Inflationsangst treibt den Goldpreis (Foto: dpa)Die Revolution in der arabischen Welt hat den Goldpreis auf ein neues Allzeithoch geschoben. Aus Angst vor einer Kappung der Ölversorgung flammte die Inflationsangst auf und hievte den Wert einer Feinunze Gold in der Nacht zum Mittwoch zunächst auf knapp 1435 Dollar. Am Mittwoch setzte sich der Preisanstieg auf neue Allzeithöhen bei 1440 Dollar fort. In Euro gerechnet stieg Gold auf ein Sieben-Wochen-Hoch bei 1040 Euro je Feinunze. Silber erreichte mit 35 Dollar den höchsten Wert seit 1980. Derzeit schüre die Krise in Nahost die Unsicherheit – und dies sorge vor allem bei den Kleinanlegern für verstärkte Käufe von Edelmetallen, erläuterte Analyst Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg im Gespräch mit t-online.de.
Dieser Trend mache sich vor allem bei Silber bemerkbar, urteilte Proettel: In den USA und in Europa suchten Kleinanleger das weiße Metall als günstige Alternative für Gold. Viele Käufer wollten Silber als Notgroschen für den Kauf von Brot beim Bäcker halten. Bei den großen Investoren wie den börsengehandelten Siberfonds sei die Nachfrage dagegen eher rückläufig. Wegen der Kleinanleger-Hausse gebe es bei Silber ein Rückschlagspotenzial bis 29 Dollar. Zum Jahresende sieht Proettel aber ein Kursziel von 34 Dollar je Feinunze.
Anleger aus Asien kaufen Gold
Bei Gold ergibt sich laut dem LBBW-Experten ein ähnliches Bild: Großanleger hätten die aktuelle Krise schon abgehakt, daher sei die Nachfrage von Fonds rückläufig. Allerdings gebe es hier eine Sonderstory: Zurzeit stütze vor allem die Nachfrage aus den Schwellenländern die Nachfrage, auch hier kauften vor allem die Kleinanleger.
Inflation in Asien
Denn während im Westen nur die Angst vor der Teuerung vorherrsche, spürten die Menschen in den Emerging Markets die anziehenden Preise für Lebensmittel und Erdöl schon am eigenen Leib, erläuterte der Analyst. Daher kauften vor allem die Anleger in China und in Indien verstärkt Goldbarren und Münzen. Sein Kursziel für Gold benannte Proettel mit 1500 Dollar zum Jahresende.
Den Ansturm auf physisches Gold verdeutlichte nach Information der Analysten der Commerzbank eine Information der britischen Münzprägeanstalt: Diese hat im vierten Quartal 2010 mit über 35.000 Unzen doppelt soviel Gold zu Münzen verarbeitet wie noch im Quartal zuvor. Im Falle von Silber wurde die vierfache Menge verarbeitet.
Bernanke warnt vor der Inflation
Gerade hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke vor dem US-Kongress vor der Inflationsgefahr gewarnt. Die Krise in Libyen lässt seit Tagen den Ölpreis deutlich steigen (siehe WTI ). Dies könnte nach Ansicht von Bernanke zu einer Inflation führen und die wirtschaftliche Erholung abwürgen. Die Zinsen in den USA dürften daher noch für längere Zeit sehr niedrig bleiben, was dem Goldpreis laut den Experten der Commerzbank zusätzlich Auftrieb geben sollte. Gold gilt unter Anlegern als krisenfeste Anlage, da das Edelmetall genau wie Silber als Wertspeicher eine Entwertung des Papiergeldes auffängt.
Arabien im Umbruch
In Libyen verschärften sich derweil die Kämpfe zwischen Revolutionären und den loyalen Truppen. US-Außenministerin Hillary Clinton warnte vor einem langjährigen Bürgerkrieg in dem nordafrikanischen Land. Während die gesamte Region im Umbruch begriffen sei, werde eine starke und strategische Antwort der Vereinigten Staaten entscheidend sein. Die USA haben inzwischen eine Flotte vor der nordafrikanischen Küste zusammengezogen.