
05.01.2012, 07:32 Uhr | Financial Times Deutschland
Weil seine Frau gute Gewinne mit Devisengeschäften machte, steht der Chef der Schweizerischen Nationalbank Phillip Hildebrand in der Kritik. Angestoßen hat die Diskussion sein Intimfeind Christoph Blocher - mit gestohlenen Bankunterlagen.
Seit Weihnachten köchelt bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ein kleiner Skandal. Es geht um unklare Geldgeschäfte, Bruch des Bankengeheimnisses, Insiderhandel und das Image der Währungshüter. Denn Kashya Hildebrand, Frau des Präsidenten der SNB Philipp Hildebrand, hatte am 15. August Devisen gekauft, und zwar Dollar im Wert von damals gut 500.000 Franken.
An sich nichts Verwerfliches - aber gut drei Wochen später setzte die SNB einen Mindestkurs zum Euro fest. Und zuvor intervenierte sie mehrfach am Devisenmarkt. Kashya Hildebrand machte Medien zufolge einen Gewinn von mehr als 60.000 Franken. Ein anonymer Hinweis unterstellt, dass sie von der SNB-Aktion gewusst habe und damit ein illegales Insidergeschäft auf den Weg gebracht hatte.
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In einer Untersuchung der SNB wurde dieser Vorwurf aber verworfen. Hildebrand habe im Zusammenhang mit der Einführung eines Mindestkurses keinerlei persönliche Vermögensvorteile in unzulässiger Weise erlangt. Er habe unverzüglich nach dem Aufkommen derartiger Gerüchte den Bankrat der SNB informiert und seine finanziellen Verhältnisse offen gelegt, hieß es damals. Daraufhin sei eine vertiefende Prüfung durch die Revisionsstelle der Nationalbank, PricewaterhouseCoopers und den Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) und dessen Stellvertreter gestartet worden. Die Prüfungen hätten letztlich bestätigt, dass keine unzulässigen Transaktionen vorgenommen worden sein und es keinen Missbrauch von privilegierten Informationen gegeben habe.
Nun äußert sich auch Kashya Hildenbrand. In einer schriftlichen Stellungnahme für eine Fernsehsendung sagte sie, sie habe Dollar gekauft, um ihre Kunstgalerie zu finanzieren, zu einem Zeitpunkt als die Währung "fast lächerlich billig" war. "70 bis 80 Prozent der finanziellen Transaktionen" ihre Galerie seien im Dollar. "Am Tag nach dem Dollarkauf wurde der General Counsel der SNB informiert, damit Transparenz herrschte, und es gab keine Einwände zu dieser Transaktion. Deshalb bin ich sehr erstaunt über das gegenwärtige Interesse daran," heißt es weiter.
Die Zeitung "Tages-Anzeiger" berichtet, das Geld stamme aus dem Verkauf eines Ferienhauses der Hildebrands in Gstaad, und die Familie plane, in Kürze ein neues Feriendomizil zu kaufen. Andere Medien berichten zudem, das Geld stamme nicht vom Geschäftskonto Kashya Hildebrands, sondern von einem gemeinsamen Konto der Eheleute Hildebrand. Die "Basler Zeitung" zitiert in diesem Zusammenhang einen emeritierten Wirtschaftsprofessor mit den Worten: "Wer Devisen kauft, will Gewinn machen. Außer, Frau Hildebrand würde glaubhaft darlegen, dass sie mit dem gekauften Geld innert weniger Monate Schulden in Dollar abbezahlt."
Die Kritik an SNB-Chef Hildebrand wächst, etwa weil er zugelassen habe, dass es überhaupt zu einer solchen Aktion gekommen sei. Wenn die Ehefrau eines hochrangigen Notenbankers Devisengeschäfte mache, habe dies immer ein "Geschmäckle". Zudem berichtet das Magazin "Weltwoche" unter Berufung auf Kontoauszüge, dass auch Hildebrand selbst rund um die Einführung der Mindestgrenze mit Gewinn Devisengeschäfte gemacht habe.
