17.11.2009, 13:31 Uhr | Andrej Sokolow, dpa/ t-online.de/business
"Made in Germany" - seit mehr als 100 Jahren ein Qualitätssiegel. (Foto: Archiv)
Wie die Welt sich auch verändert - "Made in Germany" bleibt ein Gütesiegel. Jahr für Jahr belegen internationale Umfragen, dass deutsche Produkte für Wertarbeit, Präzision und Qualität stehen. Auch wenn der Ruf der heimischen Industrie in Deutschland etwa wegen des gescheiterten Transrapid-Projekts angeschlagen war. Nach wie vor sind die Verbraucher bereit, für Waren "Made in Germany" mehr zu bezahlen. Und das, obwohl mit der Globalisierung die Grenzen verschwimmen und tatsächlich kaum noch etwas in einem einzigen Land hergestellt wird.
Ob deutsches Bier, Messer und Scheren aus Solingen oder Kultur-Exporte wie das Oktoberfest: Menschen auf der ganzen Welt sind von Waren aus deutschen Landen begeistert. Nicht zu vergessen: Deutschland ist Exportweltmeister. Die Maschinenbauer verkaufen zum Beispiel rund um die Welt eine Vielzahl von Produkten - von Industrierobotern bis hin zu Verpackungsautomaten oder Autowaschanlagen.
Der Mythos begann vor mehr als 100 Jahren, als Großbritannien 1887 verfügte, dass alle ausländischen Waren eine Herkunftsbezeichnung tragen mussten - unter anderem deshalb, weil die deutsche Industrie britische Industriemarken kopierte. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland setzten sich deutsche Produkte in der Welt durch.
Es waren vor allem die Autos, vor allem der Volkswagen Käfer oder der VW-Bus, die die Lebenserinnerungen ganzer Generationen prägen. Dasselbe gilt für den Mercedes als Wohlstandssymbol sogar hinter dem Eisernen Vorhang oder den Porsche von James Dean. Der junge Schauspieler hatte sich in den silberfarbenen Sportwagen auf den ersten Blick verliebt. Mit der Nummer 130 neben dem Spitznamen "Little Bastard" auf der Motorhaube des seltenen und teuren Porsche 550 Spyder trainierte er für ein Rennen. Ein ganz banaler Unfall, bei dem ihm ein Straßenkreuzer die Vorfahrt nahm, kostete Dean 1955 das Leben. Der 24-Jährige wurde zu Legende und schloss auch gleich Porsche in den Mythos mit ein. Die meisten veröffentlichten Fotos von Dean sind die des Stars am Steuer des Spyder; Amerika wurde zum wichtigsten Markt für den Sportwagenbauer.
Apropos Fotos: 1925 brachte die deutsche Firma Leica die erste Kleinbildkamera auf den Markt - eine Revolution. Auf einmal wurde das schnelle Fotografieren in allen Lebenslagen möglich. Es war auch die Geburtsstunde des Fotojournalismus, der ganz neue Möglichkeiten aufzeigte, einer Geschichte ein Gesicht zu geben.
Die Leica I von 1925 (Foto: Leica)
Die Bilder von Robert Capa oder die seines Weggefährten Henry Cartier-Bresson und ihr Schwärmen vom "Leica-Gefühl" waren die beste Werbung, die es für den deutschen Kamera-Hersteller geben konnte. Leica entwickelte die Fotoapparate weiter und machte sich daran, den Verbrauchermarkt zu erobern. Damals begann allerdings die Rivalität mit den japanischen Konkurrenten, die von ursprünglichen Nachahmern zur heute dominierenden Kraft wurden und Leica in ein Nischen-Dasein verwiesen. Die Deutschen hatten die Bedeutung der digitalen Fotografie zu lange unterschätzt.
Eine weitere "Made in Germany"-Geschichte hat ebenfalls mit einer Revolution zu tun - jedoch mit einer unfreiwilligen, deren Ausgang noch offen ist. Es geht darum, wie eine in Deutschland entwickelte Software die weltweite Musikindustrie umkrempelte und um ihr angestammtes Geschäftsmodell brachte. Der Fraunhofer-Forscher Karlheinz Brandenburg arbeitete schon seit den 80er Jahren an einem Verfahren, um Musikstücke ohne hörbaren Qualitätsverlust in kompakte digitale Dateien umzuwandeln. Die sollten viel kleiner sein als die Songs auf den CDs.
Besonders in den USA liefen bereits Forschungen dazu. So wurde etwa die Idee verfolgt, keine Passagen doppelt zu speichern, die sich wiederholen oder die das menschliche Ohr nicht hören kann. Ein komplettes Format musste jedoch erst entwickelt werden. Und Anfang der 90er Jahre waren die deutschen Forscher mit Unterstützung einiger anderer Kollegen mit dieser Aufgabe fertig geworden.
1994 war die erste MP3-Software marktreif. Die Idee sei dann eigentlich gewesen, das Format der Musikindustrie anzubieten, erinnert sich Brandenburg. Es kam ganz anders. Das Programm zum Umwandeln von Musik in MP3-Dateien wurde aufgeknackt und war plötzlich im Internet frei verfügbar. Songs konnten jetzt ohne großen Aufwand kopiert und online getauscht werden. Heute sinken die Zahlen die CD-Verkäufe immer schneller. Die Musikindustrie steuert in eine unsichere Zukunft und muss nach neuen Erlösquellen suchen. Brandenburg und sein Team entwickelten derweil ein System mit sehr vielen Lautsprechern für einen perfekten Kinosound. Die Nachfrage der Industrie hält sich bisher in Grenzen.
Andrej Sokolow, dpa/ t-online.de/business
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