
13.02.2012, 19:09 Uhr | Der Aktionär
Vor knapp zehn Jahren hat er die Goldhausse vorhergesagt. Jetzt wechselt Christoph Eibl ins Lager der Bären. Im Interview erklärt er, wieso Gold bis auf 1300 Dollar fallen könnte.
DER AKTIONÄR: Herr Eibl, der Goldpreis kannte in den vergangenen Jahren nur den Weg nach oben. Ist der Trend noch intakt?
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Christoph Eibl: Zum Jahrtausendwechsel war Gold etwas Mystisches. Es gab keine Goldshops, keine Goldautomaten, keine Bild-Zeitung, die über Gold geschrieben hat. Mittlerweile hat sich das geändert: Gold ist ein Massenphänomen geworden. In der Presse wird darüber berichtet und es gibt unzählige Produkte in Form von ETFs und Zertifikaten. Darüber hinaus gibt es genügend Banker und Vermögensverwalter, die Gold auch im Rahmen einer Vermögensverwaltung empfehlen. Gold hat heute als Assetklasse Einzug in private und teilweise auch institutionelle Portfolios gefunden.
Die Notenbanken in den USA und in Europa drucken jede Menge Geld. Nach Ansicht vieler Experten ist Gold der beste Inflationsschutz.
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Natürlich korreliert der Consumer Price Index (CPI) sehr stark mit dem Goldpreis. Insofern ist es richtig, dass Gold als Inflationsschutz wirkt. Aber die Frage ist: Ist Gold aktuell attraktiv als Inflationsschutz? Und hier kann man ganz klar erkennen, dass sich der Goldpreis in den vergangenen Jahren abgekoppelt hat, wenn man ihn mit anderen Inflationsindikatoren wie Öl oder auch Rohstoff-Indizes vergleicht. Hier ist Gold deutlich teurer geworden. Wenn man sich vor Inflation schützen möchte, wäre es sinnvoller, in günstigere Assetklassen zu investieren.
Selbst wenn Sie sagen, dass Gold als Inflationsschutz überbewertet ist: Muss der Goldpreis nicht dennoch vor dem Hintergrund, dass Indien und China immer mehr Gold kaufen, steigen?
Man muss unterscheiden zwischen Gold als Rohstoff und Gold als Währung. Wenn man Gold als Metall betrachtet, dann stellt man fest, dass das traditionelle Angebot (Recycling-Gold) sich signifikant ausgeweitet hat und die Nachfrage vonseiten der Schmuckund Elektroindustrie eingebrochen ist. Um zum Angebot zurückzukommen: In den vergangenen zehn Jahren sind über 1000 Tonnen durch Recycling gewonnen worden. Dieses Altgold ist nicht zu verachten. Gleichzeitig ist die traditionelle Nachfrage gesunken. Betrachtet man also Gold als Rohstoff, dass muss man zu dem Schluss kommen:
Gold ist unattraktiv.
Aber neue Goldvorkommen zu finden, wird doch immer schwieriger.
Anfang 2000 war die globale Goldproduktion bei 2500 Tonnen. Heute ist die globale Goldproduktion noch immer bei 2500 Tonnen. Das heißt, das Bild hat sich nicht signifikant geändert. Was sich verändert hat, ist das Preisniveau. Bei einem Niveau von 1600 Dollar pro Unze sind sicherlich deutlich mehr Vorkommen ökonomischer abbaubar als auf Preisniveaus bei 300, 400 Dollar, wie wir sie noch vor rund zehn Jahren hatten.
Aber auch die Zentralbanken kaufen Gold. Sollte das den Goldpreis nicht stützen?
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Es mag ein Treppenwitz der Geschichte sein, dass heute die Argumente der Goldkäufer mit der Zentralbank verbunden werden. Vor zehn bis 15 Jahren, als die britische Zentralbank und die Schweizer Nationalbank ihre Goldreserven unter 300 Dollar verkauft hatten, dienten sie als Negativbeispiel für Gold. Heute sollen angeblich die Zentralbanken die klugen Investoren sein, die voranschreiten und wissen, wann man etwas kauft oder verkauft. Der erscheint mir doch sehr fragwürdig. Der Anteil von Gold an den Währungsreserven hat sich eher abgesenkt. Dazu stellt sich die Frage: Wer soll überhaupt kaufen? Wir sehen ein Liquiditätsproblem. Deshalb glauben wir, dass viele Zentralbanken überhaupt nicht in
diesem Markt in dieser Größenordnung tätig werden. Und natürlich gibt es auch noch die Frage: Was stellt die Kaufkraft dieses Goldes dar?
