Prognosen werden zuversichtlicher - mehr Firmenpleiten
09.09.2009, 17:45 Uhr | dpa, AFP, AP
Die Konjunktur kommt in Fahrt (Foto: ddp)Die tiefe Talfahrt der deutschen Wirtschaft ist nach Einschätzung von Experten gestoppt. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet für das Gesamtjahr 2009 zwar noch mit einem deutlichen Rückgang des Wirtschaftswachstums von 4,9 Prozent, zuvor hatten die Ökonomen aber ein Minus von sechs Prozent erwartet. Positivere Prognosen für die Konjunktur veröffentlichten auch der Bankenverband und die Bank Barclays.
Die Forscher des IfW erwarten in ihrer Herbstprognose für 2010 ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent. Auch die Arbeitslosigkeit werde sich nicht so schlimm entwickeln wie noch im Sommer befürchtet. Bis Ende 2010 werde die Zahl der Arbeitslosen demnach auf 4,2 Millionen steigen. Grund für die optimistischere Haltung sei unter anderem der anziehende private Konsum, mehr Aufträge für die Bauindustrie wegen der Konjunkturpakete und eine steigende Auslandsnachfrage. Ihr Fazit: "Der Konjunktur-Einbruch in Deutschland ist zu Ende gegangen."
Barclays: Wirtschaft legt derzeit stärker zu als gedacht
Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Berechnungen von Barclays berichtet, die von der Bank für die Zeitung erstellt werden, dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Quartal um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal und damit stärker als gedacht zulegen. Für das Gesamtjahr halte es die Bank für möglich, dass das Wirtschaftswachstum um 4,8 Prozent schrumpft. Die offizielle Prognose der Bundesregierung liegt bei minus sechs Prozent.
Bankenverband erwartet bescheidenen Anstieg
Auch der Bundesverband deutscher Banken rechnet für das zweite Halbjahr mit einem bescheidenen Anstieg der Wirtschaftsleistung, der sich in vierteljährlichen Raten von etwa einem Viertel Prozent ausdrückt. "Doch auch dann bleibt 2009 das mit weitem Abstand schlechteste Jahr Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg", schreiben die Experten. Gegen die reale Schrumpfung um rund fünf Prozent nehme sich selbst 1975 als zweitschlimmstes Rezessionsjahr der Bundesrepublik mit einem Rückgang um 0,9 Prozent bescheiden aus.
2010 erfolgt Belastungstest
Der Bankenverband prognostiziert zudem, dass sich das Tempo aus dem zweiten Halbjahr im nächsten Jahr nicht fortsetzen wird. Bereits Anfang 2010 werde eine Schwächephase einsetzen. "Dann muss der Patient Weltwirtschaft lernen, ohne Krücken - sprich: Konjunkturpakete und Lageraufbau - zu laufen." Hinzu kämen weitere Belastungen: In den USA
Weniger Industrieumsatz
Für Skepsis sorgen auch aktuelle Zahlen aus der Industrie, die weiterhin deutlich weniger umsetzt als vergangenes Jahr. Laut Statistischem Bundesamt ging der Umsatz im verarbeitenden Gewerbe im Juli arbeitstäglich- und preisbereinigt um 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Die negative Entwicklung schwächt sich aber ab: Im Juni hatte das Minus im Vorjahresvergleich noch 17,7 Prozent betragen, im Mai lag es bei 19 und im April sogar bei 23,3 Prozent.
Mehr Firmenpleiten
Zudem rollt eine Pleitewelle durch Deutschland. In den ersten sechs Monaten 2009 mussten laut Bundesamt 16.142 Firmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten, 14,8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Insolvenzverwalterverband VID warnte deshalb davor, von 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal gleich auf eine nachhaltige Erholung zu schließen. Erstens gehe die Erholung von einem historischen Tief aus. Zweitens seien hier vermutlich Einmaleffekte am Werk, die durch staatliche Hilfen ausgelöst worden seien. Und drittens stehe bei wichtigen Schlüsselbranchen eine nachhaltige Erholung noch in weiter Ferne. Dies gelte etwa für die Automobilindustrie, den Maschinenbau und die Möbelindustrie.