Findet sich kein Käufer, droht der Warenhauskette Karstadt die Zerschlagung (Foto: ddp)Die US-Bank Goldman Sachs prüft nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" die Übernahme der insolventen Warenhauskette Karstadt. "Wir schauen uns das sehr ernsthaft an. Aber es gibt noch keine Entscheidungen", zitiert das Blatt einen Manager der Bank.
Frist für Karstadt-Gebot endet Freitag
Schon am Freitag um 17 Uhr endet die Frist, bis zu der Interessenten ihre Kaufangebote für die 120 Karstadt-Warenhäuser mit den 25.000 Mitarbeitern bei Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg einreichen können. Der Sprecher von Görg, Thomas Schulz, wollte sich zu Namen von Interessenten nicht äußern. "Das kommentieren wir nicht." Zuletzt hatte er erklärt, es gebe sechs Interessenten. Noch gehört die Warenhauskette zum insolventen Mutterkonzern Arcandor.
Die Bank, die sich laut Bericht offiziell nicht äußern wollte, ist indirekt einer der größten Gläubiger sowie der Vermieter von Karstadt. Der Goldman-Fonds Highstreet hatte 2006 die Warenhaus-Immobilien gekauft und an die Kette zurückvermietet. Die Highstreet-Anteile hat die Bank inzwischen größtenteils an andere Investoren weiter verkauft. Die Anleger müssen wegen der Insolvenz jedoch auf Mieten in Millionenhöhe verzichten.
Goldman hofft auf andere Bieter
Dem Bericht zufolge will Goldman Sachs aber nur dann ein Angebot abgeben, wenn Görg keinen anderen Käufer findet, der die Kette als Ganzes erhält. So wolle die Bank die Mieteinnahmen für die Anteilseigner von Highstreet sicherstellen. Die Bank wolle Karstadt zunächst weitgehend komplett erhalten. Erst später würden nicht rentable Häuser geschlossen und alternativ genutzt. Am Ende stehe der Verkauf oder Börsengang. Auch ein Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Kaufhof, der bei der Muttergesellschaft Metro auf der Verkaufsliste steht, sei denkbar.
Zerschlagung von Karstadt auch möglich
Findet sich kein Käufer für das gesamte Unternehmen, wird Karstadt zerschlagen. In dem Fall dürfte der Insolvenzverwalter einzelne Filialen an Investoren verkaufen. Viele Karstadt-Häuser erwirtschaften aber keinen Gewinn, so dass sich die Käufer letztlich nur die Rosinenstücke herauspicken dürften. So interessiert sich das Versandhaus Otto für einzelne Karstadt-Sport-Filialen, lehnt aber einen Kauf aller Häuser ab, wie Vorstandschef Hans-Otto Schrader vor kurzem dem Wirtschaftsmagazin "Capital" sagte.