
10.02.2012, 15:15 Uhr | Spiegel Online
Die Euro-Finanzminister sind mit dem Athener Sparplan nicht zufrieden, immer offener wird über einen Staatsbankrott debattiert. Wie viel würde eine Griechen-Pleite jeden einzelnen Deutschen kosten? "Spiegel Online" hat nachgerechnet.
Wann es genau passiert ist, lässt sich schwer sagen, aber ganz allmählich hat der Staatsbankrott Griechenlands an Schrecken verloren. Vielleicht hat es mit den Aussagen von Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker im "Spiegel" begonnen, eine Pleite des Landes sei schon im März möglich.
Dann dachte die Niederländerin Neelie Kroes, Vize-Präsidentin der EU-Kommission, Anfang der Woche laut über einen Austritt Griechenlands aus dem Euro nach, und FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle kündigte schon an, dass Deutschland für den Fall einer Pleite Griechenlands mit "Löschteichen" voller Geld gut gewappnet sei.
Diese Löschteiche sind gefüllt mit dem Geld deutscher Steuerzahler. Wie viel aber würde davon gebraucht, wenn Griechenland pleitegeht oder gar aus der Eurozone austritt? Deutschland und damit jeder einzelne Steuerzahler haftet für vier Risiken:
- für die Zahlungen aus dem ersten Rettungspaket für Griechenland,
- für die griechischen Staatsanleihen, die bei der Europäische Zentralbank (EZB) liegen,
- ferner für die griechischen Staatsanleihen im Besitz von staatlichen deutschen Banken
- und schließlich für Ausfälle im sogenannten Target2-System.
EU-Finanzminister Juncker warnt vor Euphorie, denn Griechenland muss seine neuen Sparversprechen noch Schwarz auf Weiß abgeben. zum Video
Nur wenige Zahlen sind genau bekannt, die Summen beruhen in der Regel auf Annahmen und Schätzungen. Schaut man sich die vier Komplexe an, wird jedoch klar: Der Zahlungsausfall Griechenlands wäre für die deutschen Steuerzahler teuer, aber verkraftbar.
Im Mai 2010 haben EU und IWF das erste Rettungspaket für Griechenland beschlossen - es umfasst 80 Milliarden Euro. Bisher sind davon 53 Milliarden Euro ausgezahlt worden - der Anteil Deutschlands daran beträgt 20 Milliarden Euro. Im Falle eines totalen Zahlungsausfalls des griechischen Staates wäre dieses Geld verloren.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich nach langen Diskussionen entschlossen, griechische Staatsanleihen zu kaufen. Wie viele Griechen-Bonds die EZB derzeit hält, ist nicht bekannt, die Schätzungen schwanken zwischen 38 und 55 Milliarden Euro Nominalwert. Allerdings musste die Zentralbank am Markt nicht den vollen Preis für die Anleihen zahlen. Die Schweizer Großbank UBS schätzt, dass die EZB im Durchschnitt 70 Prozent des Nominalwerts hingelegt hat - also zwischen 26,6 und 38,5 Milliarden Euro.
Deutschland haftet gemäß seinem Anteil an der EZB für 27 Prozent - also für sieben bis zehn Milliarden Euro. Dass die griechischen Staatsanleihen komplett wertlos werden, ist allerdings unwahrscheinlich - vermutlich würden sie bei einem Staatsbankrott in länger laufende und niedriger verzinste Bonds umgetauscht werden.
Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 hat der deutsche Staat einige Banken (teil-)verstaatlicht und zudem Bad Banks gegründet, an welche die Banken ihre ausfallgefährdeten Wertpapiere auslagern konnten. In den Depots dieser Banken liegen auch griechische Staatsanleihen. Zudem halten auch öffentliche Landesbanken diese Papiere.
Zu den betroffenen Instituten gehören die HypoReal Estate (HRE), mehrere Landesbanken, die Commerzbank und die Bad Bank der WestLB. Auch hier gibt es keine exakten Zahlen. Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft geht von einem Ausfallrisiko von insgesamt rund 13 Milliarden Euro aus.
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Dazu kämen laut Boysen-Hogrefe über Umwege auch noch die Verluste der privaten Gläubiger aus Deutschland, die griechische Staatsanleihen besitzen. Sollte Griechenland pleitegehen, verlieren diese Anleihen an Wert. "Die Gläubiger würden in Deutschland dann weniger Gewinnsteuern abführen - insgesamt wäre das aber höchstens ein einstelliger Milliardenbetrag."
Wenig beachtet und in seinen Auswirkungen umstritten sind die Risiken aus dem sogenannten Target2-System. Mit dem Target2-System werden Zahlungen zwischen den nationalen Zentralbanken innerhalb des Euro-Raums ausgeglichen. Dort seien "enorme Risiken aufgelaufen", sagt der Ökonom Frank Westermann von der Universität Osnabrück.

