Raucht es hier demnächst weniger? Der ifo-Index fällt (Foto: imago)Die explodierenden Energiepreise haben der deutschen Wirtschaft im Juni einen überraschend deutlichen Stimmungsdämpfer versetzt. Der Geschäftsklimaindex ging im Juni auf 101,3 Punkte zurück, wie das ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München mitteilte. Der Index notiert damit auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2005. Experten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang des Konjunkturbarometers auf 102,5 Punkte gerechnet. Im Mai hatte sich der Index noch bei 103,5 Zählern bewegt und sich damit entgegen der Erwartungen etwas verbessert.
Die Unternehmen beurteilten im Juni neben den Zukunftserwartungen auch ihre derzeitige Situation eindeutig skeptischer. Entsprechend gab auch der Index für die aktuelle Geschäftslage von 110,1 Punkten im Mai auf 108,3 Punkte im Juni. Der Erwartungsindex verschlechterte sich von 97,2 auf 94,7 Punkte. Für den ifo-Index werden monatlich rund 7000 Unternehmen verschiedener Branchen nach ihrer derzeitigen Situation und ihren Zukunftsperspektiven für die kommenden sechs Monate befragt. Der ifo-Index gilt als wichtigster Konjunkturindikator in Deutschland.
Energie belastet
“Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offensichtlich zunehmend die deutsche Wirtschaft“, erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Ifo-Ökonom Gernot Nerb ergänzte: “Man sieht, dass sich die Konjunktur doch abschwächt.“ Derzeit sei dieser Trend zwar noch nicht dramatisch. Es bleibe aber abzuwarten, wie sich die US- und die Weltkonjunktur in den kommenden Monaten entwickeln. Dann werde sich zeigen, ob es sich nur um einen Dämpfer oder um eine stärkere Abschwungtendenz handele, sagte Nerb der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Auslandsgeschäft stagniert
Vor allem in der Industrie kühlte sich das Klima deutlich ab. Der Arbeitsplatzaufbau in der Branche dürfte daher an Kraft verlieren, sagte Nerb. “Die Beschäftigungspläne wurden deutlich gedämpft.“ Vom Auslandsgeschäft erwarten sich die Industrie-Unternehmen in den kommenden Monaten geringere Impulse. Trotz des starken Euro sei aber kein Export-Einbruch zu erwarten.
Inlandsnachfrage rückläufig
Allerdings zeichne sich eine zunehmende Abschwächung der Inlandsnachfrage ab, sagte der Konjunkturexperte weiter. Im Groß- und Einzelhandel trübte sich im Juni die Stimmung ein. Die Einzelhändler zeigten sich zwar etwas zufriedener mit ihrer derzeitigen Situation, blickten aber merklich skeptischer in das kommende halbe Jahr. “Man befürchtet offenbar, dass durch die hohen Energiepreise Kaufkraft abgezogen wird“, erläuterte Nerb. In der Bauwirtschaft hellte sich die Stimmung dagegen dank günstigerer Urteile zur derzeitigen Geschäftslage etwas auf. “Die Aussichten für die kommenden Monate schätzten die Bauunternehmen unverändert verhalten optimistisch ein.
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