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Interimsmanager: Ungeliebte Feuerwehrmänner der Wirtschaft

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Ungeliebte Feuerwehrmänner der Wirtschaft

10.12.2010, 10:30 Uhr | FTD, Julia Groth

Interimsmanager sind die Feuerwehrmänner der Wirtschaft. (Foto: imago)

Interimsmanager sind die Feuerwehrmänner der Wirtschaft. (Foto: imago)

Chefs auf Zeit bringen Ordnung in die Bilanzen – und retten manche Firma vor dem Ruin. Doch das wird ihnen nicht immer gedankt: Die Wandermanager machen sich durch ihre Konsolidierungskurse oft unbeliebt.

Interimsmanager sind nicht immer willkommen

Karl Kornwolf weiß, wie es ist, nicht willkommen zu sein. Der 43-Jährige ist selbstständiger Interimsmanager und bringt als Chef auf Zeit die Geschäfte von Unternehmen auf Vordermann. Im schlimmsten Fall muss er Firmen vor der Pleite retten. Deren Inhaber wissen das nicht immer zu würdigen. So zum Beispiel ein Mittelständler, zu dem Kornwolf auf Geheiß der besorgten Hausbank ging, um die Firmenfinanzen wieder ins Lot zu bringen.

Der Interimsmanager löste den überforderten Unternehmer zeitweise als Geschäftsführer ab und rettete die Firma vor der Insolvenz. Dank bekam er keinen. "Es ist mir nicht gelungen, den Unternehmer dazu zu bringen, meine Arbeit zu schätzen", sagt Kornwolf. "Er hat alles, was ich getan habe, als Dokumentation seines Misserfolgs betrachtet." Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland 10.000 bis 20.000 Interimsmanager, je nachdem, wie eng man das Berufsbild definiert.

Firmeninhaber oft Teil des Problems

Tätig werden sie für Mittelständler wie für Konzerne. Rund 4000 bis 5000 Interimsmanager kommen im oberen Management zum Einsatz. Ihnen weht ein besonders rauer Wind entgegen. Bestellt ein Inhaber einen Interimsgeschäftsführer, um die Firmengeschicke zeitweise zu lenken, stellt sich manchmal heraus: Der Inhaber ist selbst Teil des Problems. Manch ein Mittelständler wünscht sich zwar ein besseres Geschäftsergebnis, will sich aber nicht von einer externen Führungskraft sagen lassen, wie sein Unternehmen dafür idealerweise funktionieren müsste.

"Da kommt es schnell zu Spannungen mit dem Interimsmanager", sagt Harald Linné, Partner beim Münchner Dienstleister Atreus, nach eigenen Angaben in Deutschland Marktführer bei der Vermittlung von Interimsmanagern. Wer einen Chef von außen gerufen hat, ist deshalb manchmal der Erste, der ihn wieder loswerden will.

Besserwisserei vermeiden

Kornwolf hat sich eine Strategie zurechtgelegt, um selbst störrische Firmeninhaber zu überzeugen. Am wichtigsten ist es seiner Ansicht nach, den Chefs gut zuzuhören, ihre Handlungsvorschläge ernst zu nehmen und, wenn sie sinnvoll sind, auch tatsächlich zu berücksichtigen. "Tut man das nicht, hat man schon die erste Mauer aufgebaut", sagt Kornwolf. Wer als Besserwisser und Alleskönner mit der einzig richtigen Strategie im Gepäck daherkommt, macht sich unbeliebt. Und zwar nicht nur beim Inhaber, sondern auch bei der Belegschaft.

Mit allen Mitarbeitern reden

Interimsmanager sollten auch bei den Mitarbeitern Präsenz zeigen und ein offenes Ohr für deren Sorgen haben, sagt Kornwolf. Das kommt seiner Erfahrung nach sogar besser an, als Boni zu verteilen. Darüber hinaus sollten sie in der Belegschaft um Verständnis für die Lage des Inhabers werben und erklären, welche Maßnahmen aus welchen Gründen nötig sind. "So erkennt der Inhaber, dass man nicht gegen ihn arbeitet."