Es heißt, der Goldpreis sei deshalb unter Druck geraten, weil sich Spekulanten zurückgezogen hätten, um ihre Verluste bei Aktien auszugleichen. Damit dürfte es sich nur um einen kurzfristigen Effekt handeln.
Das stimmt so nicht. Was wir in 2011 sehen konnten, waren zwei deutliche Preisrückgänge in Gold, in wenigen Tagen ging es fast um 500 Dollar zurück. Der Grund für diesen Preisverfall
ist einfach: Es gab keine Käufer. Es gab mehr Verkäufer als Käufer – und zwar im großen Volumen. An diesen Tagen fehlten die Investoren, die dieses Volumen an Gold kaufen konnten oder wollten. Damit sehen wir das Problem eines signifikanten Preisrückgangs.
Nähert sich der Megatrend dem Ende?
Insgesamt sehen wir, dass das Potenzial besteht, dass Gold auf Jahressicht Richtung 1300 Dollar pro Unze zurückgeht – das sind etwa 300 Dollar. Einen solchen Rückgang haben wir im vergangenen Jahr mehrere Male gesehen. Es wird kein geradliniger Rückgang sein. Die geopolitischen Entscheidungen werden sich natürlich auch beim Goldpreis widerspiegeln. Gerade vor dem Hintergrund der Unsicherheiten mit Blick auf das Finanzsystem wird Gold noch den einen oder anderen Höhenflug bekommen. Aber auf Sicht gehen wir davon aus, dass Gold im Vergleich auch zu den anderen Metallen das Schlusslicht darstellen wird.
Wie sollen sich Anleger Ihrer Ansicht nach positionieren?
Ich glaube, insgesamt ist es wichtig, dass man zu Gold ein normales Verhältnis pflegt – kein dogmatisches oder gar religiöses, wie es manchmal scheint. Gold ist ein Anlagemedium, es hat gewisse Vorteile, es hat eine Korrelation mit Inflation, es hat diesen Touch dieses „Safe Haven“-Investments. Aber man sollte sich nicht verleiten lassen, Gold als den Messias, den Erretter und den Erlöser aller möglichen Probleme darzustellen. Wir sollten Rohstoffe sachlich betrachten. Und wenn man dann zu dem Ergebnis kommt, dass es bei Palladium zu einer Verknappung kommen könnte oder es bei Zinn Defizite auf der Produktionsseite gibt – man aber gleichzeitig sieht, dass es solche Probleme bei Gold nicht gibt –, dann sollte man die eigene Position überdenken. Unserer Ansicht nach dürften Industriemetalle aktuell attraktiver sein als Gold.
Herr Eibl, wir danken Ihnen für das Interview.
Quelle: Der Aktionär
rap schrieb:
am 25. Januar 2012 um 10:24:16
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Sicher, Achim, allein
sagt das nichts über den zu erwartenden Geldwert pro Unze Gold aus. Das "Zettelgold" hat und wird den Preis
bestimmen, Investoren gehen im großen Stil heute "rein", morgen wieder "raus", je nach aktueller Brenzligkeit des Finanzsystems. Relativ hohe Volatilität ist die Folge. Die eigentliche Frage wird allerdings nicht sein, was kostet die Unze Ende 2012 in USD, sondern was kostet sie dann in Euro ;-) Es ist dieser Schutz, den Eibl unterschätzt.
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Goldhardt schrieb:
am 21. Januar 2012 um 19:14:52
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Goldpreis
Offensichtlich kann dieser Herr nicht zwischen physischem Gold und iregndwelchem Zettelgold (Zertifikate,Futures etc)
unterscheiden.
Gegenwärtig wird dem Umwissenden wieder jede Menge "Gold" in Form irgendwelcher Fonds, ETF's usw. angedreht. Alles Zettel, die von heute auf morgen wertlos werden können. Wurde physisches Gold jemals wertlos?
Übrigens halte ich viel mehr von Silber.
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Achim schrieb:
am 20. Januar 2012 um 18:28:30
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Gold
Gold gilt bei vielen, auch den Banken, immer noch als Währungsäquivalent, auch wenn die Golddeckung längst passe ist. Solange das
alle glauben, stellt es eine gewisse Sicherheit dar. Vielleicht liegen in Fort Knox aber inzwischen statt Goldbarren unscheinbare seltene Erden in Säcken.
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