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Hypo Real Estate: 50 Milliarden Euro Kosten für Steuerzahler?

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HRE: 50 Milliarden Euro Kosten für Steuerzahler?

06.10.2008, 14:08 Uhr | Spiegel Online

 HRE: Auf Messers Schneide. (Foto: Reuters) HRE: Auf Messers Schneide. (Foto: Reuters)Der Zeitdruck ist immens: Bevor die Börsen öffnen, will die Regierung ein neues Rettungspaket für die taumelnde Hypo Real Estate schnüren. Die alte Bürgschaft platzte, weil die Bank viel mehr Geld benötigt als bekannt. Kanzlerin Angela Merkel schaltet sich persönlich ein. #

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Ohne Einigung droht innerhalb weniger Tage die Pleite

Bis Mitternacht haben die Verhandlungspartner Zeit - länger darf es nicht dauern: Wenn am frühen Montagmorgen um ein Uhr mitteleuropäischer Zeit die Börse in Tokio startet, muss ein neuer Rettungsplan für die angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) stehen. "Wenn es bis zur Öffnung der Aktienmärkte keine Lösung gibt, hält das Unternehmen keine zwei Tage mehr durch", sagt ein Banker.

Sämtliche Banken-Vertreter werden erwartet

Später sollen Vertreter der Kreditwirtschaft dazu stoßen. Teilnehmen wird nach Informationen von "Spiegel Online" unter anderem ein Vertreter der Deutschen Bank. Die Chefs der Landesbanken und Sparkassen kommen dem Vernehmen nach heute ebenfalls zu einem separaten Krisentreffen in Berlin zusammen.

Angela Merkel schaltet sich ein

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich bald auf einer Pressekonferenz im Kanzleramt zur Finanzkrise und zur Lage der HRE äußern. Die Bundesregierung beschwor alle Beteiligten, insbesondere die privaten Banken, das ins Schlingern geratene Institut zu retten.

Rettungsplan implodierte überraschend

Die HRE hatte am Samstagabend mitgeteilt, die Banken hätten ihre Kreditzusagen zurückgezogen. Nach Spiegel-Online-Informationen aus Bankenkreisen zufolge braucht die HRE "erheblich mehr" Finanzmittel als bislang angenommen. Grund sei, dass sich die Lage bei der Tochtergesellschaft Depfa in den vergangenen Tagen massiv verschlechtert habe.

Bis zu 50 Milliarden Euro benötigt

Aus Verhandlungskreisen verlautete, bei dem DAX-Konzern bestehe bis Ende diesen Jahres ein Liquiditätsbedarf von 50 Milliarden Euro. 2009 würden noch einmal zusätzlich zehn Milliarden Euro gebraucht werden. Die Bankprüfer entdeckten in den Büchern der HRE Wertpapier-Kommissionsgeschäfte, die die Münchner Bank in ihre Bilanz einstellen muss.

Papiere der HRE nicht als Sicherheit

Diese Geschäfte bergen eigentlich keine hohen Risiken, weil dahinter Kredite an US-Kommunen stehen. Trotzdem kann die HRE die fraglichen Papiere nicht im Austausch für kurzfristige Liquidität als Sicherheit bei der Bundesbank hinterlegen - und benötigt deshalb weitere Finanzmittel. Die Alternative wäre, dass die Bundesbank beide Augen zudrückt und die Papiere der HRE als Sicherheit akzeptiert.

Steinbrück kalt erwischt

Die am Samstag Abend von der HRE versandte Pflichtmitteilung über das Platzen des Rettungsdeals traf Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) überraschend. Weder das Unternehmen selbst noch die privaten Banken hätten die Regierung im vorab über die neuen Probleme informiert, sagte sein Sprecher Thorsten Albig.

