09.01.2009, 15:12 Uhr | Financial Times Deutschland
Fusionsdruck bei den Krankenkassen (Foto: imago)Der Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Privatversicherer Signal Iduna bereiten eine einzigartige Krankenkassenfusion vor. Die Innungskrankenkasse Vereinigte IKK und die kleine Betriebskrankenkasse Signal Iduna wollen sich zusammenschließen. #
Geplant ist nach Informationen der "Financial Times Deutschland", dass in einem nächsten Schritt weitere Innungs- und Betriebskrankenkassen folgen, die dem Handwerk und dem Mittelstand nahestehen. In der neuen Kasse sehen offenbar sowohl der private Krankenversicherer (PKV) als auch der Mittelstand eine Möglichkeit, ihre Interessen in der Weiterentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vertreten zu können. Die Gremien wollen demnächst die endgültige Entscheidung über das Projekt fällen.
BKK Allianz und KKH bereits einen Schritt weiter
Im vergangenen Jahr haben schon die BKK Allianz und die Kaufmännische Krankenkasse Hannover die Fusion beschlossen. Die neue KKH/Allianz nimmt am 1. April dieses Jahres die Arbeit auf. Die neue Kasse hat mit der Allianz Private Krankenversicherung eine strategische Partnerschaft beschlossen, die weit über die bisher im Markt schon länger übliche Vertriebszusammenarbeit von gesetzlicher und privater Krankenversicherung hinausgeht.
Gesetzliche und private Kassen positionieren sich
Die alten Grenzen zwischen privaten und gesetzlichen Krankenversicherern weichen immer mehr auf. Mit neuen Kooperationsformen wollen sich sowohl die Krankenkassen als auch die PKV-Unternehmen eine günstige Ausgangsposition für den Fall schaffen, dass die Karten im Gesundheitswesen nach der Bundestagswahl neu gemischt werden und das Verhältnis GKV/PKV neu geregelt wird.
Gesundheitsfonds erhöht Druck
Zudem hat das seit dem 1. Januar für die GKV geltende Finanzierungsmodell des Gesundheitsfonds mit einem einheitlichen Beitragssatz den Fusionsdruck im Kassenlager erhöht. Erwartet wird eine drastische Verringerung der Zahl der Krankenkassen, die zurzeit noch bei rund 200 liegt. Das Handwerk will offensichtlich dafür sorgen, dass die ihm nahestehenden Kassen in diesem Prozess nicht ihre Identität verlieren.
Größe als Verhandlungsstärke
Die Vereinigte IKK hat mehr als eine Million Versicherte, die Signal Iduna BKK rund 15.000. Wenn sich wie erwartet weitere der zurzeit 14 Innungskrankenkassen anschließen, entsteht langfristig ein neues Kassenschwergewicht - insgesamt haben die IKKen bundesweit mehr als fünf Millionen Versicherte. Die Größe wird immer wichtiger, weil Kassen verstärkt darauf setzen, Einzelverträge mit Gruppen von Ärzten oder Krankenhäusern zu schließen. Je mehr Versicherte sie haben, desto bessere Konditionen können sie aushandeln.
Interessant für Zusatzversicherungen
Die Signal Iduna hat ihre Wurzeln in der Versicherung des Handwerks und ist die Nummer vier im Markt der privaten Krankenversicherer. Der Vorstandsvorsitzende Reinhold Schulte ist gleichzeitig Vorsitzender des Verbands der privaten Krankenversicherungen. Auch als möglicher Kooperationspartner im Bereich der Zusatzversicherungen wäre eine solche Großkasse für den Versicherer von Interesse.
Name steht noch nicht fest
Einzelheiten des Zusammenschlusses waren bis zuletzt umstritten, darunter der Name der neuen Kasse. In der Diskussion ist unter anderem Signal Iduna IKK. Der Name muss gemeinsam mit der neuen Satzung vom Bundesversicherungsamt genehmigt werden, das dem Bundesgesundheitsministerium untersteht.
Großer Markt
Dominanz
Ende 2007 waren 70,3 Millionen Einwohner in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert, 8,6 Millionen in der privaten Krankenversicherung (PKV). Die Gesundheitsreform hat den Wechsel von der GKV in die PKV erschwert und damit das Geschäftpotenzial für die Privaten eingeschränkt.
Volumen
Die gesetzlichen Krankenkassen verbuchten im Jahr 2007 insgesamt Einnahmen in Höhe von 155,4 Mrd. Euro. Die Privaten kamen auf Prämieneinnahmen von 27,6 Mrd. Euro. Sie hatten zudem Kapitalerträge von 6,5 Mrd. Euro. Für die Versorgung der Versicherten gaben die Krankenkassen 145,5 Mrd. Euro aus, die Privatversicherer 18,2 Mrd. Euro.