05.10.2010, 12:00 Uhr | FTD, Georgia Hädicke
Das EU-Glühlampenverbot brachte einen Ingenieur aus Essen auf eine Idee: Er verkauft Glühbirnen als Heizungen. Dass die auch leuchten, ist nur ein Nebeneffekt.
Der Herbst hat noch nicht mal richtig begonnen, da steht Siegfried Rotthäuser bereits vor einem Problem: Sein Lager ist fast leer. "In den vergangenen Tagen ist hier die Hölle los gewesen", sagt der Diplom-Ingenieur. Das Produkt, um das sich Rotthäusers Kunden so reißen, heißt "Heatball": eine Art Miniaturheizung, an einem Ende ein Gewinde aus Metall, am anderen ein runder Glaskörper, in dem ein Metallfaden sich stark erhitzt, wenn Strom hindurchfließt.
Wenn Ihnen diese Beschreibung irgendwie bekannt vorkommt, dann liegen Sie richtig: Beim Heatball handelt es sich schlicht um eine Glühbirne. Die verkauft Rotthäuser über seine Website Heatball.de - und fordert damit die Regulatoren der Europäischen Union heraus. Denn Glühbirnen stehen, wie jeder weiß, europaweit kurz vor der Ausrottung.
Neulich erst trat die zweite Phase der EU-Glühlampenverordnung in Kraft. Nachdem im vergangenen Jahr bereits alle 100-Watt-Birnen aus dem Handel verschwunden waren, dürfen seit Anfang September auch keine 75-Watt-Glühbirnen mehr verkauft werden. Bis 2016 soll laut Plan ein Großteil aller Glühlampen aus dem Verkehr gezogen und durch Energiesparlampen ersetzt werden.
Die Idee zum Heatball, erzählt Rotthäuser, entstand aus einer Blödelei mit Kollegen. Die inspirierte ihn dazu, sich die EU-Verordnung einmal genauer anzuschauen. Als Definition des Begriffs "Lampe" fand er dort den Eintrag: ",Lampe‘ bezeichnet eine Einrichtung zur Erzeugung von (in der Regel sichtbarem) Licht." Damit hatte der Essener den Knackpunkt gefunden.
Denn eine Glühbirne wandelt 95 Prozent der ihr zugeführten Energie in Wärme um, das dabei erzeugte Licht ist somit quasi nur ein Abfallprodukt: "Wir haben Thomas Edisons Erfindung einfach falsch verstanden", sagt Rotthäuser. "Der Mann hat keine Lampe erfunden, sondern eine Heizung!"
Also ersann er den Namen Heatball und ließ ihn in China produzieren. Die Ware führte er deklariert als "Kleinheizelemente" nach Deutschland ein. 1,69 Euro kostet so eine Miniheizung mit 75 oder 100 Watt, wahlweise in matt oder klar. Allerdings werden die Bestände langsam knapp, von 1000 produzierten Exemplaren sind kaum noch welche da. "Von der plötzlichen Euphorie bin ich etwas überrascht", sagt Rotthäuser, "das Ganze sollte ja eigentlich nur ein Gag sein."
Obwohl er sich den Heatball als Marke hat schützen lassen, will der studierte Maschinenbauer damit kein Geld verdienen. Die Idee sei für ihn bisher ein Zuschussgeschäft gewesen. "Das Ganze ist eher als satirische Aktionskunst verstehen", sagt Rotthäuser. Ihm geht es vor allem darum, eine Diskussion über die politische Prioritätensetzung anzustoßen. Zudem spendet er 30 Cent pro verkauften Heatball für ein Projekt zum Schutz des Regenwalds.
Ob es allerdings neue Heatballs geben wird, wenn der Bestand aufgekauft ist, das kann der Erfinder noch nicht versprechen. Mit seiner Aktion hat er sich bereits juristische Probleme ins Haus geholt, und ob er nochmals eine Einfuhrgenehmigung bekommt, ist fraglich. Er hofft, dass die 1000 existierenden Heatballs allmählich Sammlerwert erhalten.
Wer jedoch einen erbeutet hat, der darf sich nicht nur über den Seltenheitswert der Kunstobjekts freuen, sondern auch über seine Langlebigkeit. Denn in einem unterscheidet sich der Heatball doch von ordinären Birnen: "Glühlampen hatten eine künstlich begrenzte Lebenszeit von 1000 Stunden", sagt Rotthäuser, "der Heatball kann viel länger heizen." Und länger leuchten. Aber das natürlich nur so nebenbei.
Quelle: Financial Times Deutschland
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