07.04.2011, 13:45 Uhr | dpa, t-online.de/business
Besonders kleine Spediteure müssen häufig um ihre Existenz kämpfen. (Foto: imago)
Mit der Wirtschaft geht es aufwärts - doch längst nicht alle Branchen stehen auf der Sonnenseite. Experten haben die Wirtschaftszweige mit den größten Pleiterisiken identifiziert: Am schwersten haben es demnach kleine Transporteure. Wir erläutern Ihnen, wer außerdem besonders insolvenzgefährdet ist und woran das liegt.
Kleinere Transportunternehmen haben laut einer Analyse des Kreditversicherers Euler Hermes aktuell das höchste Insolvenzrisiko. Es folgen Gebäudereiniger, Baufirmen sowie Industrieunternehmen aus den Bereichen Druck, Bekleidung und dem Kfz-Sektor. "Spediteure, die lediglich Transportdienstleistungen anbieten, stehen in einem besonders scharfen Wettbewerb", sagte Euler-Hermes-Chefvolkswirt Romeo Grill im dpa-Gespräch. Hier bestehe die höchste Pleitegefahr.
In der Speditionsbranche gingen im vergangenen Jahr 2,7 Prozent der Firmen in die Insolvenz, dies war die höchste Quote der gesamten deutschen Wirtschaft. "In diesem Jahr dürfte es ähnlich aussehen", befürchtet Grill. Zwar gebe es branchenweit gesehen eine anhaltende Erholung. "Doch die Margen gerade für kleine Spediteure sind sehr gering, die Insolvenzquote stark erhöht." Wesentlich besser sei die Lage bei den größeren Speditions- und Logistikdienstleistern.
Das zweithöchste Pleiterisiko sieht Euler Hermes in der Branche der Gebäudereiniger: "Hier gibt es geringe Markteintrittsschranken und viele kleine und mittlere Anbieter." Immerhin zwei Prozent der Betriebe gingen 2010 in die Insolvenz, Tendenz: gleich hoch bleibend.
Sorgen bereitet auch die Baubranche, einer der großen Wirtschaftszweige in Deutschland: "Im Baugewerbe rechnen wir für 2011 mit einem Anstieg bei den Insolvenzen um zwei Prozent", sagt Grill. Die Baunachfrage sei teils schwach, gerade wegen des Ausklingens der Konjunkturpakete. Die Ertragslage gerade vieler kleiner und mittlerer Firmen sei durchwachsen bis mager. "Die Insolvenzquote dürfte deshalb auf den 1,5 Prozent vom letzten Jahr verharren."
Insgesamt ging im Nachkrisenjahr 2010 ziemlich genau jede hundertste Firma in Deutschland in die Insolvenz (1,0 Prozent). Über dem Insolvenzquoten-Schnitt lagen dabei auch die Industriebranchen Druck (mit einer Insolvenzquote von 1,5 Prozent), Bekleidung (1,4) und Kfz (1,4). Dieses Ranking werde sich 2011 allenfalls gering verändern, prognostiziert Grill. Die Gesamtzahl der Insolvenzen in Deutschland dürfte nach seiner Einschätzung 2011 aber weiter zurückgehen.
Quelle: dpa
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