18.02.2010, 12:34 Uhr | Financial Times Deutschland
Rohstoff-Händler an der Börse in New York (Foto: dpa)Sie sind wieder zurück: Hedge Fonds haben in den vergangenen Monaten ihre Positionen auf dem Rohstoffmarkt deutlich ausgeweitet. Ihr Engagement ist derzeit so groß wie zu Hochzeiten des Booms 2008. Die Aufsicht ist beunruhigt. # Quiz - Sind Sie ein Rohstoff-Experte? Ranking - Die wertvollsten Marken weltweit Weitere Meldungen - Die Engagements von Hedge Fonds
Rohstoff-Index im Aufwind
Hedge Fonds haben ihr Rohstoff-Engagement in den vergangenen Wochen enorm ausgebaut. Laut Barclays Capital halten die Fonds inzwischen 13 Prozent der offenen Positionen an den amerikanischen Rohstoffmärkten. Das ist der höchste Anteil seit Mitte Juli 2008, als die Notierungen Rekordstände erreichten, und doppelt so viel wie seit Mitte März. Einher geht das mit den steigenden Preisen: Der Rohstoff-Index S&P GSCI kletterte seit Februar um mehr als 40 Prozent.
Härtere Gangart gefordert
Die Umtriebe der Hedge Fonds dürfte Diskussionen um die Rolle der Spekulanten anheizen. Für Aufsehen sorgten diese Woche Kommentare des neuen Chefs der US-Terminbörsen-Aufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC), Gary Gensler, der am Dienstag vor einem Senatsausschuss die Rohstoff-Rally 2008 als "Preisblase" bezeichnet und eine härtere Gangart gegenüber Finanzinvestoren angekündigt hatte. Gensler fordert mehr Transparenz, setzt sich für schärfere Positionslimits ein und befürwortet Clearing-Lösungen.
Dollarverfall und Risikoappetit treiben Notierungen
Den Boom der Rohstoffpreise beäugen die Analysten skeptisch. Laut Standard & Poor's (S&P) verzeichnete der Rohstoffindex S&P GSCI im Mai mit einem Plus von 19,7 Prozent den stärksten Anstieg seit September 1990, als der Irak in Kuwait einmarschierte - und dass trotz schwacher Fundamentaldaten. Im Fall des Öls beispielsweise sei die Nachfrage nach wie vor nicht sonderlich hoch, die Lager dagegen erstaunlich gut gefüllt, argumentieren Experten. Am Freitag kletterte der Ölpreis in New York zeitweise auf 70 Dollar je Barrel (159 Liter). Das Plus diese Woche liegt bei fünf Prozent. Im Dezember hatte das Fass noch 32 Dollar gekostet.
Instabile Rallye
Mehrheitlich begründen die Experten die Preisanstiege mit dem Dollar-Verfall und dem wiederkehrenden Risikoappetit der Anleger. Die Strategen von Credit Suisse schreiben in einem Research-Bericht: "Die aktuelle Ölmarkt-Rally ist unseres Erachtens sehr instabil. Preisanstiege basieren vor allem auf Investmentkäufen. Der physische Markt bleibt schwach."
Massive Kapitalzuflüsse in den Rohstoff-Sektor
Sven Streitmayer, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), spricht von "Hot Money". Seit Beginn des laufenden Quartals seien wieder massive Kapitalzuflüsse in den Rohstoffsektor zu registrieren. Gegenüber dem Jahresbeginn habe sich die von Großanlegern wie Hedge Fonds an den US-Rohstoffbörsen gehaltenen Kaufkontrakte mehr als verdreifacht, sagt Streitmayer. Das Netto-Investitionsvolumen der spekulativen Marktakteure sei im selben Zeitraum um rund 30 Mrd. Dollar auf das höchste Niveau seit dem Spätsommer 2008 gestiegen.
Große Rückschlagsgefahr
Als Haupttreiber der jüngsten Rohstoff-Rally berge der gewaltige Aufbau von spekulativen Kaufpositionen aber zugleich auch eine enorme Rückschlagsgefahr mit sich. "Brenzlig wird es für die Preise von Öl, Kupfer und Co. vor allem dann, wenn die Hoffnung der Investoren auf eine schnelle Verbesserung der realen Angebots-Nachfrage-Situation enttäuscht werden sollte", sagt Streitmayer.
Kosten für Ölkäufe gestiegen
Ähnlich fällt das Urteil von Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank, aus: "Der Ölpreis stieg vor allem wegen dem größeren Risikoappetit. Er steht in keinem Verhältnis zu dem leichten Rückgang der Vorräte. In den USA beispielsweise sprechen nur die Benzinbestände für einen höheren Preis. Bei Rohöl und anderen Produkten sind die Puffer auf hohen Niveaus." Weinberg sieht einen Zusammenhang mit der lockeren Geldpolitik der Notenbanken: Seitdem die Zentralbanken Wertpapiere aufkaufen - die Praxis wird Quantitative Easing genannt - hätten sich die Kosten der Ölkäufe für die Verbraucherländer weltweit um 340 Mrd. Dollar erhöht.
Haben Anleger die Ölpreis-Rally verpasst?
Umstritten ist dennoch, wie groß der Einfluss der Finanzgemeinde auf die Rohstoffpreise tatsächlich ist. Barclays Capital bezweifelt, dass er groß ist. Zwischen Dezember und Februar hätten Hedge Fonds ihr Engagement deutlich ausgeweitet, der S&P GSCI sei aber gefallen. Bei Öl wiederum hätten Anleger in den vergangenen drei Monaten aus börsennotierten Produkten 2,5 Mrd. Dollar abgezogen. "Investoren haben den Großteil der jüngsten Ölpreis-Rally verpasst", führen die Barclays-Capital-Analysten aus. Ihre These lautet: "Die Kausalität läuft momentan anders herum, als es die Spekulationsblasen-Apologeten behaupten. Die Hedge Fonds engagieren sich, weil die Rohstoffmärkte gut aussehen, und die Preise steigen."