Inflation - alles wird teurer (Foto: Archiv)Die Inflationsrate in Deutschland liegt aktuell bei 3,3 Prozent. Zwar ist sie seit Juni nicht mehr gestiegen, trotzdem ist es der höchste Stand seit 15 Jahren. Viele Verbraucher können trotzdem nicht glauben, dass die Inflationsrate so niedrig sein soll. Beim Einkauf haben sie das Gefühl, dass fast alles deutlich teurer geworden ist. Und an der Tankstelle war es im Frühjahr und Sommer ja augenfällig: Ein Anstieg von 1,40 Euro auf einen 1,58 Euro pro Liter Super sind keine 3,3, sondern fast 13 Prozent.
Rechnet das Statistische Bundesamt also falsch? Oder überbewerten die Verbraucher die eigene Inflation? Die Antwort lautet Nein auf beide Fragen. Nadin Sewald vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden erklärt von t-online.de/wirtschaft, wie die gesamte Inflationsrate zustande kommt. Betrachtet man nur einzelne Bereiche des zugrundeliegenden sogenannten Warenkorbs, wie zum Beispiel Lebensmittel, sieht die Teuerungsrate ganz anders aus. Dann liegt sie deutlich höher. Allerdings gilt es zu bedenken: Wir geben schließlich nicht unser ganzes Geld für Essen und Benzin aus.
Trügerische Erinnerung an frühere Preise
Ein Fluch, wenn man so will, ist auch der relativ einfache Umrechnungsfaktor zwischen DM und Euro. Wer heute noch den Euro-Preis "verdoppelt", um ihn mit DM-Zeiten zu vergleichen, begeht möglicherweise in zweifacher Hinsicht Selbstbetrug. Erstens wären die heutigen DM-Preise nach sechs Jahren auch gestiegen - die Ölpreissteigerung hätte auch hier beispielsweise kräftig durchgeschlagen. Und zweitens trügt auch die Erinnerung an das, was die Dinge früher vermeintlich gekostet haben, als ja angeblich alles noch so billig war.
Was kostete noch mal...
Eine - nicht repräsentative - Blitz-Umfrage unter den Kollegen von t-online.de/wirtschaft ergab, dass die Preise der Vergangenheit gleichermaßen über- wie unterschätzt werden. So wären einige Kollegen bereit gewesen, 1980 für eine Kinokarte bis zu 6 Euro zu zahlen, obwohl sie nur 3,31 Euro kostete. Beim Heizöl reichten die Schätzungen von 15 bis 50 Euro für 100 Liter. Der wahre Preis lag 1980 bei 31,71 Euro. Für maximal 15 Euro konnte man zuletzt 1975 den Haustank füllen, 50 Euro kostete es zum ersten Mal 2005. Über die weiteren Schätzungen und die tatsächlichen Preise gibt die folgende Tabelle Aufschluss.
Was kosteten diese Produkte 1980?
Destatis
T-Online-Schätzung
1 Liter Vollmilch
0,58 Euro
0,25 - 0,75 Euro
10 Eier, Gütekl. A
1,29 Euro
0,50 - 2,15 Euro
250 g Deutsche Markenbutter
1,20 Euro
0,35 - 0,80 Euro
1 Kilo Roggenbrot
1,32 Euro
0,90 - 2,50 Euro
1 Kilo Zucker
0,88 Euro
0,35 - 0,90 Euro
100 g Vollmilch-Schokolade
0,61 Euro
0,30 - 0,50 Euro
1 Kilo Mehl (Type 405)
0,66 Euro
0,3 - 0,85 Euro
500 g Bohnenkaffee (gemahlen)
5,88 Euro
1,50 - 4,00 Euro
100 Liter leichtes Heizöl
31,71 Euro
15,00 - 50,00 Euro
1 Liter Normalbenzin
0,58 Euro
0,50 - 0,70 Euro
1 Kinokarte
3,31 Euro
3,50 - 6,00 Euro
Daten: Destatis; t-online.de/wirtschaft
Prof. Volker Wieland, Center for Financial Studies, Universität Frankfurt (Screenshot: t-online.de)
Feste Preise gegen Inflation?
Mancher Verbraucher wünscht sich vielleicht, dass Preise festgeschrieben wären und es damit keine Inflation gäbe. spricht sich der Frankfurter Professor Volker Wieland allerdings gegen solche staatlich verordneten Festpreise aus. Er weist darauf hin, dass Preise eine Signal- und Steuerungsfunktion am Markt haben und Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen. Feste Preise würden den Markt außer Kraft setzen. Das entspräche der Planwirtschaft aus Sowjet- oder DDR-Zeiten, die bekanntlich die Wünsche und Bedürfnisse der Verbraucher nicht befriedigen konnte.