wenigsten Unglück hat", sagt Torsten Passie, Psychiater an der Medizinischen Hochschule in Hannover. Er rät dazu, stets auch die positive Seite eines Geschehens zu sehen. Die gibt es fast immer, wenn auch nicht unbedingt auf den ersten Blick. "Ohne Unglück gibt es kein Glück", sagt auch die Soziologin Brockmann. So können negative Gefühle darauf hinweisen, dass im eigenen Leben etwas nicht stimmt. Ohne sie würde niemand sein Leben ändern und damit auch nicht glücklich werden.
Das Glück ist aber immer nur ein Gast auf Zeit, es wird von der Gewöhnung vertrieben. "Man gewöhnt sich an die neuen Annehmlichkeiten, die einen dann langfristig nicht glücklicher machen", erklärt Spitzer. Allerdings hat die Gewöhnung auch etwas Gutes, nämlich bei schlimmen Ereignissen. Menschen, die nach einem Unfall nicht mehr laufen können, sind zwei Jahre später in etwa genauso glücklich und zufrieden wie vor dem Unfall. Die Gewöhnung funktioniert auch andersherum: Zwei Jahre nach einem Lottogewinn geht es den "glücklichen Gewinnern" genau so gut oder schlecht wie zuvor. "Wir erinnern uns zwar mehr an dramatische Ereignisse als an kleine Gegebenheiten. Aber für unser Glück sind die kleinen Dinge viel relevanter", sagt von Hirschhausen.
Doch auch in Sachen Glück neigen Menschen zur Verzerrung der Tatsachen. Viele sind überzeugt, dass sie früher glücklicher waren und in Zukunft viel glücklicher wären, wenn sie nur dieses oder jenes erreichen würden. Dabei ist der einzige Moment zum Glücklichsein die Gegenwart. "Sie können wir gestalten", sagt Passie. Aber die meisten sind viel zu selten mit ihren Gedanken im Hier und Jetzt.
Quelle: T-Online
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