An steigenden Kraftstoffpreisen lassen sich Inflationstendenzen ablesen (Foto: dpa) Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise bekämpfen die Notenbanken bekanntlich mit Milliardenspritzen - die Geldmenge steigt. Da gleichzeitig die Leitzinsen niedrig bleiben, um die Konjunktur nicht abzuwürgen und so neue Schuldenkrisen zu provozieren, steigt die Gefahr einer Geldentwertung. Manch Experte, wie etwa der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, rechnet mit einem Anstieg der Inflation auf vier bis sechs Prozent in den kommenden Jahren. Möglich sei sogar eine noch höhere Geldentwertung: "Ich hoffe, dass wir nicht sogar zweistellige Inflationsraten bekommen", sagte Börner der Zeitung "Die Welt".
Börner erwartet, dass vor allem die steigenden Kosten für Rohstoffe die Inflation treiben werden. "Wir werden die Inflation vor allem über die höheren Rohstoffpreise importieren. Höhere Zinsen könnten die Inflation bremsen, aber die EZB wird sich schwertun, in den kommenden Monaten die Zinsen zu erhöhen", sagte Börner. "Mit Rücksicht auf die Peripherie" - also die kriselnden Euro-Länder - werde die EZB die Zinsen "gar nicht oder nur zögerlich anheben".
Breite Streuung von Geldanlagen empfohlen
Bleibt die Frage, wie Sparer und Anleger auf diese Perspektive reagieren sollen. Geht es nach Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, sollten Anleger ihr Geld möglichst breit streuen. Auf diese Weise könne sich jeder auch gegen das Risiko der Inflation schützen.
Euro-Kaufkraft schwächelt
Die Inflationsrate in Deutschland war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2010 auf 1,1 Prozent geklettert. Zudem hatte die "Bild"-Zeitung eine Studie der Allianz veröffentlicht, wonach der Euro seit dem Start der Währungsunion knapp 22 Prozent an Wert verloren hat. Im Vergleich zum Januar 1999 hat 1 Euro im Durchschnitt aller Mitgliedsländer eine Kaufkraft von etwas mehr als 78 Cent.
"Einen Vollkaskoschutz für das Depot gibt es nicht", sagte Nauhauser. Für langfristige Anleger sei es sinnvoll, ihr Geld nicht nur in eine Anlageform zu investieren. "Sie sollten auch Sachwerte kaufen." Diese seien von der Inflation nicht so stark betroffen. Als Beispiele nannte Nauhauser Gold, Aktien oder Immobilien. Allerdings komme es hier auf die Auswahl an. Bei Aktien etwa böten sich statt Einzelwerten eher Indexfonds an. Als Schwerpunkt bieten sich Fonds an, die in den Deutschen Aktienindex DAX investieren.
Eine eher schlechte Wahl seien derzeit Tagesgeld-Konten, sagte Nauhauser. "Dort verlieren Kunden eher Geld." Der Grund: Die Zinssätze seien auf einem niedrigen Niveau, teils lägen sie unter der Inflationsrate.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war die durchschnittliche Inflationsrate 2010 in Deutschland mit 1,1 Prozent zwar noch moderat. Im Euro-Raum schlugen die höheren Energiepreise indes deutlicher auf die Verbraucherpreise durch. Sie erhöhten sich im Jahresdurchschnitt 2010 gegenüber 2009 um 1,6 Prozent, wie die Statistik-Behörde Eurostat berichtete. Im Dezember kletterte die Inflation im Euroraum sogar erstmals seit mehr als zwei Jahren über die wichtige Marke von zwei Prozent.
Im Nicht-Euroland Großbritannien sieht's noch düsterer aus. Nach Milliardenspritzen für seine maroden Banken zeichnet sich im Vereinigten Königreich das Risiko einer Inflation deutlich ab. Die Teuerungsrate lag im Dezember 2010 nach offiziellen Angaben vom Dienstag bei 3,7 Prozent - volkswirtschaftliches Ziel sind 2 Prozent. Die Analysten hatten zuvor eine Inflation von 3,4 Prozent erwartet.