13.05.2011, 16:37 Uhr | t-online.de - Frank Lansky
Broker an der Wall Street (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Die überraschende Information gleich vorweg: Ein Exchange Traded Fund enthält nicht immer alle Aktien desjenigen Indizes, den er nachbildet. Mitunter sind sogar Titel im Depot enthalten, die mit dem Index überhaupt nichts zu tun haben. So können laut Morningstar zum Beispiel in einem DAX-ETF die japanischen Aktien von Sony oder Toshiba enthalten sein - und trotzdem entwickelt sich die Performance sehr nahe am DAX. Es geht noch weiter: In einem ETF können zum Teil exotische Zinstauschgeschäfte eingebaut sein, sogenannte Swaps.
Interessierte Anleger müssen hier ein wenig Recherche betreiben – die Anbieter geben diese Informationen nur im Verkaufsprospekt an. Alles in allem gibt es vier Möglichkeiten, um einen ETF zu bauen. Wir klären auf und wollen gleichzeitig auch die vielen branchenüblichen Anglizismen erläutern.
Unter der vollen Replikation verstehen Kapital-anlage-Gesellschaften den exakten Nachbau des zugrundeliegenden Indexes. Dazu kauft der Fondsmanager alle Aktien ein, die im Index enthalten sind. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört.
Denn zum einen erschwert die Dividende die Angelegenheit. Die meisten Indizes gibt es in zwei Varianten: als Preis-, respektive Kursindex oder als Performance-Index. Bei einem Preisindex werden Dividenden-Zahlungen nicht reinvestiert und somit nicht berücksichtigt. Bei einem Performance-Index hingegen schon. Der ETF reinvestiert die Ausschüttung aber nicht, sondern lässt sie als Barmittel in das Sondervermögen des Fonds einfließen.
In steigenden Märkten hinkt die ETF-Performance laut Morningstar somit der Indexrendite hinterher, weil die Dividenden nicht in die Aktien reinvestiert wurden. Bei fallenden Märkten wirken sich die Barmittel wie ein Puffer aus, weswegen sich der ETF besser entwickelt als der Index. Dieses Phänomen nennt sich Cash-Drag. Bei einem ETF auf einen Preisindex werden die Dividenden immer ausgeschüttet, meist geschieht das viermal pro Jahr.
Ein weiteres Problem ist die Aktualisierung der Indizes. Bei Auf- und Abstiegen aus dem DAX beispielsweise muss der ETF mit angepasst werden. Im Falle des deutschen Leitindexes ist das kein Problem. Bei kleineren oder exotischen Indizes und illiquiden Aktien kann das aber problematisch werden.
Laut Morningstar verwenden iShares, ETFLab, die UBS, State Street Global Advisors, Invesco PowerShares und EasyETF die Full-Replication-Methode.
Bei großen Indizes bringt die volle Replikation ebenfalls Probleme, weil sehr kleine Aktien nur schwer zu bekommen sind und sowieso kaum ins Gewicht fallen. Beispielsweise sind im MSCI Asia Pacific 1140 Aktien aus der Region Asien-Pazifik enthalten. Darunter finden sich auch indonesische Small Caps oder der kanadische Getränkehersteller Cott und der neuseeländische Versorger Vector mit einem Gewicht von 0,0008 Prozent, wie Morningstar erläutert. Diese Titel zu kaufen, wäre ziemlicher Unsinn, da nur die großen Blue Chips die Richtung im Index bestimmen.
Also wählen die ETF-Anbieter eine repräsentative Stichprobe aus, ein Sample. Natürlich weicht der ETF in diesem Falle stärker vom abzubildenden Index ab, als bei der Replikationsmethode. Den Sampling-Ansatz verwendet laut Morningstar beispielsweise SPDR, die ETF-Sparte von State Street Global Advisors, bei der Abbildung des MSCI World ACWI ex US (All Country World Index ohne United States).
Diese Methode ähnelt dem Representative-Sample-Ansatz und treibt die selektive Auswahl noch einen Schritt weiter. Computer berechnen, wie der Index mit der höchstmöglichen Rendite bei kleinstmöglichem Risiko nachgebaut werden kann. Die Fondsgelder werden dazu nur in die größten und liquidesten Indexwerte investiert. Auch hier kann eine Abweichung des ETF vom Index entstehen, Experten sprechen dann übrigens vom Tracking Error.
Und nun wird es exotisch: Indizes können auch mit Hilfe von Derivaten nachgebildet werden. Bei dieser Methode geht der Fonds-Emittent ein Zins-Tauschgeschäft mit einer Gegenpartei ein. Das heißt, ein variabler Zinssatz wird über eine bestimmte Laufzeit gegen einen festen Zinssatz getauscht. Oder aber der Tausch basiert auf einem Aktienkorb, der sich komplett vom Indexportfolio unterscheidet. Beispielsweise bestand laut Morningstar das Portfolio des db X-trackers DAX ETF zum 31. Dezember 2007 komplett aus japanischen Aktien. Beim Lyxor DAX ETF habe zwar der DAX den Namen gegeben, tatsächlich seien aber nur sechs DAX-Titel enthalten gewesen. Außerdem hatte der Portfoliomanager 39 Aktien eingekauft, obwohl der deutsche Leitindex nur aus 30 Werten besteht. Überraschung: Die meisten Titel waren europäische Standardwerte wie Carrefour, Unicredit oder Telefonica.
Bei dieser Replikations-Methode besteht ein Risiko durch den Ausfall der Gegenpartei (Counterparty Risk), die in den häufigsten Fällen die Muttergesellschaft des ETF-Anbieters ist. Falls der Swap-basierte Fonds kippt, hätte der Anleger beispielsweise nur noch Ansprüche auf das Sondervermögen aus japanischen Aktien. Derivate und Swaps sind kein Sondervermögen und somit im Fall eines Bankrotts nicht geschützt.
In der Finanzkrise war die synthetische Replikation ein fälliges Thema. Allerdings hat die Europäische Union für Anleger einen Schutzwall eingebaut, erläuterte Morningstar-Analyst Simon Nöth im Gespräch mit t-onlline.de: Laut der Fonds-Regulierung UCITS III ist dieses Risiko auf zehn Prozent des Fondsvermögens begrenzt. Der ETF-Anbieter muss also Sicherheiten im Wert von mindestens 90 Prozent des Nettoinventarwerts (NAV) des ETFs stellen.
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Quelle: sky , t-online.de
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