Chevrolet Malibus warten auf Käufer - GM schließt Insolvenz nicht aus (Foto: Reuters)Der neue GM-Chef Fritz Henderson redet Klartext: Der krisengeschüttelte US-Autobauer General Motors (GM) schließt zu seiner Sanierung eine geordnete Insolvenz nicht aus. Für eine erfolgreiche Restrukturierung werde der Konzern im Zweifel jeden nötigen Schritt gehen. Das könne auch ein Verfahren unter gerichtlicher Aufsicht beinhalten, teilte die Opel-Mutter am Sitz in Detroit im US-Bundesstaat Michigan mit. Mit der Insolvenz-Drohung versucht die GM-Führung, die widerspenstigen Interessensgruppen zu bändigen. Unterdessen wartet die deutsche Konzerntochter Opel weiter auf Klarheit.
Klare Präferenz habe aber eine Sanierung ohne Insolvenzgericht. Über eine geordnete Insolvenz (Chapter 11) können US-Unternehmen für einen Neustart Ballast abwerfen. Der am Montag ernannte neue GM-Chef Fritz Henderson kündigte an, der Konzern werde "rund um die Uhr" an der Erfüllung der Forderungen der Regierung für weitere Milliardenhilfen arbeiten. "Die Straße vor uns ist holprig, aber wir teilen das Ziel eines schlankeren, stärkeren und überlebensfähigen GM-Konzerns", sagte Henderson in einer Telefonschaltung mit Journalisten. Und weiter: "Wir müssen mehr tun und wir müssen es schneller tun.“
Sperrige Interessensgruppen
Unklar ist, inwieweit die US-Regierung und das Management die Drohung mit der Insolvenz als Druckmittel benutzen, um die verschiedenen Interessensgruppen zu einer Einigung zu zwingen. Bei einer Insolvenz müsste GM die meisten offenen Forderungen an den Konzern nicht mehr begleichen. Eines der größten Hindernisse in der Sanierung von GM ist der Anteil der ausstehenden Unternehmensanleihen: Eine Gruppe von Geldgebern, die zusammen 27,5 Milliarden Dollar in Bonds halten, sperrt sich gegen eine Umwandlung der Anleihen in Aktien und die damit einher gehende Zahlung von Geldern an den GM-Gesundheitsfonds. Auch die Gewerkschaften sperren sich gegen Zugeständnisse.
Obama will Opfer von allen
US-Präsident Barack Obama hat bereits entsprechende Forderungen an GM und auch an den ebenfalls taumelnden Autokonzern Chrysler gestellt. Die Regierung werde "von allen beteiligten Parteien eine Reihe Opfer verlangen: Management, Arbeitnehmer, Aktionäre, Gläubiger, Zulieferer und Händler - alle müssen an den Verhandlungstisch kommen." Nur ein klares Bekenntnis zu einer drastischen Umstrukturierung könne eine bessere Zukunft für die Konzerne garantieren, sagte Obama dem Fernsehsender CBS.
Absatzzahlen von GM (Quelle: dpa)
Washington lässt GM und Chrysler auflaufen
Die Regierung von US-Präsident Barack Obama lehnte am Wochenende die Sanierungspläne der vom Bankrott bedrohten Autobauer General Motors und Chrysler ab. Der bisherige GM-Chef Rick Wagoner musste daraufhin seinen Hut nehmen. Obama stellte GM ein Ultimatum von 60 Tagen, um einen tragfähigen Sanierungsplan vorzulegen. Chrysler soll noch 30 Tage Zeit und Geld bekommen. Erst dann entscheide er über weitere Finanzspritzen. Weder GM noch Chrysler hätten einen belastbaren Plan vorgelegt, der weitere Milliarden Dollar Steuergelder wert sei, erklärten ranghohe Beamte der Regierung. Die Regierung will für die kommenden 60 Tage ein Team nach Detroit schicken, das die Verhandlungen zur Umstrukturierung begleiten soll.
Für die mehr als 25.000 Opel-Beschäftigten bedeutet der neue Aufschub an GM eine Verlängerung der der monatelangen Hängepartie, denn die Bundesregierung will zunächst die Entwicklung in den USA abwarten. Unterdessen forderten IG-Metall und Opel-Betriebsrat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) anlässlich ihres Besuches in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim ein klares Bekenntnis zur Rettung des Autobauers. Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz forderte von Merkel einen Strategiewechsel im Umgang mit den USA: Die Bundesregierung solle nicht länger auf Entscheidungen in den Vereinigten Staaten zur Opel-Mutter General Motors warten.
Chrysler nur mit Fiat überlebensfähig?
Bei Chrysler fällt das Urteil in Washington noch deutlicher aus, als bei GM: Die Regierung geht davon aus, dass Chrysler alleine nicht überlebensfähig ist. Chrysler soll bis zu sechs Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) erhalten, verbunden mit der Auflage, die Partnerschaft mit dem italienischen Autobauer Fiat in den nächsten 30 Tagen in trockene Tücher zu bekommen. Im Gespräch war bislang, dass Fiat im Gegenzug für einen weitgehenden Technologietransfer einen Anteil von 35 Prozent an dem US-Autobauer erhält. Sollten die Verhandlungen scheitern, werde es keine weitere Finanzierung geben, hieß es in Washington.