IG Metall erwartet Entlassungen nach Bundestagswahl
22.07.2009, 15:42 Uhr | mfu
IG will Zunahme der Arbeitslosigkeit verhindern (Quelle: ddp)Die IG Metall befürchtet Entlassungen in großem Stil nach der Bundestagswahl. Einige "Unternehmen schieben ganz offenbar mit Blick auf die Bundestagswahl am 27. September Entlassungen aus politischen Gründen hinaus", schreibt IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer in einem Beitrag für die "Frankfurter Rundschau".
"Das Muster ist aus 2005 noch in Erinnerung." Kurz nach dem Wahltag hätten Unternehmen damals den Abbau von mehreren Zehntausend Arbeitsplätzen verkündet. Um Entlassungen zu vermeiden, schlägt Schwitzer ein Moratorium vor. Darin sollen sich die Beteiligten verpflichten, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und die möglichen 24 Monate Kurzarbeit voll auszuschöpfen.
Auch Arbeitsagentur soll sich an Moratorium beteiligen
Neben der Bundesregierung, Unternehmen und Gewerkschaften müsse die Bundesagentur für Arbeit an einem solchen Moratorium beteiligt sein. Damit könne eine unbürokratische Genehmigung von Kurzarbeit und eine ebenso unbürokratische Förderung von Qualifizierungen gesichert werden.
IG Metall fordert Arbeitszeitverkürzung
Gleichzeitig sind aus Sicht der IG Metall weitere Instrumente zur Beschäftigungssicherung notwendig. Ein denkbares Mittel sei die Arbeitszeitverkürzung. Denn die IG Metall gehe davon aus, dass das Arbeitsvolumen bis 2013 im besten und zugleich unwahrscheinlichsten Fall einer schnellen wirtschaftlichen Erholung um zehn Prozent sinken werde. "Ziel sollte weiter sein, die Brücke zu erneuern, über die Ältere zu akzeptablen Bedingungen früher aussteigen können", schreibt Schwitzer. Das schaffe zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten für Jüngere.
Kannegiesser warnt vor harten Einschnitten
Auch führende Arbeitgebervertreter befürchten derweil eine Zunahme der Arbeitslosenzahlen. Die deutsche Industrie steuert laut dem Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, trotz erster positiver Konjunktursignale auf eine Phase harter Einschnitte zu. "Viele Betriebe rutschen inzwischen von der Konjunkturkrise in eine Strukturkrise", sagte Kannegiesser dem "Handelsblatt". Damit wachse der Druck auf die Unternehmen, mit "Anpassungen" bei Personalkosten und Beschäftigung zu reagieren.