09.04.2010, 14:15 Uhr | Financial Times Deutschland
Neue Spekulation über die Zukunft vor Karstadt (Foto: Reuters)Am Montag treffen sich erneut die Gläubiger - dann sollen die Verkaufsgespräche in Schwung kommen. Doch die Abwicklung von Karstadt droht in einem Desaster zu enden. Ungute Erinnerungen an Quelle werden wach.
Insolvenzverwalter fürchtet Deja-vu
Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg fürchtet ein Deja-vu. Wenn um das letzte April-Wochenende die bindenden Gebote für die Karstadt-Warenhäuser abgegeben werden sollen, könnte sein Briefkasten ebenso leer bleiben wie ein halbes Jahr davor bei der Schwestergesellschaft Quelle, die anschließend binnen Wochen abgewickelt wurde.
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Quelle-Desaster treibt die Gläubiger um
"Das steckt ihm noch in den Knochen", sagt ein Vertrauter. Das Quelle-Desaster treibt auch die Gläubiger um, die sich am Montag in Essen zu ihrer zweiten Versammlung treffen. Sie sollen mit der Zustimmung zum Insolvenzplan den Startschuss für die heiße Phase von Verkaufsverhandlungen geben. Aber das Interesse ist mäßig. Zwar haben sich in den vergangenen Wochen sechs Finanzinvestoren in die Bücher des Überbleibsels von Arcandor vertieft. Dazu bekennen will sich keiner: Weder Apollo, Pamplona, Permira, TPG, Blackstone noch Sun Capital wagen sich aus der Deckung.
Bieter hoffen auf zweite Chance
Die meisten von ihnen spekulieren auf die zweite Chance: sich aus den 120 Karstadt-Häusern die rentabelsten herauszusuchen und sie mit der Metro-Tochter Kaufhof in einer "Deutschen Warenhaus AG" zu bündeln. Metro könnte daran mit Minderheit zunächst beteiligt bleiben.
Kontakte zwischen Investoren und Metro
"Alles andere entbehrt jeder Logik", sagt ein auf den Handel spezialisierter Restrukturierungsberater, der ungenannt bleiben will. Kontakte zwischen mehreren an Karstadt interessierten Investoren und Metro gibt es längst. Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes hofft, die ungeliebte Tochter Kaufhof auf diese Weise noch in diesem Jahr loszuschlagen. Erste Vorbereitungen laufen schon. "Eine Lösung muss es noch im April geben", sagt ein Banker, der einen der Investoren vertritt.
Verwalter in der Sackgasse?
Denn der erfahrene Verwalter hat sich mit dem Insolvenzplan für Karstadt womöglich in eine Sackgasse manövriert. Zwar hat Görg Vermieter - allen voran das Konsortium Highstreet um die Banken Goldman Sachs und Deutsche Bank -, Logistikunternehmer und die Vertreter der 26.000 Mitarbeiter zu Zugeständnissen in deutlich dreistelliger Millionenhöhe bewegt.
Keine Pflicht Höchstgebot anzunehmen
Wenn Görg aber nur den Konzern zusammenhält, könnte er ihn beinahe verschenken. Von der Pflicht, das höchste Angebot anzunehmen, haben ihn die Gläubiger schon im Herbst ausdrücklich befreit. Sie geben sich vorab mit einer Quote von drei Prozent ihrer Forderungen zufrieden.
"Sanierung light" missfällt potenziellen Käufern
Doch der Preis dafür ist hoch: Alle übrig gebliebenen 120 Häuser müssen in einem Rutsch verkauft werden, alle müssen bis Herbst 2011 geöffnet bleiben. Diese "Sanierung light" missfällt potenziellen Käufern. Und Görg muss den Zuschlag bis zum 30. April erteilen - sonst ist der Plan hinfällig. "Dann stehen wir wieder da, wo wir im Juli 2009 waren, als Arcandor Insolvenz angemeldet hat", sagt ein Mitarbeiter des Verwalters. Dessen Sprecher beruhigt: "Wir machen jetzt alles Schritt für Schritt, erst die Gläubigerversammlung, dann gehen wir in die Endphase der Investorengespräche."
Interessenten machen sich rar
Doch in der Karstadt-Zentrale ist Verunsicherung zu spüren: Einige der sechs Interessenten haben sich seit Wochen nicht sehen lassen. "Wir sind verhalten optimistisch", heißt es. Görgs Team macht sich längst Gedanken über "Plan B", wenn sich kein Käufer findet. Sogar ein Börsengang oder ein Genossenschaftsmodell wird durchgespielt. Denn in die Häuser muss investiert werden. Ein dreistelliger Millionenbetrag käme schnell zusammen. "Was man hier bräuchte, wäre ein Unternehmer", seufzt ein Mitarbeiter Görgs.
Schließung von Karstadt-Häusern wahrscheinlich
Wahrscheinlicher aber ist, dass Görg ab Mai nach und nach jene Karstadt-Häuser schließen muss, die mehr Geld verbrauchen als sie verdienen. Der deutsche Einzelhandel, der überraschend gut durch die Rezession gekommen war, ist schwach in das Jahr 2010 gestartet. "Görg hätte nicht so lange warten dürfen", rügt ein Insolvenzexperte.
Angst vor miesen Schlagzeilen
Aber je kleiner das Karstadt-Paket wird, desto attraktiver wird es. Denn gerade die gescholtenen "Heuschrecken" wollen tunlichst vermeiden, mit der Entlassung von Tausenden Verkäufern und Verkäuferinnen Schlagzeilen zu machen. "Um eine Fusion von Karstadt und Kaufhof zum Erfolg zu machen, muss die Hälfte der Warenhäuser stillgelegt werden", sagt ein Banker.
"Gegen Karstadt war Quelle ein Spaziergang"
Doch selbst dann ist die Deutsche Warenhaus AG längst nicht ausgemachte Sache. "Gegen Karstadt war Quelle ein Spaziergang", sagt einer aus dem Team des Insolvenzverwalters. "Das ist so komplex, dass gut und gerne auch gar nichts passieren kann", sagt ein Banker.