07.07.2009, 09:56 Uhr | FTD, Christian Baulig
Geschäftsideen für Liebespaare gesucht. (Foto: Imago)Die Teilnehmer der FTD-Konferenz machen sich auf die Suche nach der nächsten guten Geschäftsidee. Die Aufgabe: Was braucht ein Liebespaar?
Graham Horton hat den Satz kaum beendet, schon fliegen erste Ideen durch den Raum. Von links: "Intimität." Von rechts: "Kleine Geschenke." Von vorn: "Gemeinsame Erinnerungen." Ein Dutzend Manager und Unternehmer sitzen in einem Hörsaal des Hasso-Plattner-Instituts an der Universität Potsdam zusammen und tüfteln an neuen Geschäftsideen: Zeitvorgabe dreimal 30 Minuten, die Kaffeepausen bei der FTD-Konferenz.
Was Horton den Profis abverlangt, ist eigentlich eine Spielerei. Eine Fingerübung, die Firmen jedoch helfen kann, der Innovationsfalle zu entkommen. "Unternehmen werden mit der Zeit träge und blind. Gute Ideen bleiben unerkannt", sagt Horton. Der Brite ist Professor für Informatik an der Universität Magdeburg und Gründer der Firma Zephram, einer Art Hebammenpraxis für Ideen.
Zephrams Kunden sind Firmen, die ihre Produktpalette erweitern wollen oder neue Anwendungen für ihre Produkte suchen. Und die allein nicht mehr weiterkommen. So wie der Hersteller von Rohrverbindungen, die in Hydrauliksystemen zum Einsatz kommen. Weltmarktführer, noch. Das Patent für das aktuelle Produkt läuft aus, nun sucht Zephram gemeinsam mit Firmentechnikern nach Ideen, wie der Wettbewerbsvorteil erhalten werden könnte. "Einfache, offene Fragen zaubern eine Menge Ideen hervor", sagt Horton. Und auf denen lässt sich aufbauen.
"Was für eine Dienstleistung könnten Liebespaare benötigen?", fragt Horton in die Runde. Die Ideen werden konkreter: "Einen Coach bei Liebeskummer, so ähnlich wie Dr. Sommer in der ,Bravo‘." Gelächter. "Einen Cateringservice, der Candle-Light-Dinner in romantischen Parks organisiert." Augenbrauen heben sich. "Ein Internetportal, in dem Verliebte hinterlegen können, welches Parfum der Partner am liebsten mag und das einen an den Jahrestag des ersten Kusses erinnert." Nicken in der Runde. Das könnte was werden.
In der nächsten Pause wirft Horton mit dem Beamer Wortsegmente an die Wand. Die Praktiker sollen sie kombinieren und sich dadurch inspirieren lassen: "Bildungs/Abo", "Garten/Netzwerk", "Senioren/Prüfung" ... schon entspinnen sich Diskussionen über lebenslanges Lernen, die Bedürfnisse von Laubenpiepern und Mobilität im Alter. Solche Kreativitätstechniken helfen, Betriebsblindheit zu überwinden, erklärt Horton. Neue Ideen entstehen in der Runde - und werden wieder verworfen. Ein Möbelverleih? Zu hoher Transport und Lageraufwand. Eine Internetplattform, die CEOs Gesprächspartner zu bestimmten Themen vermittelt? Brauchen Chefs nicht wirklich.
Dass der Ausschuss groß ist, sei nicht tragisch, meint Horton. Wichtig sei es, sich ständig zu fragen: "Wie könnte es anders sein?" Bahnbrechende Erfindungen hätten so in unser Leben Einzug gehalten, etwa das Leasing. Der amerikanische Bürotechnikhersteller Rank Xerox kam auf den Mietkauf, weil seine neuentwickelten Trockenkopierer vielen Firmen zu teuer in der Anschaffung waren.
Am Ende der dritten Sitzung hat die Gruppe Grobkonzepte für drei Unternehmen auf dem Tisch: Eine individualisierte Hautpflegeserie, die in Kooperation mit Apotheken vertrieben werden soll. Einen Damenschuh-Konfigurator, bei dem Kundinnen im Internet aus einem Dutzend Formen, Farben und Absatzhöhen ihr Wunschmodell zusammenstellen können. Und Verliebt24.de, die Plattform für Liebespaare - mit Erinnerungsfunktion und Geschenkeservice.
FTD, Christian Baulig
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