Hypo Real Estate warnt vor Einschnitten. (Foto: dpa)Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) will sein Überleben mit einem radikalen Umbau sichern. Das Management überarbeite derzeit mit höchster Priorität das Geschäftsmodell, um es an die nachhaltig veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, sagte der neue Vorstandschef Axel Wieandt in München bei der Vorlage der endgültigen Quartals-Zahlen. Die Umstrukturierung werde allen Beteiligten schwierige Entscheidungen abverlangen. Einzelheiten zum künftigen Geschäftsmodell nannte er aber nicht und ließ auch offen, ob es zu einem Stellenabbau kommen wird. Zudem traten am Montag zahlreiche Aufsichtsratsmitglieder zurück. Finanzchef Markus Fell bekräftigte, dass auch das kommende Jahr noch von der Finanzkrise geprägt sein werde.
Um eine Pleite zu verhindern, hatte der Konzern in der vergangenen Woche 50 Milliarden Euro erhalten, die ihm Banken und Bund Anfang Oktober nach einer dramatischen Rettungsaktion zugesichert hatten. Zusätzlich will der Konzern weitere Unterstützung aus dem Rettungspaket des Bundes beantragen. Die Liquiditätskrise bedrohe noch immer die Existenz der Gruppe, sagte Wieandt. Die Unterstützung durch Finanzwirtschaft, Bundesbank, Bundesregierung und Finanzmarktstabilisierung sei unerlässlich: "Eine hinreichende Refinanzierung des Unternehmens allein über die Geld- und Kapitalmärkte ist der Hypo Real Estate Group vorerst nicht möglich".
Aufsichtsrat ausgetauscht
Hypo Real Estate wechselt wegen der milliardenschweren Hilfsaktion von Bund und Banken fast seinen gesamten Aufsichtsrat aus. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender soll der frühere Deutsche Bank-Manager Michael Endres werden, teilte der Konzern mit. Er tritt die Nachfolge von Klaus Pohle an, der das Kontrollgremium in den vergangenen Wochen übergangsweise geleitet hatte. Neben Pohle erklärten sieben weitere Aufsichtsratsmitglieder der Hypo Real Estate ihren Rücktritt, darunter auch der frühere Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer. Im Amt bleiben somit nur die drei Mitglieder des Aufsichtsrats, die mit dem Großaktionär J.C. Flowers verbunden sind.
2,5 Milliarden Euro Abschreibung wegen der Depfa
Vor Steuern entstand bei der Hypo Real Estate im dritten Quartal ein Verlust von 3,1 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 237 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Schuld an dem dicken Minus war vor allem der irische Staatsfinanzierer Depfa - die Abschreibungen auf die Tochter summierten sich zwischen Juli und September auf 2,5 Milliarden Euro. Hinzu kamen Belastungen aus dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, dem Engagement in Island und der Beteiligung an der australischen Babcock & Brown. Weitere Belastungen schlugen sich in der Neubewertungsrücklage nieder: Sie lag 3,28 Milliarden Euro im Minus, Anfang des Jahres hatte sie noch bei minus 1,86 Milliarden Euro gelegen.
Rückstellungen werden aufgestockt
Die operativen Erträge lagen im dritten Quartal mit 345 Millionen Euro im Minus nach einem Plus von 412 Millionen Euro im Vorjahr. Sowohl Handelsergebnis als auch Finanzanlageergebnis waren wegen der Belastungen negativ - beide lagen über 300 Millionen Euro im Minus. Der Zinsüberschuss inklusive "ähnlicher Erträge" erreichte mit einem Plus von 354 Millionen in etwa das Vorjahresniveau. Für faule Kredite legte die HRE mit 177 Millionen Euro überraschend viel zurück - im Vorjahr waren es noch 17 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss halbierte sich auf 35 Millionen Euro.
Neue Einschnitte geplant
Finanzchef Markus Fell bekräftigte, dass auch das kommende Jahr noch von der Finanzkrise geprägt sein werde. "Die notwendige Umstrukturierung der Hypo Real Estate Group und die Kosten der vereinbarten oder geplanten Liquiditätslinien und Kapitalhilfen werden auch 2009 für erhebliche Belastungen im Konzernergebnis sorgen", sagte er. Wie bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt, war das Institut im dritten Quartal wegen Milliardenbelastungen durch die Tochter Depfa tief in die roten Zahlen gerutscht.
Börse reagiert gelassen
Die endgültigen Zahlen sorgten zunächst für Skepsis: "Es sieht so aus, als seien die in so ziemlich allem investiert gewesen, was bankrott gegangen ist", lautete das geschockte Urteil des Börsianers. Christoph Bossmann, Analyst bei der WestLB, erklärte nach den Zahlen, er werde sein Kursziel überprüfen, das "Reduce"-Anlageurteil behalte er dagegen vorerst bei. Die vorgelegten Zahlen hätten im Rahmen der vorläufigen Daten der vergangenen Woche gelegen, erklärte der Experte. Er begründete seine Anlageempfehlung mit dem Ausblick für 2009 und der hohen Wahrscheinlichkeit einer nötigen Rekapitalisierung. Die Reaktion der Börse fiel verhalten aus: Die Aktie stieg im Vormittags-Handel zunächst um 4,9 Prozent an; das Plus schrumpfte aber bis 13.00 Uhr wieder auf 0,3 Prozent bei 3,25 Euro zusammen.