Eisenerz-Zug von Rio Tinto in Pilbara (Foto: dpa)Die milliardenschwere Elefantenhochzeit der Bergbau-Riesen Rio Tinto und BHP Billiton ist endgültig geplatzt. Mit dem Verzicht ziehe der Konzern die Konsequenzen aus den komplexen Verhandlungen mit den Kartellbehörden, teilte Rio Tinto mit. Rio Tinto und der Konkurrent BHP Billiton hatten geplant, ihre Eisenerzgeschäfte in der westaustralischen Region Pilbara zusammenzulegen. Wettbewerbshüter in der ganzen Welt waren in den Fall eingeschaltet worden. Vor allem in China gab es nervöse Reaktionen auf den möglichen Zusammenschluss der beiden Erzgiganten.
Auch das Bundeskartellamt hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die seit 16 Monaten geplante Fusion zu untersagen. Die Bonner Kontrolleure hatten geprüft, weil auch deutsche Stahlkonzerne und deren Kunden - besonders Autohersteller - von dem Zusammengehen betroffen gewesen wären. Ferner hatten die Kartellbehörden in Südkorea und Japan ihr Veto eingelegt.
Aus Sicht der europäischen Stahlbranche hätte das Zusammengehen den ohnehin schon geringen Wettbewerb auf dem Eisenerzmarkt weiter beschränkt. Eisenerz wird zur Stahlherstellung benutzt und vor allem in der Autoindustrie und am Bau verwendet - diese Branchen verbrauchen in Deutschland gut die Hälfte des eingesetzten Stahls. Mit einigem Abstand folgen der Maschinenbau und die Hersteller von Metallwaren.
Zehn Milliarden Dollar Spareffekt
Rio Tinto und BHP Billiton bedauerten das Scheitern des Joint-Ventures. Die Konzerne hatten geplant, durch eine gemeinsame Nutzung von Eisenbahnen und Hafenanlagen Kosten zu sparen. Vorgesehen waren Einsparungen von 10 Milliarden Dollar pro Jahr. In Pilbara befinden sich einige der größten Eisenerzminen der Welt. Das Joint-Venture wäre mit einem gemeinsamen Wert von fast 120 Milliarden Dollar (knapp 86 Milliarden Euro) die größte Fusion der australischen Wirtschaftsgeschichte gewesen.
Zwar zeigte sich Rio-Tinto-Chef Tom Albanese enttäuscht. Der Verzicht auf das Joint-Venture zeigt aber auch, dass die Kassenlage von Rio Tinto inzwischen deutlich besser ist als zum Zeitpunkt der Vereinbarung im vergangenen Jahr, als die Australier gerade die Übernahme des hoch verschuldeten kanadischen Konkurrenten Alcan stemmten und mit Hochdruck versuchten, ihre Kosten unter Kontrolle zu bekommen. Außerdem hatte sich bei Rio Tinto die Ansicht durchgesetzt, dass BHP Billiton wohl stärker von dem Deal profitiert hätte.
Stahlkonzerne befürchten Erzkartell
Die Stahlabnehmer waren gegen die Pläne Sturm gelaufen, da sie einen weiteren Anstieg der Rohstoffpreise fürchteten. Bereits heute beherrschen BHP und Rio Tinto zusammen mit der brasilianischen Vale etwa zwei Drittel des Marktes. Zusammen entfielen auf die drei Konzerne im vergangenen Jahr 35 Prozent der gesamten Eisenerzförderung und 61 Prozent des Überseehandels mit dem Rohstoff, wie die Welthandelskonferenz UNCTAD ermittelte.
Im April hatten die drei marktmächtigen Konzerne ihr Preissystem umgestellt: Legten sie früher einmal pro Jahr Preise fest, tun sie dies nun vierteljährlich. Das Ergebnis waren deutliche Preiserhöhungen um mehr als 100 Prozent im laufenden Jahr. Zum 1. Oktober waren die Preise für Eisenerz und Kokskohle allerdings wieder um zehn Prozent gesunken. Beim Stahl gab es zuletzt Preiserhöhungen im Drei-Monats-Takt.
Rio Tinto ist die Nummer zwei unter den Eisenerz-Lieferanten. BHP Billiton ist der weltweit gewichtigste Minenkonzern und strebt derzeit eine Übernahme des kanadischen Düngemittelriesen Potash an. Ende 2008 war wegen der Wirtschaftskrise die geplante feindliche Übernahme von Rio Tinto durch BHP geplatzt.