Logo am Firmensitz der Infineon Technologies AG in Neubiberg bei München (Fotos: dpa)Der Chiphersteller Infineon verkauft seine Handychipsparte (Wireless Solutions) für 1,4 Milliarden US-Dollar. Der US-Technologiekonzern Intel erhielt wie erwartet den Zuschlag für die Offerte von derzeit umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro. Die Münchner wollen sich künftig stärker ihrem Hauptgeschäft mit der Industrie- und Autobranche zuwenden. "Wir können nun unsere Ressourcen ganz auf starkes Wachstum in unseren Kernsegmenten Automotive (ATV), Industrial & Multimarket (IMM) und Chip Card & Security (CCS) konzentrieren", sagte Infineon-Chef Peter Bauer. Der Verkauf sei eine strategische Entscheidung, um den Wert von Infineon zu steigern. An der Börse herrschte Enttäuschung über den Kaufpreis.
Ranking - Die größten Unternehmen der USA nach Umsatz Quiz - Kennen Sie die Welt der Technik? Fotoshow - Deutschlands umsatzstärkste Unternehmen
Unklarheit über die Jobs bei Infineon
Über die Verwendung des Verkaufserlöses wollte ein Sprecher zunächst nichts sagen. Auch wie viele Mitarbeiter von dem Verkauf betroffen sind, war zunächst unklar. Die Transaktion solle im ersten Quartal 2011abgeschlossen werden. Bei Intel soll die Sparte als eigenständige Geschäftseinheit weitergeführt werden. Der US-Konzern will mit dem Zukauf sein Geschäft mit Laptops, Netbooks und Smartphones ausbauen. Die Bestandskunden übernimmt Intel gleich mit. Laut Experten gehört unter anderem der US-Konzern Apple zu den Kunden von Infineon. Die Münchner sind vor allem in der Ausstattung von sehr günstigen Handys und Smartphones stark.
Intel kauft neue Technologie
Intel kauft sich mit der Infineon-Sparte eine neue Technologie: Bislang produziert der Chipriese selbst hauptsächlich WiFi- und WiMax-fähige Chips, die Bauteile von Infineon sind auf 3G-Mobilfunktechnologien wie UMTS ausgelegt. Zudem soll die Entwicklung der nächsten Mobilfunkgeneration LTE beschleunigt werden, die zum Beispiel eine schnellere Datenübertragung erlaubt. Intel sei gut positioniert, um das Wachstumspotenzial in jedem Computing-Segment zu nutzen - von Laptops bis zu mobilen Endgeräten, erklärte Intel-Chef Paul Otellini.
Mobilfunkchips lange problematisch
Schon seit Monaten war über den Verkauf spekuliert worden, Intel galt als möglicher Käufer. Die mittlerweile profitable Handysparte machte 2009 immerhin ein Drittel des Jahresumsatzes von Infineon aus (gesamt: 3,03 Milliarden Euro). Die Mobilfunkchipsparte galt jahrelang als größtes Sorgenkind bei Infineon.
Der Markt hatte mehr erwartet
Der Verkaufspreis liege im Rahmen seiner Erwartungen, schrieb Analyst Thomas Becker von der Commerzbank. Allerdings komme dieser an die zum Teil sehr ehrgeizigen Markterwartungen nicht heran. Das könne für eine gewisse Enttäuschung sorgen. Ende 2011 sollte Infineon dann über einen Barmittelbestand von 2,50 Euro je Aktie verfügen. Er erwarte, dass der Halbleiterhersteller beginnen dürfte, für 2010 eine Dividende zu zahlen. Die Commerzbank ließ ihre Einstufung der Infineon-Aktie nach dem Verkauf auf "Buy" mit einem Kursziel von 6,60 Euro.
Frisches Geld für Zukäufe
Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank hatte den Wert der Sparte bereits in einem Kommentar am Freitag auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro taxiert und seine positive Haltung bezüglich der Aktie und der Industrie bekräftigt. Er hatte angesichts der jüngsten Erholung der Sparte von einem perfekten Verkaufszeitpunkt gesprochen, sagte aber bereits, dass der angestrebte Preis von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro möglicherweise nicht erzielt werden könne. Ein Verkauf ebnet laut Schnitzer den Weg für eine substanzielle Ausschüttung an die Aktionäre oder für eine Stärkung des Kerngeschäfts durch Zukäufe.