10.05.2010, 15:53 Uhr
Das hoch verschuldete Griechenland beantragt nun doch Finanzhilfen. Regierungschef Giorgos Papandreou hat bei der EU und beim Internationalem Währungsfonds um Hilfe gebeten. "Ich habe die entsprechende Anweisung an das Finanzministerium gegeben", sagte der griechische Ministerpräsident in einer Fernsehansprache an das griechische Volk. Athen hatte in den vergangenen Tagen mit der Europäischen Union und dem IWF über mögliche Hilfen in Höhe von bis zu 45 Milliarden Euro allein für dieses Jahr verhandelt. Die Euro-Länder wollen Athen mit bis zu 30 Milliarden Euro im ersten Jahr unter die Arme greifen - Deutschland würde davon bis zu 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Auf den IWF könnten zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro zukommen.
Der Hilferuf der Griechen umfasst im übersetzten Original-Wortlaut nur einen Satz: "Sehr geehrte Herren, in Übereinstimmung mit der Erklärung der Staats- und Regierungschefs vom 25. März 2010, finanzielle Hilfe für Griechenland wenn nötig bereit zu stellen, und der darauffolgenden Erklärung der Euro-Gruppe, bittet Griechenland hiermit um die Aktivierung des Hilfsmechanismus." In seiner Fernsehansprache sagte Papandreou, das Rettungspaket sei eine "nationale Erfordernis": "Unsere Partner werden das Nötige tun, um uns einen sicheren Hafen zu bieten, wo wir unser Schiff wieder seetüchtig machen können."
Mit dem Hilfegesuch Griechenlands scheint nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die akute Gefahr gebannt, dass Griechenland im Mai keine Investoren für die Refinanzierung seiner Schulden finden könnte. Die Refinanzierung der im Mai fälligen Anleihe im Volumen von 10 Milliarden Euro scheine nun gesichert. "Allerdings bleibt die Defizit-Problematik auch in den kommenden Wochen und Monaten ein Top-Thema", heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Kurzkommentar des Bankhauses.
Die Europäische Union will ihren Teil der Finanzhilfen für Griechenland schnell freigeben. "Alles wird sehr schnell ablaufen, wir sehen keinerlei Hindernis", sagte ein Sprecher von Währungskommissar Olli Rehn. Zunächst müssen die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) die Hilfsanfrage bewerten, dann ist ein einstimmiger Beschluss der Finanzminister der Euro-Länder nötig.
Die Renditen für griechische Staatsanleihen sind am Freitag etwas unter ihre jüngsten Rekordständen gefallen. Die Rendite für zehnjährige Anleihen fiel zunächst auf 8,5 Prozent, nach der TV-Rede dann auf 8,125 Prozent. Am Donnerstag waren die Renditen noch deutlich gestiegen und erstmals seit der Einführung des Euro auf über 9 Prozent geklettert. Die Risikoaufschläge zu deutschen Bundesanleihen notierten mit 5,53 Prozentpunkten unter den jüngsten Rekordständen von über sechs Punkten.
Die europäischen Aktien-Börsen machten einen Teil ihrer Vortagesverluste wett. Nachdem das überraschend höhere Haushaltsdefizit von Griechenland den Markt am Donnerstag geschockt hatte, zeichnete sich laut einem Händler Ende der Woche zunächst eine Entspannung ab. Ersichtlich sei dies am deutlich erholten griechischen Anleihemarkt, der bereits von Spekulationen auf einen Abruf des Hilfspakets von EU und IWF profitierte. Der Euro erholte sich am Freitag nach einem frühen Rückfall wieder auf über 1,33 Dollar (siehe EUR/USD).
Auslöser für die jüngste Verschärfung der Lage am griechischen Anleihemarkt war die Meldung über eine erneute Aufwärtsrevision des griechischen Haushaltsdefizits. Eurostat hatte die Schätzung für das griechische Haushaltsdefizit von bisher 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf jetzt 13,6 Prozent angehoben. Zudem sorgten erneute Streiks für einen Anstieg der Renditen.
Die Rating-Agentur Moody's hatte am späten Donnerstag-Nachmittag darüber hinaus die Kreditwürdigkeit von Griechenland um eine Stufe gesenkt. Die Bonitätsnote für griechische Staatsanleihen werde von bisher "A2" auf "A3" reduziert. Eine weitere Abstufung sei möglich. Die Agentur begründete ihr Vorgehen damit, dass Griechenland für den Schuldendienst jetzt mehr bezahlen müsse als bisher angenommen.
Die Stimmung in der Bevölkerung wird derweil immer bedrückter. Nach einer repräsentativen Umfrage des Radiosenders Skai fürchten sich mittlerweile 96 Prozent der Befragten vor einer unkontrollierbaren Welle der Arbeitslosigkeit. 71 Prozent schließen "explosionsartige soziale Unruhen" nicht aus. 56 Prozent der Befragten glaubten, die Griechen könnten wieder auswandern wie im 20. Jahrhundert.
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Quelle: AFP , dpa , t-online.de
Uli Einhorn schrieb:
am 23. April 2010 um 15:24:43
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Philosoph
"einzig und allein die Amerikaner": seit 50 Jahren Propaganda. So selbstlos war die Hilfe nicht. Der auf Kriegsproduktion
ausgerichteten US-Industrie drohte Massenarbeitslosigkeit. Europa hatte kein Kapital um US-Waren zu kaufen und wegen des europäischen Mangels befürchtete man in den USA das Abtriften in den Komunismus. Mit den Krediten trat die Wende ein; insbesondere in Deutschlasnd, das den geringsten Anteil erhielt, aber am besten wirtschaftete und den Kredit als Erster tilgte..
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Ziu57 schrieb:
am 23. April 2010 um 15:23:24
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Finanzhilfe
Ich verstehe garnicht was sich die Steuerzahler hier so aufregen, das Geld ist in Deutschland so oder so weg. Der Pleitegeier
hängt doch seit 1950 über Deutschland und ist nun in der Mauser.
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JStein schrieb:
am 23. April 2010 um 15:21:55
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das schlimmst kommt noch
Und das Schlimmste kommt ja noch: wenn wir erst die Griechen mal ausgezahlt haben dann werden Spanien und Portugal
kommen und gleiche Behandlung fordern. Das Ganze ist ein Fass ohne Boden aber mit sehr viel Pulver drinnen. Bin gespannt, wanns uns um die Ohren fliegt.
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