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Das Target2-System kann man sich folgendermaßen vorstellen: Ein griechischer Unternehmer kauft eine Ware, zum Beispiel eine Maschine, von einer deutschen Firma. Dafür nimmt er einen Kredit bei seiner griechischen Bank auf und überweist den Kaufpreis auf das Konto des deutschen Maschinenbauers.
Im Hintergrund nimmt die Zahlung allerdings einen kleinen Umweg. Die Bank des griechischen Unternehmers leiht sich das Geld, das sie als Kredit ausgibt, ihrerseits von der griechischen Zentralbank. In Deutschland zahlt die deutsche Zentralbank, die Bundesbank, das Geld auf das Konto des deutschen Maschinenbauers ein.
Zwischen der griechischen Zentralbank und der Bundesbank muss das Geld jetzt auch noch fließen - das geschieht in der Regel über den Umweg der Europäischen Zentralbank (EZB). Geschieht das nicht, hat die griechische Zentralbank Schulden bei der Bundesbank.
Normalerweise sollte sich dieses Defizit ausgleichen, wenn deutsche Unternehmer ihrerseits Waren in Griechenland kaufen, oder die deutschen Banken Kredite an die Bank des Unternehmers vergeben - dann fließt das Geld in der umgekehrten Richtung.
Weil derzeit aber kaum jemand in Griechenland investiert, wachsen die Forderungen der Bundesbank gegen die griechische Zentralbank immer weiter - im Falle eines Staatsbankrotts hätte das weit reichende Folgen, sagt Ökonom Westermann: "Wenn Griechenland aus dem Euro austritt und seine Target-Salden nicht bedient, müsste Deutschland gemäß seinem Anteil von rund 27 Prozent an der EZB die Verluste tragen."
Im schlimmsten Fall wären das geschätzte 27 Milliarden Euro. Westermann: "Die großen Risiken im Target-System sind meiner Meinung nach der Grund, dass Griechenland von den Euro-Ländern nicht fallengelassen wird." In den meisten Aufstellungen über die Risiken einer griechischen Staatspleite fehlen die Zahlen aus dem Target2-System.
Das liegt zum einen daran, dass nur wenige Ökonomen sich mit diesem Zahlungssystem der Eurozone auskennen. Zum anderen rechnen viele Experten nicht damit, dass dieses System nachhaltig aus der Balance kommt - wie der IfW-Volkswirt Boysen-Hogrefe: "Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Forderungen der Bundesbank an das Target-System nicht erfüllt werden - die Verluste würden bei einer griechischen Staatspleite begrenzt werden."
Fazit: Sollte das nicht passieren und damit das schlimmste Szenario wahr werden, dass Griechenland keinen Cent zurückzahlt, müsste Deutschland also 57 bis 60 Milliarden Euro abschreiben - für jeden der rund 82 Millionen Bundesbürger wären dies 700 bis 730 Euro.
Ohne die Risiken aus dem Target2-System und unter der Annahme, dass die griechischen Staatsanleihen auch nach einem Bankrott nur 70 Prozent an Wert verlieren, wie es derzeit mit den Banken verhandelt wird, bleibt für Deutschland ein Risiko von mindestens 34 Milliarden Euro - für jeden Bundesbürger wären das gut 400 Euro.
Anders ausgedrückt: Müsste Deutschland diese Summe 2012 komplett über zusätzliche Kredite finanzieren, stiege die deutsche Neuverschuldung von derzeit prognostizierten rund 30 Milliarden Euro auf 60 bis 90 Milliarden Euro.
Auch die deutsche Defizitquote stiege entsprechend und könnte von derzeit rund einem Prozent der Wirtschaftsleistung im schlimmsten Fall die Obergrenze des europäischen Stabilitätspakts von 3,0 Prozent reißen. Nicht eingerechnet sind dabei allerdings die Ansteckungseffekte, die eine Griechenland-Pleite für die übrigen Problemstaaten der Euro-Zone haben könnte.
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Quelle: Spiegel Online
ullu111966 schrieb:
am 10. Februar 2012 um 21:43:47
(1478)
(140)
Griechenland
Wann gehen wie denn endlich auf die Straßen, sorgen dafür daß unser Geld in Deutschland bleibt und unsere Regierung wegen
Veruntreuung in den Knast kommt?
mehr
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Max schrieb:
am 10. Februar 2012 um 21:42:28
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(120)
Staatsbankrott hellas
Bin bereit € 1400,- zu zahlen !!!
Dann ist Schluss, und ich höre nie wieder was von Griechenland,
und die sollen
danach zeigen dass sie's können......
Dann können die ja auch gerne 365 Tage im Jahr "Generalsteiken" und ich schaue amüsiert zu :-)
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Erhard schrieb:
am 10. Februar 2012 um 21:42:27
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(41)
Kriese
Was haben die da oben für Geschenke von Griechenland erhalten? Ist doch jetzt Mode " C.W. BP und Co"
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