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Bis Börsenöffnung muss Lösung gefunden werden

Ziel sei es nun, bis zur Öffnung der Börsen eine Lösung zu finden. Auch das Kanzleramt sei eingeschaltet. "Zu gegebener Zeit werden der Minister und die Kanzlerin entscheiden, ob und wie sie sich einbringen", sagte der Sprecher. "Wir müssen sehen, wie wir die Scherben, die die uns vor die Tür gekippt haben, wieder zusammenkehren", erklärte er weiter.

Neuer Rettungsplan steht noch nicht fest

Wie ein neuer Rettungsplan für die HRE aussehen könnte, ist derzeit noch offen. Klar ist jedoch, dass alles auf eine wesentlich höhere Kreditlinie hinausläuft, weil der Liquiditätsbedarf der klammen HRE offenbar stark angestiegen ist. Folglich müssten alle Beteiligten - der Staat, die Großbanken, die Sparkassen und die Assekuranzen - mehr Geld zur Verfügung stellen.

Hohe Kosten für den Steuerzahler möglich

Nach Berechnungen von "Spiegel Online" betrug der staatliche Anteil an der Samstagabend geplatzten 35-Milliarden-Euro-Lösung 57,1 Prozent. Der Rest der Summe verteilte sich auf private Institute.

Theoretisch bekommen Gläubiger Geld zurück

Bei unveränderten Anteilen würde ein 70 Milliarden Euro umfassendes Rettungspaket den Finanzminister somit 39,9 Milliarden kosten. Eine 100-Milliarden-Rettungsaktion schlüge mit 57,1 Milliarden zu Buche. Theoretisch bekommen die den Kredit stellende Bundesbank sowie die anderen Gläubiger ihr Geld später von der HRE zurück - aber nur, wenn das Institut überlebt.

Vertrackte Situation macht es Bund nicht einfach

Nachdem der Liquiditätsengpass der HRE binnen weniger Tage derart explodiert ist, sind Zweifel angebracht. Steinbrück könnte demnach wenig Neigung haben, der HRE eine noch größere Summe zur Verfügung zu stellen oder die Bank gar zu verstaatlichen. "Die Situation ist nicht leichter geworden, aufgrund der neuen Zahlen", sagte Steinbrücks Sprecher Thorsten Albig gegenüber Spiegel Online. "Der Umstand, dass man uns nicht informieren konnte oder wollte, macht es auch nicht leichter".

Steinbrück: "Vor deutscher Steuer gedrückt"

Am Samstag hatte Steinbrück unter Verweis auf die Hypo einen umfassenden europäischen Bankenrettungsplan abgelehnt. "Es ist schon schwer verkraftbar, dass die deutschen Steuerzahler nun für Kapriolen von Banken in Dublin Docks einstehen sollen, die sich dort vor der deutschen Steuer gedrückt haben," sagte Steinbrück der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung " mit Blick auf die in Dublin ansässige HRE-Tochter Depfa.

Rettung ohne Beteiligung der Banken unmöglich

Ob die privaten Banken willens sind, mehr Geld zur Verfügung zu stellen ist ebenfalls unklar. Der Bund deutscher Banken reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. "Wir können nur hoffen, dass sich alle Beteiligten der Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit der Lage bewusst sind", sagte HRE-Sprecher Hans Obermeier. Eine Rettung ohne Beteiligung der Banken sei nicht möglich.

Bundesbürger laut Umfrage für Kleinanleger-Hilfen

Nach einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" fordern 71 Prozent der Deutschen, dass der Staat nicht nur Banken, sondern auch Kleinanlegern helfen soll, die ihr Vermögen infolge der Bankenkrise verlieren. Drei Viertel der Befragten sind der Ansicht, dass Manager auch mit ihrem Privatvermögen haften sollten, wenn ihre Institute in Schieflage geraten.

Banken-Rettung durch Steuergelder umstritten

23 Prozent sprachen sich dagegen aus. Die Rettung der Banken durch Steuergelder ist hingegen umstritten. 49 Prozent sagten, der Staat solle die Banken nicht vor der Pleite retten. 45 Prozent hielten dies für richtig.

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Quelle: t-online.de , Spiegel Online

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