"Als Interimsmanager sollte man auf Mandanten zugehen können"

Auch Detlef Specovius setzt auf Gespräche, um sich in fremden Unternehmen Akzeptanz zu verschaffen. "Als Interimsmanager sollte man auf Mandanten zugehen können", sagt der Sanierungsberater vom Restrukturierungs- und Insolvenzverwaltungsdienstleister Schultze & Braun, auch regelmäßig selbst als Interimsmanager tätig. Zuletzt war er bei der Textilkette SinnLeffers im Einsatz. "Wenn man die Belegschaft eines Unternehmens einschließlich Führungsebene nicht auf seine Seite ziehen kann, wird es schwierig", sagt er. Laut Specovius müssen Interimsmanager der Belegschaft eines Unternehmens die Notwendigkeit ihres Einsatzes deutlich machen. "Dafür sollte man die grundsätzliche Bereitschaft mitbringen, mit jedem einzelnen Mitarbeiter zu reden."

Spezialisten für Wachstum

Mittlerweile werden Interimsmanager allerdings seltener von Mittelständlern gerufen, die Sanierungsbedarf haben. "In den vergangenen zwei Jahren haben Unternehmen hauptsächlich handfeste Sanierer gesucht", sagt Linné vom Vermittler Atreus.

Solche Interimsmanager also, die Kompetenz in Finanzfragen und Erfahrung mit Firmensanierungen besitzen, die schnell und entschlossen handeln und ein angeschlagenes Unternehmen rasch wieder auf Kurs bringen können. Jetzt ist der Aufschwung da, und Mittelständler haben mit anderen Problemen zu kämpfen. "Heute sind Interimsmanager gefragt, die Vertriebskompetenz besitzen und wissen, wie man das Wachstum eines Unternehmens organisiert", sagt Linné. Weil die Zahl der Fusionen steigt, sind auch Manager mit Fusions- und Integrationserfahrung gesucht.

Die Chefs auf Zeit müssen heute seltener als Feuerwehrmänner auftreten als zu Hochzeiten der Krise. "Interimsmanager werden nicht mehr nur dann gerufen, wenn nichts anderes mehr geht", sagt Sanierungsexperte Specovius. Stattdessen sollen sie Mittelständlern dabei helfen, bereits identifizierte Potenziale im Unternehmen zu nutzen. Geht es bei einem Einsatz nicht um das Überleben einer Firma, sind die Inhaber entspannter. Das Konfliktpotenzial ist geringer, wenn auch nicht ganz verschwunden.

Sündenbock Wandermanager

Manchmal nehmen Betriebe Interimsmanager sogar freudig auf. Gerade wenn sie für Aufgaben zuständig sind, die der Chef zwar selbst übernehmen könnte, aber nicht will. Specovius etwa wurde einmal in eine mittelständische Druckerei gerufen, die aus wirtschaftlichen Gründen einen ihrer zwei Geschäftsbereiche schließen musste. Und zwar ausgerechnet jenen, in dem rund zwei Drittel der Mitarbeiter beschäftigt waren. Der Inhaber und Geschäftsführer hatte seit 30 Jahren niemanden mehr entlassen und brachte es nicht übers Herz, dem Großteil seiner Beschäftigten zu kündigen. Seinem jungen Co-Geschäftsführer und Neffen wollte er diese schwere Aufgabe nicht zumuten. Denn er sollte das Unternehmen noch lange Zeit führen, möglichst ohne vergiftetes Betriebsklima.

Specovius warb bei der Belegschaft um Verständnis für die Entlassungen und einigte sich schließlich mit dem Betriebsrat auf eine Transfergesellschaft. Die Druckerei war danach besser aufgestellt. Der Inhaber hatte niemanden persönlich entlassen müssen. Und Specovius zog weiter.


Quelle: Financial Times Deutschland

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