26.01.2009, 14:08 Uhr | Financial Times Deutschland, Axel Gloger
Trotz Finanzkrise sind die Arbeitsplätze vieler Konzernchefs sicherer geworden. (Foto: Archiv)
In wirtschaftlich angespannten Zeiten denken mehr Menschen darüber nach, sich selbstständig zu machen. Davon profitieren Franchise-Systeme.
"Franchise Monitor 2009"
5000 neue Unternehmer werde die Branche im Laufe des Jahres schaffen, prognostiziert die Studie "Franchise Monitor 2009". Diesen Einsteigern verkaufen die Geber ihr Unternehmenskonzept in Lizenz. Das Grundprinzip ist immer gleich: Die Zentrale sucht geeignete Umsetzer, bildet sie aus und lässt sie in eigener Regie und auf eigene Rechnung eine Niederlassung führen. An Lizenzgebühren zahlt der Franchise-Nehmer rund fünf Prozent seines NettoUmsatzes.
Auswahl der Franchise-Nehmer
Für die Gründungshilfe stellt der Franchise-Geber dem Neuunternehmer im Schnitt 11.500 Euro in Rechnung, so die Studie. Mit diesem Geld wird die Weiterentwicklung des Geschäftssystems finanziert. "Der Franchise-Geber sollte alles tun, um den Wettbewerbsvorsprung seiner Marke zu sichern", sagt Peckert. Das Konzept für den Franchise-Nehmer muss so durchdacht sein, dass er es nach Anleitung leichter führen kann als eine Gründung Marke Eigenbau.
"Selbstverwirklicher können wir nicht gebrauchen"
Bei der Auswahl der Franchise-Nehmer achten erfolgreiche Lizenzgeber vor allem auf die Qualifikation des Kandidaten als Unternehmer. Peckert: "Er muss das Konzept zuverlässig umsetzen und über eine hohe Eigenmotivation verfügen." Initiative und Entscheidungsfreude sind wichtig, aber nur im Rahmen der vom System gesetzten Grenzen. "Selbstverwirklicher können wir nicht gebrauchen", sagt Peter Gabler, Geschäftsführer von Backfactory, einem Netz mit 106 Discount-Bäckern.
Eine präsente Marke
Ob Bewerber geeignet sind, testen erfahrene Franchise-Geber über eine oder zwei Wochen im Arbeitsalltag. Bei Tee Gschwendner steht der Interessent hinter der Ladentheke und verkauft Tee, bei Joey's nimmt er Bestellungen entgegen und richtet Pizzen her. "So finden beide Seiten heraus, ob sie wirklich zueinander passen", sagt Carsten Gerlach, Geschäftsführer von Joey's Pizza Service.
"Local Hero zu werden"
Gute Lizenznehmer setzen nicht nur das vorgegebene Konzept um, sondern geben ihm darüber hinaus einen persönlichen Touch. Als Ziel gibt Analyst Peckert aus, "ein Local Hero zu werden". Die Marke müsse vor Ort präsent sein und geschätzt werden. "Franchising lebt vom Einsatz der Partner in der Region", sagt auch Joey's-Gründer Gerlach, dessen Lizenznehmer 150 Standorte in ganz Deutschland betreiben.
Wenn Franchise-Systeme wachsen, wollen manche Lizenznehmer mitwachsen. "Da kommt schnell der Wunsch nach einem zweiten oder dritten Laden", sagt Gerlach. Diese Nachfrage sollte der Franchise-Geber befriedigen, schon aus eigenem Interesse, sagt Gerlach: "Um nämlich die guten Unternehmer an die Marke zu binden."
Financial Times Deutschland, Axel Gloger
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