04.12.2009, 11:44 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Hypo Real Estate wurde zu einer Bonuszahlung verurteilt (Foto: dpa)Es geht um 7000 Euro plus Zinsen, doch es könnte noch mehr werden: Einem Richterspruch zufolge muss der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) einem Angestellten nachträglich einen Bonus gewähren. Dem Münchner Geldhaus drohen weitere Zahlungen.(Az.: 26 Cs 11272/09) #
Ein Angestellter der HRE hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" beim Arbeitsgericht München eine nachträgliche Bonuszahlung für das Geschäftsjahr 2008 erstritten. Die Immobilien- und Pfandbriefbank müsse dem Urteil zufolge 7000 Euro plus Zinsen für den Zeitraum seit Mai 2008 zahlen. Das entspreche etwa einem 13. Monatsgehalt. Das Gericht habe die Bank außerdem dazu verpflichtet, auch für das Jahr 2009 eine Bonusvereinbarung abzuschließen. Anwalt Knut Müller, der das Urteil erwirkt hat, sprach von weiteren anhängigen Verfahren. Auch andere Beschäftigte verklagten die Bank bereits.
HRE immer noch in den roten Zahlen
Die HRE war vor gut einem Jahr beinahe pleite gegangen und musste vom Staat mit mehr Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro gerettet werden als jedes andere Kreditinstitut in Deutschland. Die Immobilien- und Pfandbriefbank hatte zuletzt Verluste in Milliardenhöhe verzeichnet.
Weitere Fälle dürften folgen
Müller sagte, das Geldhaus wäre "gut beraten, sich nun mit allen betroffenen Mitarbeitern auf Bonuszahlungen zu einigen". Solche Zahlungen seien in den Arbeitsverträgen regelmäßig vorgesehen gewesen. Das sei zwar teilweise unterschiedlich geregelt gewesen, "aber Boni waren Standard". Nach seiner Einschätzung gehe es um Fälle bis hinein in das mittlere Management. Frühere Vorstände sind von diesen Verfahren und Auseinandersetzungen nicht betroffen.
Neuer Chef wollte Boni stoppen
Der im Herbst 2008 nach der Beinahepleite bei der HRE als Vorstandschef eingesetzte Axel Wieandt und dessen Kollegen hatten einige Monate später entschieden, keine Boni mehr zu gewähren. Wieandt schwor die damals noch rund 2000 Mitarbeiter in einem Rundschreiben auf einen strikten Sparkurs ein. Für das vergangene Geschäftsjahr und auch für dieses Jahr werde es zusätzlich zum normalen Gehalt nichts mehr geben. Die wirtschaftliche Lage der Bank rechtfertige kein anderes Vorgehen, schrieb Wieandt.