Dass sich seine Frau Ratschläge bei ihm holen muss, um Finanzgeschäfte abzuschließen, ist indes zweifelhaft. Kashya Hildebrand wurde in Pakistan geboren. Nach dem Tod ihres pakistanischen Vaters zog sie mit ihrer Mutter im Alter von vier Jahren in deren Heimatland USA. Nach einem Wirtschaftsstudium in Boston arbeitete Kashya Mahmood eigenen Angaben zufolge 15 Jahre in der Finanzbranche und zwar bei dem Hedge Fonds Moore Capital Management in New York. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann kennen. Einige Schweizer Medien berichten, dass sie dabei als Devisenhändlerin tätig gewesen sei.
Was die Hildebrands selbst jedoch aufregt, ist "dass jemand unsere Finanzdokumente von unserer Privatbank gestohlen hat, und dass man damit die Schweizerische Nationalbank destabilisieren will. Ich finde, dies ist ein schockierender Vorfall und ich würde gerne die Motive dahinter verstehen." So heißt es Schweizer Medien zufolge in der Stellungnahme der Präsidentengattin.
Richtiger Ansprechpartner wäre Christoph Blocher, streitbarer früherer Justizminister und jetziger Vize-Präsident der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Dieser hat die Unterlagen zu Konten von Hildebrand und seiner Familie bei der Bank Sarasin an die damalige Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey geschickt. Dabei habe er den Verkauf von 500.000 Franken für Dollar durch Hildebrands Ehefrau am 15. August erwähnt. Blocher gilt Hildebrand als in leidenschaftlicher Abneigung verbunden. Im vergangenen Jahr forderte er den Rücktritt des SNB-Chefs.
Unterdessen hat die Bank Sarasin in diesem Zusammenhang reagiert. Sie entließ den Mitarbeiter, der die Daten über die Devisentransaktionen weitergab. Der Mitarbeiter aus der IT-Abteilung der Bank habe Unterlagen über Bank-Transaktionen einem der Schweizerischen Volkspartei nahestehenden Anwalt gegeben. Der Anwalt habe in der Folge ein Treffen mit Nationalrat Christoph Blocher arrangiert. Dieses Treffen habe am 11. November stattgefunden, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg.
"Der Mitarbeiter hat heute gegenüber der Bank sein kriminelles Fehlverhalten offen gelegt", schrieb die Bank. Der Mitarbeiter habe sich bereits am 1. Januar 2012 der Kantonspolizei Zürich gestellt.
Die Bank Sarasin bedauere den Vorfall außerordentlich und "hat sich beim Kunden für die erheblichen Unannehmlichkeiten, die aus der Verletzung des Bankkundengeheimnisses entstanden sind, entschuldigt. Sie verurteilt den Missbrauch vertraulicher Bankdaten zu politischen Zwecken in aller Schärfe." Der "Weltwoche" zufolge hat der Ex-Sarasin-Mitarbeiter Strafanzeige gegen Hildebrand wegen Insidertrading gestellt.
Quelle: Financial Times Deutschland
Bürger schrieb:
am 10. Januar 2012 um 08:36:14
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Hildebrand
Die Frau ist intelligent, sonst nichts, hat ihren Mann nicht gebraucht
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Kaufmann schrieb:
am 5. Januar 2012 um 00:18:05
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CH
Aber, aber, hundertausende auch dt.Bundesbürger haben doch in CHF spekuliert, so hat man doch schnell aus 10.000 Euro einen Profit
von
z.B. 3.000 machen können (CHF/€) usw.
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leser schrieb:
am 4. Januar 2012 um 17:27:09
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Schweizer Nationalbank
Ist doch irgendwie komisch - warum wundert mich das nicht? Schweiz und Banken - das paßt zusammen wie Pech und Schwefel.
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