17.07.2009, 09:10 Uhr | FTD, Gregor Kessler
Tri Top steht vor dem Aus. (Foto: tritop.tv)
Der dritte Versuch, mit dem 70er-Jahre-Zuckersirup Tri Top Geld zu verdienen, ist gescheitert. Die Firma ist insolvent. Auch der verschwundene Hedge-Fonds-Manager Florian Homm hat mitgerührt.
Der Anfang klingt wie die alte Geschichte vom Geld, das auf der Straße liegt. Zur Jahrtausendwende läuft der Markenschutz von Tri Top aus, jenem zähflüssigen Zuckersirup, der deutschen Zahnärzten in den 60er- und 70er-Jahren gute Umsätze beschert hatte und Mitte der 80er aus dem Handel verschwunden war. Das kleine Hamburger Unternehmen DS Produkte meldet die Marke neu an und bringt Tri Top wieder in die Regale. Ein Selbstgänger, denkt man, der sich auch ohne millionenteure Werbung verkauft.
Nach anfänglichen Erfolgen mit Tri Top reicht DS das Tochterunternehmen 2007 an den Investor Absolute Opportunity Investment weiter. Angeblich, weil es nicht ins Portfolio passt, heißt es heute. Womöglich aber auch, weil der Markt für künstlichen Getränkesirup, der mit Wasser verdünnt werden muss, seit den 70ern dann doch massiv geschrumpft ist.
Doch auch Absolute wird nicht glücklich mit den bauchigen Flaschen und ihrem grellbunten Inhalt. Der geplante Börsengang der Tochter Aquellness, zu der auch Tri Top gehörte, wird Ende 2007 abgesagt. Kürzlich nun hat die Tri Top GmbH zusammen mit anderen Unternehmen, die 2007 von Absolute übernommen wurden, Insolvenz angemeldet. Retro, so die Lehre, ist eben auch Luxus. Und Luxus, auch der kleine, muss Spaß machen. Deshalb funktioniert zwar prickelnde Ahoi Brause, nicht aber klebriges Tri Top.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Pannen hat eine andere Begründung: Es habe da eine Neuentwicklung gegeben, die sehr viel Geld gekostet habe. Wie nun aber die Entwicklung eines schlichten Zuckersirups die Liquidität eines Unternehmens bedrohen solle, das laut Pannen immerhin noch sieben bis acht Millionen Euro Umsatz macht, kann er auch nicht genau erklären.
Womöglich sei da auch für andere Teile der übergeordneten Tap Cap Co, wie Aquellness inzwischen heißt, entwickelt worden. Genau wisse er das nicht. Zu Tap Cap gehört noch Kauf-Idee, Hersteller des Wassersprudlers Wasser Maxx. Tap Cap selbst wollte den weltkleinsten Sprudelautomaten verkaufen. Dazu wird es wohl nicht mehr kommen.
Quelle: creditreform.de
* Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen für das Jahr 2008 wurde von Creditreform geschätzt.
** Die Prognose zur Anzahl der Unternehmensinsolvenzen von Creditreform geht von 33.000 bis 35.000 Firmenpleiten in 2009 aus.
Dass selbst der Insolvenzverwalter nicht die Ursache der finanziellen Schwierigkeiten kennt, liegt auch am Dickicht hinter Tri Top. Das nämlich endet weder bei Tap Cap noch bei Absolute Opportunity, sondern erst beim nachgeschalteten Hedge-Fonds Absolute Capital Management - jedenfalls bis vor einigen Monaten. Der Fonds gelangte durch seinen Gründer Florian Homm zu einer fragwürdigen Bekanntheit. Der Deutsche gilt als Inbegriff der skrupellosen Heuschrecke und ist seit über einem Jahr verschwunden, was den Wert seines Fonds steil sinken ließ. Auch deshalb platzte 2007 der Aquellness-Börsengang.
Inzwischen ist Tap Cap Co an den ebenfalls britischen Investor Coller Capital übergegangen, der bis vor Kurzem auch im Aufsichtsrat des Unternehmens vertreten war. Unter den Mitarbeitern von Tri Top ist man entsprechend schlecht auf die Mutter zu sprechen. Schon als der bisherige Chef von Tap Cap Co, Serge Bueno, im Juni ging, sei man "in schwerer See" gewesen, heißt es. Dass jetzt das Geld ausgeht, wo doch Tri Top und Wasser Maxx ihr Hauptgeschäft im Sommer machen, das sei eine "Verkettung unglücklicher Zufälle", sagt ein Beteiligter. Dabei klebt Zynismus im Unterton wie einst Tri Top zu seinen zuckerigsten Zeiten.
FTD, Gregor Kessler
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