Baukonzern Hochtief spürt nichts von einer Krise (Quelle: imago)Der größte deutsche Baukonzern Hochtief hat trotz der weltweiten Krise weiterhin volle Auftragsbücher. "Die Auftragspipeline ist auch heute noch nicht abgerissen", sagte Finanzchef Burkhard Lohr. Aus Australien und den USA meldete Hochtief in den vergangenen Wochen mehrere Großaufträge. Es habe bisher nur vereinzelt Stornierungen oder Verschiebungen von Projekten gegeben. Im Mittleren Osten habe es einen Fall und in Osteuropa eine Handvoll Anfragen gegeben. Finanzierungsengpässe erwartet Lohr nicht: "Wir haben genügend Spielräume."
"Das Thema Stornierungen wird viel zu hoch gespielt", sagte Lohr. Denn sobald ein Auftrag unterschrieben sei, habe das ausführende Unternehmen den Anspruch auf die Geschäftskosten und den kalkulierten Gewinn in voller Höhe. Und sollte bereits mit den Arbeiten begonnen worden sein, dann müsse der Kunde die beauftragte Firma finanziell entschädigen. Zudem bringe ein halbfertiges Projekt dem Kunden keine Einnahmen. Selbst im Insolvenzfall würden daher die Insolvenzverwalter Bauten oft fertig stellen lassen, weil es "wirtschaftlich am vernünftigsten" sei.
Konjunkturprogramme sorgen für Aufträge
Aus dem milliardenschweren US-Konjunkturprogramm erwartet Hochtief voraussichtlich im zweiten Halbjahr erste Aufträge. "Wir sehen jetzt schon konkrete Projekte in der Angebotsphase, die wesentlich von diesem Geld gespeist werden", sagte Lohr. Mit seinen beiden US-Töchtern Turner und Flatiron sieht sich das im MDAX notierte Unternehmen als einer der größten Profiteure des weltweit umfangreichsten Konjunkturpakets. Mit 789 Milliarden Dollar (594 Milliarden Euro) will US-Präsident Barack Obama die Wirtschaft ankurbeln. Erste Wirkungen aus anderen Konjunkturpaketen wie etwa in Europa erwartet Lohr hingegen erst im kommenden Jahr.
Erfolgreiche US-Töchter
Die erst 2007 erworbene Flatiron zählt zu den führenden Straßen- und Brückenbauunternehmen in den USA. Mit dem Kauf des Hochbauunternehmens Turner waren die Essener bereits vor zehn Jahren in den US-Markt eingestiegen.
Belegschaft wird aufgestockt
Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, die im Zuge der Wirtschaftskrise Arbeitnehmer entlassen, sucht Hochtief weiter nach Personal. "In Deutschland haben wir etwa 200 offene Stellen", sagte Lohr. Im vergangenen Jahr hatte Hochtief die Zahl seiner Mitarbeiter in Deutschland um 850 auf etwa 11.000 Beschäftigte erhöht. Weltweit beschäftigt der Konzern rund 67.000 Menschen.
Dividende soll leicht steigen
Die Prognose für das Gesamtjahr 2009 bestätigte Lohr. Demnach will das Unternehmen seinen Gewinn auf dem Rekordniveau von 2008 halten. Rückgänge erwartet Hochtief allerdings bei Auftragseingang und Umsatz. 2008 war der Umsatz noch um 16 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro geklettert. Die Auftragseingänge waren um 7,5 Prozent auf 25,28 Milliarden Euro gewachsen. Unter dem Strich hatten die Essener mit 175,1 Millionen Euro knapp ein Viertel mehr als 2007 verdient. An der Dividendenpolitik soll sich auch in der Krise nichts ändern: Für 2008 will Hochtief seinen Aktionären 1,40 (Vorjahr: 1,30) Euro je Aktie zahlen.