Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz (Foto: dpa) Unter Deutschlands Reichen geht zunehmend das "Schickedanz-Syndrom" um. Viele Wohlhabende fürchten das Schicksal der Quelle Erbin Madeleine Schickedanz, die im Zuge der Arcandor-Insolvenz vermutlich einen Großteil ihres Vermögens verlieren dürfte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Danach gelten aktuell rund sieben Prozent der Deutschen als reich, vor zehn Jahren waren dies erst fünf Prozent, aber nur ein Prozent ist derzeit völlig frei von materiellen Sorgen.
"Insgesamt nimmt der gesellschaftliche Stress in Deutschland zu“, sagte der Autor der DIW-Studie, Olaf Groh-Samberg. "Die Ergebnisse spiegeln die steigende Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt und in jüngerer Zeit auch auf dem Kapitalmarkt sowie gegenüber der sozialstaatlichen Absicherung wider“, sagte Groh-Samberg.
Durchschnittliches Nettoeinkommen bei 2600 Euro
Zu den Reichen zählt die Studie Personen, die mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Nettoeinkommens pro Haushalt verdienen, das aktuell bei 2600 Euro liegt. Zudem besäßen sie etwa sechs- bis siebenmal mehr Vermögen als der Durchschnittsdeutsche. "Diese Reichtumsschwelle ist aber willkürlich gewählt. Das Einkommen kann zeitweise schwanken und die tatsächliche finanzielle Lage deutlich anders aussehen als das verfügbare Einkommen“, so Olaf Groh-Samberg. Der Sozialforscher hat daher den Reichtum mit den Sorgen über die persönliche wirtschaftliche Lage verknüpft. "Wer wirklich reich ist, sollte auch frei von materiellen Sorgen sein.“
Bis zu siebenmal mehr Vermögen als der Durchschnittsdeutsche
Die typischen Wohlhabenden ohne Sorgen seien älter, lebten zu zweit ohne Kinder in einem Eigenheim in westdeutschen Bundesländern. Von den berufstätigen "sorgenfreien Reichen" arbeite über die Hälfte (53 Prozent) als Beamte im öffentlichen Dienst, meist in leitenden Positionen.
Viele mittlere Angestellte und Selbständige unter den besorgten Reichen
Es handle sich um eine hoch privilegierte Gruppe, "die sich von den besorgten Reichen vor allem durch ihre bevorzugte berufliche Stellung unterscheidet", sagte Olaf Groh-Samberg. So ist der Anteil der Beamten unter den Wohlhabenden, die sich um ihren Status sorgen, wesentlich niedriger. Dort dominieren die mittleren Angestellten und die Selbständigen, die ungleich stärker von Arbeitslosigkeit und Rezession als die Beamten betroffen sind.