Stand von IBM auf der Cebit "Big Blue" sorgt für schlechte Laune: IBM hat im dritten Quartal zwar Umsatz und Ergebnis gesteigert und seine Jahresschätzung für das Aktienergebnis moderat angehoben. Die Börse hatte jedoch mehr erwartet. Die IBM-Aktie reagierte auf die Zahlen nachbörslich mit Verlusten. Nachdem sie vor Bekanntgabe der Quartalsbilanz bereits um rund zwei Prozent gefallen war, sank sie nach Börsenschluss um weitere 3,8 Prozent. Allerdings hat der IBM-Titel seit Jahresbeginn auch um mehr als ein Viertel zugelegt.
Vor allem das Software-Geschäft des IT-Giganten legte kräftig zu. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um acht Prozent auf 26,2 Milliarden Dollar (19,1 Milliarden Euro), wie IBM in Armonk im US-Bundesstaat New York mitteilte. Damit blieb das im Dow Jones notierte Unternehmen aber leicht hinter der durchschnittlichen Analystenprognose von 26,3 Milliarden Dollar zurück. Unterm Strich blieben als Gewinn 3,8 Milliarden Dollar und damit sieben Prozent mehr hängen. Das operative Ergebnis je Aktie stieg von 2,82 auf 3,28 Dollar und übertraf damit die von den Analysten erwarteten 3,22 Dollar.
Die Schwellenländer hätten maßgeblich zu dem Wachstum beigetragen, sagte Konzernchef Samuel Palmisano. Er hob zum wiederholten Male die Jahresprognose an und will nun operativ mindestens 13,35 Dollar je Aktie verdienen nach bisher "mindestens 13,25 Dollar". Die Analystenerwartungen liegen zurzeit im Schnitt bei 13,22 Dollar.
IBM als Barometer für den Markt
IBM gilt wegen seiner breiten Angebotspalette als Gradmesser für die gesamte IT-Branche und darüber hinaus. In Kürze legen mit Intel und Apple weitere Schwergewichte aus der Technologie-Welt ihre Zahlen vor. Ihre Zwischenergebnisse geben auch Aufschluss darüber, ob die Euro-Schuldenkrise sich schon im Kaufverhalten von Firmen und Privatkunden bemerkbar macht.
"Big Blue", wie IBM genannt wird, verdient das meiste Geld mit Computer-Dienstleistungen wie dem Betrieb von Rechenzentren. Derartige Services sind gemeinhin wesentlich lukrativer als der Verkauf von Geräten. Auch Konkurrenten wie Hewlett-Packard oder Dell bauen deshalb in dieser Sparte massiv aus. Software gilt ebenfalls als hochprofitabel; diese IBM-Sparte wuchs überdurchschnittlich um 13 Prozent.
Aus dem wenig einträglichen Geschäft mit Computern für Verbraucher hat sich IBM dagegen längst zurückgezogen. Bei leistungsstarken Firmenrechnern ist IBM aber weiterhin eine feste Größe. Über Server aus Armonk läuft etwa ein guter Teil des Internet-Datenverkehrs, der stetig zunimmt. Der schärfste Rivale ist die Softwarefirma Oracle, die den Spezialisten Sun Microsystems geschluckt hatte.